Über den Verlust von Freundschaft und Gemeinschaft
- vor 15 Stunden
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Das heutige Video schaut auf zwei wichtige Erfindungen, die grundlegend neu definiert haben, wie wir als Menschen unsere Zeit verbringen und wie wir uns begegnen.
Wir fühlen uns heute einsamer denn je. Und das ist keine Einbildung, das ist eine Erfahrung, die wir machen. Eine Statistik aus den USA zeigt, dass zwischen 1960 und 1990 Amerikaner 300 Stunden mehr Freizeit pro Jahr hatten. Und diese Freizeit haben sie dazu genutzt, vor dem Fernseher zu sitzen. In Europa wird die Statistik nicht wesentlich anders aussehen.
In der Zeit, die ich vor dem Fernseher sitze, habe ich keine sozialen Kontakte. Mit der Erfindung des Smartphones ist eine Technologie dazu gekommen, die unsere Aufmerksamkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort binden kann. Ich kann in einem Café sein und bin doch allein, wenn ich in mein Handy schaue. Ich kann auf einer Party sein und doch allein mit meinem Handy. Der Kontakt mit anderen verschwindet. Vor kurzem habe ich einen Vater gesehen, der den Kinderwagen plus Kind in die Wand geschoben hat, während er auf sein Handy geschaut hat. Er hat dann einfach die Richtung geändert, ohne auf sein Kind zu schauen. Und ich sehe Kinder, die noch nicht reden können, mit Handys in der Hand, damit sie beschäftigt sind, statt dass sie ein echtes menschliches Gegenüber haben.
Menschen nehmen heute in jedem Moment, in dem sie sich selbst oder anderen begegnen könnten, ihr Smartphone in der Hand und verschwinden mit ihrer Aufmerksamkeit aus dem sozialen Kontakt. Das gilt auch für Paare im Restaurant oder für Großeltern, die mit ihren Enkeln zusammen an einem Tisch sitzen. Sobald einer im Handy verschwindet, greift auch der andere zu seinem Handy. Meine Tochter hatte vor vielen Jahren einen Kindergeburtstag, an dem 8 Freundinnen mit ihr am Sofa saßen - und jede hat für sich in ihr Handy geschaut - sehr zum Frust meiner Tochter, die sich gefreut hatte, Zeit mit ihren Freundinnen zu verbringen.
Die Erfahrung von Begegnung und Gemeinschaft verschwindet. Es ist immer öfter Technik, über die wir "scheinbar" in Kontakt sind. Wir können über den Computer Bilder, Töne, Videos verschicken, können Nachrichten über WhatsApp oder Mail oder Chat schicken. Und dabei haben wir nie wirklich Kontakt zu jemandem. Jeder ist auf seiner Seite nur mit Technik in Kontakt.
Alles, wo zwischen mir und einem anderen Menschen ein Bildschirm ist, gibt es keine wirkliche Begegnung. Wir kommen immer mehr dahin, dass wir anderen dabei zuschauen, was sie erleben - wir erleben aber selbst nichts mehr mit anderen. Wir werden zu Zuschauern, die Erlebnisse anderer konsumieren, statt Erlebnisse mit anderen zu teilen.
Einsamkeit, Depression, Ängste & Stress
Und so nehmen spätestens mit der Erfindung des Smartphones vier Phänomene drastisch zu: Einsamkeit, Ängste, Depression und Stress. Denn unsere biologische Programmierung ist, uns in der Begegnung mit anderen selbst zu erkennen und Teil von Beziehungen zu sein, die uns lebendig machen.
Das, was wir über Bildschirme erleben, macht uns nicht lebendig. Es fühlt sich im Vergleich tot an und hinterläßt uns mit einem Gefühl innerer Leere.
Wie Fernsehen, Computer und Smartphones psychologisch designt sind, bieten sie starke Reize, die unsere Aufmerksamkeit schnell fesseln. So fressen sie immer mehr unserer Zeit und Aufmerksamkeit in der Freizeit und wir werden immer asozialer. Das gilt nicht nur für unsere Kinder und für Jugendliche. Es betrifft uns alle. Direkter menschlicher Kontakt wird immer fremder.
Statt dass ich jemanden anrufe oder treffe, schreibe ich eine Nachricht - in der Illusion, dass das Begegnung ist - aber ich spüre den anderen so nicht, ich kann ihn nicht verorten.
Das Problem dabei ist - Gewohnheiten prägen unsere Persönlichkeit. Wir sind, was wir regelmäßig tun. Und so verlieren wir die Fähigkeit, anderen zu begegnen. Es wird uns fremd. Soziale Ängste steigen. Und wenn das alle betrifft, entsteht kulturell ein neues "normal", das in Wirklichkeit gar nicht unseren Bedürfnissen entspricht.
40 % der Teenager in den USA fühlen sich heute einsam. Das ist fast die Hälfte. Und das in einer Zeit, in der sie über die Schule noch Teil von lebendigen Gemeinschaften sind. Fast 40 % der erwachsenen Bevölkerung in den USA haben starke soziale Ängste. 30 % der Teenager leiden an Depressionen und Ängsten. Wir verlernen, die sozialen Wesen zu sein, die wir eigentlich sind. All diese Zahlen haben vor 20 Jahren drastisch anders ausgesehen.
Künstliche Intelligenz ist der nächste Schritt. Und viele Menschen beginnen, ChatGPT wie einen Freund zu nutzen - statt echte Freunde zu finden, mit denen sie über ihre Gefühle sprechen können.
Wenn man das weiter spielt, wird es für Menschen leichter und leichter, mit Technik in Beziehung zu gehen, als mit anderen Menschen. Und dabei verlieren wir einen wesentlichen Teil unserer Menschheit.
Mir hat das Video, das ich heute verlinke, wieder sehr bewusst gemacht, wo ich auch selbst das Smartphone in Bereiche meines Lebens hereinlasse, wo es Beziehung und reale Begegnung verdrängt. Es ist für mich wieder ein Punkt, von dem weg ich bewusster damit umgehen möchte, wann, wie oft und wofür ich mein Smartphone nutze und was der Preis dessen ist.
Beziehungen entstehen, wenn ich dir begegne und du mir. Wo diese direkte Begegnung verloren geht, stirbt Beziehung und Selbstbeziehung. Und letztlich sind gelungene Beziehungen in unserem Leben das Einzige, das zu wirklicher Lebenszufriedenheit und Glück führt.
So sind wir gebaut - daran ändert auch die Technik nichts.
Wie immer kann man auf YouTube deutsche Untertitel dazu schalten, wenn man das möchte.

















