Über den Wert von Freundschaft

Wir verlieren uns immer wieder und dann finden wir uns wieder. So geht es jedem von uns, das ganze Leben lang.


Um wieder zu uns zu finden, brauchen wir oft jemand von außen - und oft ist es ein Freund, der uns hilft, Dinge wieder anders sehen zu können als durch den dunklen Filter unserer jetzigen Stimmung.


Mal brauche ich einen Freund, der mir hilft, und mal bin ich der Freund, der für den anderen die Leiter hält, mit der er wieder aus seinem Loch kriechen kann.

Über den Wert von Freundschaft I Achtsamkeit Blog

Ich bin nicht allein


Wann immer wir in Konflikt sind, fühlen wir uns in der Tiefe allein, abgeschnitten, ziehen uns zurück.


Freundschaft wird in dem Moment geboren, wenn eine Person zur anderen sagt: "Was, du auch? Ich dachte, ich wäre der einzige." C.S.Lewis


Es tut gut, wenn ein Freund auftaucht, jemand, der mich versteht und dem es auch schon so gegangen ist. Der mitfühlen kann. Der mir den Eindruck geben kann, dass ich ok bin, auch wenn die Umstände gerade nicht so toll sind. Jemand, der mich daran erinnert, wer ich bin, wenn es mir gut geht und die Welt sich anders anfühlt.


Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast. Albert Einstein


Wenn ich das, wie es mir geht, mit jemandem teilen kann und das Gefühl bekomme, der andere versteht mich, dann ist das schon mal ganz viel wert.


Es gibt aber noch einen anderen Aspekt in der Begegnung, der ganz wichtig dafür ist, dass ich wieder gut zu mir finden kann.


Mich wieder anders spüren können


Wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich oft aus einem Gefühl nicht befreien. Es beherrscht unsere ganze Wahrnehmung. Bin ich mal in einem Gefühl gefangen, sind auch alle meine Gedanken durch das Gefühl gefärbt. Alles ist dann nur noch negativ und trist. So wirkt jedes Gefühl, das in mir stark ist, wie eine Trance, in der ich gehalten werde.


Wenn ein Freund zu mir kommt, der in anderen Gefühlen ist als ich, dann öffnet sich auf einmal wieder eine andere Perspektive. Denn durch die sogenannten Spiegelneuronen spüre ich automatisch die Gefühle, in denen mein Gegenüber ist.


Das führt dazu, dass ich mich in Gegenwart eines Freundes wieder anders fühlen kann. Dadurch kann ich mich selbst und die Welt wieder ein Stück anders wahrnehmen und verbinde mich wieder mit anderen Gefühlen in mir. Denn jedes Gefühl hat eine eigene Perspektive aufs Leben.


Die Welt schaut anders aus, wenn ich neugierig, enttäuscht, mutig, verliebt, deprimiert oder glücklich bin. Kann ich mich also ein Stück weit mit den Gefühlen eines anderen Menschen verbinden, wirkt das, was mich gerade noch bedrückt hat, vielleicht gar nicht mehr so schlimm.


Freunde bringen also andere Gefühle mit und damit auch andere Perspektiven, die mir selbst gerade nicht zugänglich sind. So kann ich mich wieder anders spüren und das ändert nicht nur mich, sondern auch meine Welt.


Meine Welt ändert sich


Sobald ich in anderen Gefühlen bin, ändert sich meine Welt. Denn meine Gefühle konstruieren meine Wirklichkeit. Jeder kennt den Effekt, dass ihm lauter gut gelaunte Menschen begegnen, wenn er selbst gut gelaunt ist. An Tagen, wo einem alles auf den Nerv geht, trifft man interessanterweise lauter unausstehliche Leute.


Das sind alles Resonanzphänomene, die mit den Spiegelneuronen zu tun haben. Bin ich in guten Gefühlen, löse ich sie auch in anderen aus. Bin ich in meiner Mitte, komme ich auch weniger in Konflikt mit anderen.


So ändert sich durch einen guten Freund nicht nur meine Stimmung, sondern in gewisser Weise gleich meine ganze Welt.

Übung:


Die Tendenz, sich zurückzuziehen, wenn es einem nicht gut geht, ist immer da. Man hat dann oft das Gefühl, dass man sich so wie man ist, gerade niemandem zumuten kann. Während der permanenten Lockdowns und Kontaktbeschränkungen durch Corona wird das Alleinsein und der Rückzug noch verstärkt - einfach, weil wir ohnehin alle weniger soziale Kontakte haben, die uns in andere Stimmungen bringen. So bleibt jeder für sich ein Stück mehr allein mit seinen Problemen und Sorgen.


Die Übung dieser Woche besteht darin, ganz einfach zu schauen, ob man es gerade gut brauchen könnte, einen guten Freund, eine gute Freundin zu sehen oder zu hören. Einfach, um sich aus der eigenen Perspektive mal wieder ausparken zu können. Es tut gut, wenn sich die Welt nicht nur um mich selbst dreht - denn dann verliere ich mich. Da geht es uns allen gleich.


Und vielleicht geht es dir gerade gut und du hast das Gefühl, für jemanden die frische Perspektive sein zu können, die er oder sie gerade braucht.


Freundschaft ist immer wichtig. Aber ganz besonders, wenn man sich gerade allein fühlt.

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