Schreibmeditation Teil 2

Am 11. Juni habe ich einen Beitrag mit dem Titel Schreibmeditation geschrieben. Dieser Beitrag ist eine Erweiterung - Teil 2 der Schreibmeditation.


Schreibmeditation Teil 2 I Achtsamkeitsblog


Wer von vorn einsteigen möchte, der findet unter diesem Link Teil 1.


Automatisches Schreiben als Selbsterkenntnis


Im ersten Teil der Schreibmeditation ging es um das automatische Schreiben als Zugang zu unbewussten Inhalten. Wenn ich 10 Minuten schreibe, ohne den Stift abzusetzen, offenbaren sich die Dinge, die mich unbewusst beschäftigen. Meinen Haltungen, Glaubenssätze, Ängste, Wünsche, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Frustrationen, usw.


Die Idee ist, immer im Schreiben zu bleiben - ohne Unterlass. Wenn mir nichts einfällt, dann schreibe ich genau das auf.


So ist es wie bei jeder Meditation - ich bin mit dem, was ist - ohne Filter, ohne Konzept, ohne Erwartungshaltung. Ich begegne mir so, wie ich bin.


Das in sich ist ein interessanter Selbsterfahrungsprozess. Denn ich begegne mir selbst mit Dingen, die mich überraschen und in denen ich mich gleichzeitig erkenne.


Interessant ist eine Fortführung, die diese Selbsterfahrung ganz wesentlich vertieft.


Vertiefung des automatischen Schreibens


Lese ich mir den Text, den ich geschrieben habe durch, tauchen darin interessante Bereiche und Annahmen auf, die mich beschäftigen. Und genau mit diesen Bereichen kann ich etwas tun. Ich kann diese Bereiche vertiefen und mit mir selbst in eine tiefere Selbsterfahrung gehen.


Dafür nehme ich die Passagen aus dem Text raus, in denen genug Resonanz und Emotionalität für mich liegt. Die schreibe ich sozusagen als Überschrift raus und beginne wieder 10 Minuten automatisch - also ohne Unterlass zu schreiben, was ich zu diesem Punkt eigentlich denke und fühle.


Auch diesen Text kann ich am nächsten Tag wieder auf die Essenz verkürzen, die mir bedeutsam erscheint und kann so den Prozess fortsetzen. Ich schreibe dann wieder 10 Minuten, was ich mir zu diesen Gedanken einfällt.


So steige ich sozusagen Stufe für Stufe in mein Unbewusstes hinab und vertiefe sowohl meine Selbsterkenntnis, wie auch meine Bewusstheit in Bezug auf dieses Thema.


Dadurch beginnt das Thema auch in meinem Alltag in meinem Bewusstsein aufzutauchen und ich komme in einen fokussierten Selbsterfahrungsprozess, den ich sonst so nur mit einem Gegenüber machen kann.


Dieser Prozess, einen Spiegel für mein eigenes Innenleben zu finden, ist ein wesentlicher Bestandteil von Beratung und Therapie. Mit dieser Methode der Schreibmeditation kann ich ein Stück weit mein eigener Berater werden.


Schreiben schafft ein Gegenüber


Durch das Schreiben entsteht ein Gegenüber, das ich selbst bin. Ich komme also durch diese Schreibmeditation in Bezug auf mich selbst in eine Außenperspektive. Ich begegne mir durch das Geschriebene wie von außen - wie einer anderen Person. Und da die Inhalte auch noch aus dem Unbewussten sind, entdecke ich tiefere Zusammenhänge und Lösungen für mein Leben.

 

Übung:


Der Text oben ist dieses Mal schon die Übung. Einfach ausprobieren und Erkenntnis über mich selbst sammeln, das ist die Einladung dieses Beitrags.


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