Meine Gefühle fühlen - wie geht das?


In mir sind immer Gefühle lebendig - aber das heißt nicht, daß ich sie auch bewusst wahrnehme. Manchmal nehme ich nur noch Nebel in mir wahr und fühle mich wie betäubt. .


Meist tauchen Gefühle nur unbewusst auf - äußern sich durch Lachen, Entspannung oder in einem Unwohlsein, einer Müdigkeit, oder dadurch, daß ich gereizt werde oder halsstarrig. Ich werde also auf verschiedenste Weise "emotional". Aber welche Gefühle daran eigentlich beteiligt sind, nehme ich in der Regel nicht bewusst wahr.


Was machen Gefühle mit mir?


Gefühle funktionieren so ein bißchen wie Wegweiser. Haben wir sie, ändern sie die Richtung, in die wir gehen, den Verlauf eines Gesprächs und den Abstand in einer Begegnung. Das passiert alles blitzschnell und schon sind wir in neuen Gefühlen.


Dadurch übersehen wir oft, welche Erfahrung wir eigentlich in einer Begegnung wirklich machen. Welche Gefühle eigentlich berührt werden.


Es ist für mich eines der größten Geschenke der Achtsamkeit, daß ich lerne mir meiner Erfahrungen und Gefühle bewusst zu werden. Daß ich lerne in mich rein zu hören und zu wahrzunehmen - was ist da eigentlich genau? Daß ich lerne Erfahrungen und Gefühle zu erforschen.


Mit mir selber gut umgehen


Mit mir selber gut umgehen heißt für mich heute, daß ich "allen" meinen Gefühlen Aufmerksamkeit schenken möchte.


Mit mir selbst gut umzugehen heißt für mich den Mut zu haben "alle" Gefühle in mir ohne Wertung und Urteil anzunehmen und sie wirklich zu fühlen. Auf diese Weise lasse ich sie leben und kann sie auch wieder loslassen.


Es gibt dabei eine interessante Erfahrung zu machen: Jedes Gefühl, daß ich tatsächlich fühle, wird von allein wieder kleiner. Es sind die Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, die immer größer werden und uns nicht mehr vom Leib rücken.


Mit mir selbst gut umzugehen heißt für mich auch, die guten Gefühle wie Schönheit, Freude und Liebe zu feiern und sie nicht als selbstverständlich zu sehen.


Mit mir gut zu leben heißt also für mich, mir meine Gefühle bewusst zu machen.


Jedes Gefühl ist konstruktiv


Auch die Gefühle, die sich nicht so gut anfühlen, sind in der Tiefe konstruktiv und haben wichtige Funktionen, ohne die wir nicht gut in Beziehung treten könnten. Aber weil sie sich nicht gut anfühlen, wollen wir sie in der Regel gerne loswerden - sie am liebsten nicht spüren.


Doch je mehr wir uns dagegen wehren es zu fühlen, desto größer wird es und desto länger bleibt es.


Widerstand hält Gefühle fest und gibt ihnen Nahrung


Widerstände halten Gefühle deswegen fest, weil das Gefühl eine wichtige Botschaft hat. Wird es nicht gehört, wird es lauter. Dem Gefühl geht es da nicht anders als und selber in unseren Beziehungen. Werden wir mit etwas, was uns wichtig ist nicht gehört, fangen wir auch an lauter zu werden, damit jemand auf uns aufmerksam wird.


Was tue ich mit einem Gefühl, das gehört werden möchte?


Haben wir ein Gefühl, das wir nicht fühlen wollen, machen wir uns gerne Gedanke woher dieses Gefühl kommt und warum wir es haben. Wir "denken" dann also gern über unser Gefühl nach. So sind wir nicht beim Fühlen, sondern beim Denken.


Dabei schauen wir das Gefühl aber nur von außen an, statt es zu fühlen. Wir halten es uns vom Leib.


Jedes Nachdenken über ein Gefühl und jedes Loswerden wollen eines Gefühls ist nichts weiter als die Weigerung es zu fühlen.


Das Annehmen eines Gefühls passiert also darüber es wirklich zu fühlen. In das Gefühl rein zu gehen und es durchzufühlen. Nichts wirkt so lösend und entspannend wie das Fühlen eines ungeliebten Gefühls. Das Fühlen ohne Wertung und Urteil. Einfach nur fühlen.


Erfahrungen schaffen Bewusstsein


Ich möchte mit diesem Beitrag dazu einladen, das zu machen, worin die Achtsamkeit am besten ist - nämlich in die Erfahrung zu gehen und zu spüren wie das ist - seine Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu spüren.


Alles was im Beitrag bislang beschrieben ist, hat keinen praktischen Wert für mich, wenn ich es nicht erlebe - wenn ich diese Erfahrung nicht mache.


Daher habe ich diese Woche eine geführte Meditation aufgenommen, über die jeder für sich erfahren kann, wie es sich anfühlt schwierige Gefühle zu fühlen und was das mit einem macht.


Für mich ist das eine der ganz wesentlichen Übungen in der Achtsamkeit. Die teile in uns anzunehmen, die wir nicht haben wollen. In der Erkenntnis, daß sie zu uns gehören.


Gelingt es, beenden wir die Konflikte, die wir mit uns selbst haben und lassen uns so sein wie wir sind.