In meine Mitte finden

Ich möchte heute einen kleinen Einblick darin geben, was es aus Sicht der Achtsamkeit bedeutet, in seine Mitte zu finden - sich zu zentrieren. Wie immer ist das mit der Einladung verbunden, die Wirkung für sich auch zu erfahren. Dazu gibt es heute eine zehnminütige geführte Meditation.


Wir haben 3 Wahrnehmungssysteme


Aus Sicht der Achtsamkeit haben wir drei Wahrnehmungssysteme - den Verstand, den Körper und unsere Gefühle. Nur wenn wir mit allen Dreien gleich gut verbunden sind, befinden wir uns in einem stabilen Gleichgewicht.

Im Alltag nehme ich in der Regel nur den bewussten Teil meiner Wahrnehmung wahr - mein Denken. Gefühle und Körpervorgänge hingegen werden unbewusst gesteuert. Da im Alltag meine Aufmerksamkeit sehr mit äußeren Dingen beschäftigt ist, kriege ich oft wenig davon mit, wie es mir gerade geht. Schließe ich aber in der Meditation meine Augen, springen alle meine Selbstsysteme an. Oder einfach gesagt, ich nehme mich selbst wahr.


Wer anfängt zu meditieren, dem begegnen mir in der Meditation zuallererst die unzähligen Gedanken, die in seinem Kopf kreisen und dabei assoziativ von einem Thema zum anderen springen.


In die Mitte absinken


Doch in dem Maß, wie es gelingt, über den Fokus auf den Atem in den Körper zu sinken, löst sich die Dominanz der Gedanken. Das Bewusstsein sinkt ab in die Mitte der drei Wahrnehmungssysteme. Mit einiger Übung bringt mich das in eine Erfahrung, in der ich nicht mehr nur denke, sondern meine Gedanken, meinen Körper und meine Gefühle gleich bewusst wahrnehmen kann. In dieser achtsamen Wahrnehmung nehme ich mich als Ganzes wahr.

Die achtsame Wahrnehmung zentriert sich also zwischen Verstand, Körper und Gefühlen. Sie schenkt allen dreien gleiche Aufmerksamkeit und gleiche Achtung.


Ich fühle in der Wahrnehmung meine Gefühle, statt sie zu bewerten oder über sie nachzudenken, bin mit der Wahrnehmung des Augenblicks über die Sinne verbunden und werde zum Zeugen meiner Gedanken.


Lege ich dieses "in die Mitte" finden auf die körperliche Erfahrung um, gibt es eine interessante Beobachtung. Meine körperliche Mitte ist kurz unter dem Nabel - genau dort, wo in den asiatischen Kulturen und auch Kampfsportarten der Schwerpunkt des Körpers verortet wird. Verlagere ich den Schwerpunkt meines Körpers bewusst in meine Mitte, bringt mich nichts so schnell aus dem Gleichgewicht. Das gilt sowohl für den Körper, wie auch für die Emotionen.



Sinke ich über den Atem in meine körperliche Mitte und kann diese Mitte als Zentrum meiner Schwerkraft spüren, hat das eine sehr interessante Wirkung auf die ganze Aufrichtung des Oberkörpers aus der Mitte heraus. Entspanne ich mich beim Sitzen in meine Mitte, wirkt das auf den Rest des Oberkörpers zurück und ich verbinde mich körperlich mit einer Haltung, in der ich auch emotional zentriert bin.


So ist die Idee der Zentrierung in der Meditation nicht nur eine geistige, sondern auch eine körperliche. Mit jedem ausatmen sinkt in der Meditation mein Bewusstsein ein Stück mehr in meine Körpermitte und ich verbinde mich ein Stück mehr mit dem Sein.


Zentriere ich mein Bewusstsein auch im Alltag in meinem Körperzentrum, bleibt ein Teil der achtsamen Wahrnehmung und Zentrierung zwischen Verstand, Körper und Gefühlen erhalten. Ich werde dadurch langsamer, bewusster und bekomme einen besseren Zugang zu meiner Intuition.


Dieses Zentrieren im Körper lässt sich durch Übung und durch das Wissen um die Details der Meditationshaltung und guten Aufrichtung wesentlich verfeinern. Als Einstieg in das Gefühl der Zentrierung habe ich heute eine kleine Meditation gesprochen, die den Fokus ein bißchen in Richtung der Körpermitte lenkt.


So kann jeder für sich erste Erfahrungen damit machen, wie die Mitte mit ruhiger Präsenz und Klarheit verbindet.