Ich "möchte", statt ich "muss"



Das "sollte" ich noch machen und dieses "muss" ich noch erledigen. Diese zwei Worte bestimmen oft große Teile unseres Lebens. Oft kommt noch dazu, was ich alles "nicht" darf. Das "darf" ich nicht vergessen und dieses "darf" ich nicht warten lassen.....


Was ich gerade muss oder soll, zwingt mich vielleicht dazu, in einer Situation zu entsprechen, egal, ob ich gerade will oder nicht.


"Müssen", "sollen" und "nicht dürfen" stehen in der Sprache für Dinge, die ich gegen meine eigentlichen Bedürfnisse mache. Doch diese Worte existieren auch in uns.


Unsere inneren Stimmen


Was uns meist nicht bewusst ist, ist die Art und Weise, wie wir mit uns selbst reden. Daß wir Forderungen an uns selbst stellen, in denen wir "müssen" und "sollen".


Wo immer meine inneren Stimmen so mit mir reden, verkörpern sie ein Eltern-Selbst, dem ich versuche zu entsprechen. Wenn ich so mit mir selbst rede, komme ich dabei in Konflikt mit mir selbst.


Stress, Anspannung und Unwillen sind das Ergebnis.


Gepaart sind diese Stimmen in uns oft noch mit anderen dominanten inneren Stimmen, die uns sagen: "Stell dich nicht so an", Es ist ja nicht so wild", "Reiß dich zusammen"... und so fort.


Der Fokus der Achtsamkeit bringt Bewusstheit


Solange diese Stimmen in mir arbeiten, ohne daß es mir bewusst ist, haben sie viel Macht in meinen täglichen Entscheidungen und sorgen dafür, daß ich oft nicht gut auf mich schaue, sondern mich von mir selbst oder anderen in etwas zwingen lasse, was ich eigentlich gar nicht möchte.


Sobald diese Stimmen aber in die Bewusstheit kommen und ich weiß, daß sie meine wirklichen Bedürfnisse nicht im Blick haben, kann ich lernen, bewusst anders mit ihnen umzugehen.


Ich möchte, ich will, ich darf


Verwende ich im Umgang mit mir ganz bewusst die Worte "ich möchte, "ich will" und "ich darf", dann öffnet sich mir der Zugang zu meinen wahren Bedürfnissen.


Mir selbst die Erlaubnis zu geben, so sein zu dürfen wie ich bin, ist ein ganz zentrales Element der Achtsamkeit. Ich darf mich jetzt gerade so fühlen, wie ich mich fühle, ich mag das jetzt nicht mehr machen, ich will jetzt eine Pause machen.


Alle diese Sätze verbinden mich ganz direkt mit meinen Bedürfnissen und öffnen den Raum dafür, daß ich mir selbst erlaube so zu sein wie ich bin.


In dem Maß, in dem ich diesen Umgang mit mir lerne, wird das alte Eltern-Ich in mir verdrängt, das mir sagt, was ich zu tun habe, egal wie es mir dabei geht.


Kongruenz


Kongruenz erreiche ich im Leben, wenn es mir gelingt, meine wahren Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zuzulassen und mich mit ihnen auch in Beziehung zu zeigen.


Erlaubnissätze


Vor ein paar Wochen habe ich zusammen mit anderen in einer Ausbildung Erlaubnissätze gesammelt, die ich sehr berührend fand. Diese Erlaubnissätze zu lesen und darauf zu achten, welche Resonanz in mir entsteht, ist die heutige Achtsamkeitsübung.


Und vielleicht gibt es eigene Erlaubnissätze, die du dir selbst geben und für dich notieren möchtest. Als Leitstern im Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und Wünschen, die du dir zugestehen kannst.


Auf diesem Weg folge ich der Stimme meines Herzens.

Übung


Ich darf hier sein.

Ich darf meine Welt für mich entdecken

Ich darf zu dem stehen, was für mich richtig ist.

Ich darf meine Bedürfnisse zeigen.

Ich darf alle meine Gefühle fühlen.

Ich darf wachsen und lernen und dabei Fehler machen.

Ich darf meine eigene Meinung haben. Sie ist genauso wichtig wie die der anderen.

Ich darf dazu gehören, so wie ich bin.