Haltung ist die Basis von Meditation - Teil 2


Haltung ist die Basis von Meditation - Achtsamkeit Blog

In Teil eins dieser kleinen Serie zur Haltung in der Meditation habe ich darüber geschrieben, wie Gefühle und Körperhaltung zusammenspielen und darüber wie die Körperhaltung immer mit einem emotionalen Erleben in Verbindung steht.


Dieser Zusammenhang ist die Basis aller Meditationshaltungen. Insofern ist die Meditationshaltung nicht zufällig, sondern dient dazu in ein körperliches und emotionales Gleichgewicht zu finden,


In Teil zwei geht es jetzt ganz konkret um die Sitzposition beim Meditieren.


Wer regelmäßig meditieren möchte, für den ist die Erforschung der optimalen Sitzposition nicht nur aus psychischen Gründen wichtig. Nur wenn der Körper in einem optimalen Gleichgewicht ist und sich keine Muskeln unnötig anspannen müssen, gelingt auch längeres Sitzen ohne Schmerzen und Verspannungen. Wenn ich in der Meditation immer mit Schmerzen beim Sitzen zu tun habe und nicht mühelos sitzen kann, steht das der emotionalen Erfahrung in der Meditation sehr im Weg.


Man kann in der Meditation auf verschiedene Weise sitzen - im Lotussitz, im Fersensitz oder auch auf einem Stuhl. Was alle drei Sitzmöglichkeiten verbindet, ist die Art und Weise, wie sich der Oberkörper ausrichtet. Daher beginne ich mit der mühelosen Aufrichtung des Oberkörpers als Grundlage für jede Meditationshaltung.


Mühelosigkeit in der Aufrichtung


Wer länger meditiert und dabei versucht, seine Wirbelsäule mit Kraft aufrecht zu halten, wird schnell mit unangenehmen Verspannungen zu tun haben. Einfach, weil sich die Muskeln, die versuchen den Oberkörper in einer geraden Position zu halten, mit der Zeit erschöpfen und verkrampfen.


Sowohl das in sich Zusammensinken, wie auch das krampfhafte Aufrichten mit Kraft stören auch den Energiefluß im Körper. Das ist nichts besonders Esoterisches. Es ist ganz einfach so, daß sowohl durch Abknicken unseres Oberkörpers, als auch durch permanent in Spannung gehaltene Muskeln die Energie nicht gut fließen kann.


Krampfhaftes Aufrichten erschöpft, eine Haltung, in der ich in mir zusammensinke, ermüdet schnell, während die mühelose Aufrichtung mit Wachheit und Klarheit verbindet.


Nur wenn der Oberkörper mühelos in eine gerade Aufrichtung findet, kann auch der Atem frei fließen und den ganzen Atemraum füllen, der letztlich vom Hals weg bis ins Becken reicht.


Wie in Teil eins dieser kleinen Serie zur Haltung in der Meditation schon beleuchtet, erleichtert Yoga vor der Meditation das Sitzen, da der Körper durch Yoga in ein besseres Gleichgewicht findet.


Die gerade Aufrichtung beginnt aus dem Becken heraus.


Die mühelose Aufrichtung aus dem Becken im Schneidersitz


Beim Meditieren im Schneidersitz nutzt man ein Meditationskissen, um das Becken ein bißchen über die Beine zu heben. Dadurch öffnet sich der untere Atemraum. Der Atem kann also frei fließen.


Die Höhe des Sitzkissens ist dabei ganz individuell. Die "richtige" Höhe ist nicht eine Standardhöhe, die für alle paßt - sondern die, die man für sich selber findet. Wenn man diese Höhe für sich durch ein bißchen experimentieren gefunden hat, wird die gerade Haltung der Wirbelsäule mühelos - ohne Kraftaufwand.


Das Gleiche gilt für Stuhl oder auch für den Fersensitz.


Zu erkennen ist die gute Höhe dadurch, daß die Wirbelsäule in alle Richtungen mit Leichtigkeit frei zu bewegen ist. Wer beispielsweise verkürzte Beinmuskeln hat, der hat bei einem zu niedrigen Kissen oder einem zu niedrigen Stuhl leicht einen Rundrücken. Um dann gerade zu sitzen, muss man sich mit Muskelkraft aufrichten. Das kostet Kraft und führt sehr schnell zu Verspannungen.


Ist die Höhe so gewählt, daß die Wirbelsäule in jede Richtung frei ist, findet sie vom Becken ausgehend automatisch und mit Leichtigkeit in eine gute Aufrichtung. Wer mag, kann dann ein bißchen mit dem Oberkörper kreisen, um bewusst die optimale Zentrierung zu finden und zu keiner Seite zu neigen - auch das kostet Kraft.


Aufrichtung vom Zwerchfell aufwärts


Auch wenn die Wirbelsäule aus dem Becken heraus gerade ist, kann es sein, dass der obere Teil des Oberkörpers abgeknickt und in sich zusammengefallen ist. In der Regel gelingt eine gute Aufrichtung des oberen Teils des Oberkörpers dadurch, daß ich ruhig und tief die Lungen komplett mit Luft fülle, solange, bis nichts mehr rein geht. Dadurch richtet sich der obere Teil des Oberkörpers ganz automatisch auf und die Schultern wandern von allein ein Stück nach hinten.


In dieser Aufrichtung wird der ganze Oberkörper durch die Wirbelsäule getragen, die Arme und Schultern können sich regelrecht auf dem Brustkorb ablegen und loslassen. Trotz der aufrechten Haltung können sich so alle Muskeln im Oberkörper entspannen und loslassen. Das Skelett trägt den Oberkörper in einer entspannten Haltung. Genau das ist das Ziel dieser Haltung. Atem und Energie können im Körper optimal fließen.