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Die Geschwindigkeit der Achtsamkeit

Wenn wir älter werden vergessen wir gerne, dass auch wir Auslauf und Spiel brauchen, damit wir wieder lernen können. Dass uns nach einem Tag voller Hektik Ruhe guttut und dass wir nach dem Schnellen wieder etwas Langsames brauchen, um zu uns zu kommen.

Die Geschwindigkeit der Achtsamkeit I Achtsamkeit Blog

In der Schnelligkeit unseres Lebens ist unsere Aufmerksamkeit ständig im Außen. Dadurch sind wir nicht achtsam, denn wir nehmen uns selbst nicht mehr wahr. Wir verlieren uns in der Geschwindigkeit und Geschäftigkeit.


Unsere Wahrnehmung kann das einfach nicht anders regeln. Wir brauchen dann unsere volle Konzentration auf dem was wir machen.


Wenn wir ganz langsam werden und mit unserer Wahrnehmung nur noch bei uns sind, blenden wir darin die Welt aus. Auch das ist keine achtsame Wahrnehmung.


Ins Gleichgewicht finden


Ins Gleichgewicht zu finden ist immer ein ganz zentrales Thema in der Achtsamkeit. So auch beim Thema Außenwahrnehmung und Selbstwahrnehmung.


In der achtsamen Wahrnehmung kann ich beides gleichzeitig wahrnehmen - was außen passiert und wie es mir geht, während ich mit dem Außen in Kontakt bin.


Diese Wahrnehmung ist langsamer, als wir es gewohnt sind.


In meinen Workshops mache ich da manchmal eine kleine Übung, die einen sofort mit der Geschwindigkeit verbindet, in der die achtsame Wahrnehmung möglich ist.


Die Gehübung


Wer mag, kann diese Übung zu Hause einfach ausprobieren. Gehe zuerst ganz betont langsam und bewusst. Dabei nimmst du jede Gewichtsverlagerung, jede Muskelanspannung, den Boden, die Schwere des Beins beim Heben usw. wahr.


Du bist in dieser Aufmerksamkeit ganz bei dir.


Als Zweites gehe so schnell durch den Raum, wie es geht, oder lauf. Je schneller du bist, desto mehr ist deine Aufmerksamkeit gezwungen, sich im Außen zu orientieren.


Dann kommst du wieder zum Stopp.


Als Drittes gehst du ganz bewusst in einer Geschwindigkeit, in der du den Raum und dich selbst gleichzeitig wahrnehmen kannst.


Machen diese Übung 10 Leute in einem Raum zusammen, sieht man, daß diese Geschwindigkeit für alle die gleiche ist. In dieser Geschwindigkeit bin ich mit mir selbst und dem Außen gleichzeitig verbunden.


Es ist eine sehr interessante Selbsterfahrung, sich auch im Alltag mit dieser "achtsamen" Geschwindigkeit bewusst zu verbinden. Diese ungewohnte Perspektive ist eine Haltung, aus der heraus ich die Welt anders erfahre.


Wenn es nicht gleichzeitig geht


Manchmal gehe ich einfach in Arbeit unter, es sind zu viele Dinge gleichzeitig oder es muss ganz einfach schnell gehen. Das ist ganz normal und das ist auch gut so. Dann bin ich eben nicht die ganze Zeit in der achtsamen Wahrnehmung.


Auch mit dieser Situation kann ich achtsam umgehen, indem ich mir danach bewusst langsame Zeit zur Regeneration und Entspannung nehme. In der Regeneration kann mein System das alles verarbeiten, was gerade zu viel war. Ich kann mich wieder erholen. So finde ich auf diesem Weg wieder in mein Gleichgewicht.


So wie die Muskeln erst in der Pause nach dem Trainieren wachsen, lerne ich auch erst in der Pause nach der Erfahrung.


Nach einem schnellen Lauf ist es also auch angemessen zum Ausgleich langsam zu sein, ganz bei mir zu sein und dabei meiner Psyche die Chance zu geben, die Erfahrungen einzuordnen, die ich gerade gemacht habe. Dann überhitzt meine Psyche nicht.


Anspannung und Entspannung finden in ein Gleichgewicht. Ich kann Batterien wieder aufladen und habe dann wieder Energie fürs Tun.


Ein Leben ohne Pausen


Gönne ich mir die Pausen, die Langsamkeit und die Entspannung nicht, komme ich in ein Erschöpfungssystem. Ich verliere immer mehr Energie und muss mehr und mehr Kraft aufbringen, um die gleiche Leistung zu bringen.


Um die Geschwindigkeit der Achtsamkeit führt also in gewisser Weise kein Weg vorbei, wenn ich nicht von meiner Substanz leben möchte. Egal, ob ich diese Geschwindigkeit in großer Regelmäßigkeit leben kann oder ob ich einen stärkeren Wechsel habe.


Belastung ist nie ein Problem, aber Dauerbelastung führt zu körperlichen und emotionalen Symptomen, weil sich Körper und Psyche nicht mehr regenerieren, ordnen und reparieren können.

 

Übung


Die Übung für diese Woche besteht darin, ein Bewusstsein dafür zu bekommen, wie diese Balance in meinem Leben aussieht. Wo und wie oft gönne ich mir wirkliche Erholung auf körperlicher und emotionaler Ebene, die einen klarer Ausgleich zu den Anforderungen schafft, in denen ich mich täglich erlebe?


Wo kann ich diese Räume finden, in denen ich wirklich entspannen und meine Batterien auftanken kann?


Was es ist, das mich entspannen lässt, das ist immer sehr persönlich.


Was sind die Orte, Tätigkeiten und Menschen, mit deren Hilfe du dich wirklich entspannen kannst?


Wie viel Platz nimmt das in deinem Leben ein?


Was braucht es, um in deinem Leben ein gutes Gleichgewicht zwischen Tun und Sein zu finden?

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