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Das Wesentliche - Henry David Thoreau

Schon 1850 gab es Menschen, die gesehen habe, wie die Beschleunigung des Lebens durch die Industrialisierung und der ständig wachsende Konsum darauf wirken, was wir im Leben als wesentlich sehen.


Einer dieser Menschen war Henry David Thoreau. Um herauszufinden, was künstlich erzeugte Bedürfnisse sind und was er wirklich braucht, um ein gutes Leben zu führen, hat er sich damals im Wald eine kleine Blockhütte abseits der Zivilisation gebaut, hat sein eigenes Gemüse angebaut und hat ein Jahr lang als Teil der Natur von der Natur gelebt.


Ein radikaler Weg zu sich selbst, der sich dem höher, weiter, schneller und mehr völlig entzogen hat. Sind es die Dinge, denen wir hinterherjagen, die uns glücklich machen, oder werden wir Gefangene unserer Wünsche und Ziele, während wir verpassen, das Leben zu leben und zu spüren, in dem wir gerade sind?


"Is this Living?" ist der Titel des heutigen Films. Ich würde es übersetzen als "Bin ich lebendig?" Gibt mir die Welt, in der ich lebe, das, was ich brauche, um mich lebendig zu fühlen? Oder trennt mich die Welt, in der ich lebe von dem, was ich eigentlich brauche? Von mir, von meiner eigenen Wahrnehmung, von meiner Einheit mit meiner eigenen Natur und der Natur um mich herum und von sozialen Kontakten, mit denen es mir gut geht?


Man muss nicht so radikal vorgehen wie Henry David Thoreau. Aber die Fragen, die er sich vor mehr als 175 Jahren gestellt hat, sind heute, in unserer hyperbeschleunigten und erschöpften Leistungsgesellschaft ständig präsent.


Wenn man sich nie raus nimmt und sein Leben von außen betrachten kann, dann kann man sich selbst in dieser Welt weder finden noch erkennen.


"Reich ist nicht der, der viel hat, sondern der wenig braucht." Das ist ein Zitat, das mir in letzter Zeit oft durch den Kopf geht. Auch in Bezug auf mein eigenes Leben. Jeder Besitz, den ich habe, erhöht die Energieleistung, die ich aufbringen muss, um mir dieses Leben zu leisten. Und so kommt es dazu, dass uns das, was wir besitzen, irgendwann besitzt, weil es ständig etwas von uns fordert.


Meine Eltern hatten eine kleine Wohnung, kein Telefon, kein Auto, keinen Fernseher, keine Waschmaschine, keinen Geschirrspüler, keine Auslandsurlaube, keine Form von Luxusartikeln, als sie vor ca. 65 Jahren geheiratet haben. Niemand hatte diese Dinge. Und sie konnten sich ihr einfaches Leben leisten.


Loslassen. Konsum loslassen, das ständige zu viel in allem loslassen, Ruhe finden, zu sich kommen. Das Leben mit Menschen teilen, statt in den in Wirklichkeit asozialen Medien zu verschwinden. Isoliert, einsam - ohne wirkliche Begegnung.


Wieder dem Leben selbst begegnen. Eine schöne Vorstellung.


Wenn ich auf Henry David Thoreau oder auch auf das Leben meiner jung verheirateten Eltern schaue, sehe ich, wie viel Gemeinschaftskultur und Begegnungskultur seitdem verloren gegangen ist und wie fremd die Vorstellung eines so einfachen Lebens mittlerweile ist.


Mir ein Stück davon zu gönnen, abseits der Reizüberflutung unserer Welt, das ist für mich auf jeden Fall ein wichtiger Teil meiner Lebendigkeit.


Vor Jahren haben wir mit unserer Tochter einen dreiwöchigen Urlaub ohne Handy gemacht. Es ist erstaunlich, wie radikal so eine Idee heute ist. Und es war erstaunlich, wie einfach, verbindend, schön und entspannend es war.


Ganz einfach. Zu sich kommen. Durch weg lassen.



Das Video ist im Original auf Englisch.


Wie immer kann man auf YouTube deutsche Untertitel dazu schalten, wenn man möchte.







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