9 Aspekte der Achtsamkeit Teil 9 - Nicht Anhaften



Die 9 Aspekte der Achtsamkeit sind so etwas wie eine Sammlung der Grundwerte, mit denen die Achtsamkeit aufs Leben schaut. Der heutige Beitrag ist zum Thema "Nicht Anhaften".


"Nicht anhaften", das klingt als Begriff im Deutschen ein bisschen holprig. Für mich bedeutet es so viel wie "nicht festhalten".


Was hat es mit diesem Aspekt der Achtsamkeit auf sich?


Emotional hat für mich das Bild mit dem Luftballon viel damit zu tun worum es geht. Etwas, was ich gern hab auch wieder ziehen lassen zu können - ohne das Gefühl zu haben, daß ein Stück von mir mitfliegt.


Angenehme und unangenehme Erfahrungen


In der Achtsamkeit erforsche ich meine Wahrnehmung. Dadurch lerne ich mich ganz bewusst kennen. Was dabei sehr schnell klar wird ist, daß ich alle Erfahrungen in meinem Leben einteile in solche, die ich gerne haben möchte und in solche, mit denen ich nicht in Beziehung gehen möchte, weil ich Angst und Stress bekomme.


Beim Anhaften geht es um die Erfahrungen, die ich gerne haben möchte.


Erfahrungen, die ich gerne habe, von denen möchte ich, daß sie nie enden. Daß sie immer bleiben. Daß sie immer Teil meines Lebens sind. Doch diese Idee ist leider nicht realistisch. Diese Idee ist ein Konzept, daß uns immer wieder mit der Wirklichkeit in Konflikt bringt.


Alles ist in ständiger Veränderung


Ich selber bin in ständiger Veränderung. Halte ich an meinem jugendlichen Aussehen fest, komme ich irgendwann in Konflikt mit mir selber, weil ich an etwas festhalte was so nicht mehr existiert.


Bin ich verliebt, möchte ich vielleicht den Zustand des Verliebtseins ewig aufrecht erhalten. Aber das ist nicht möglich. Denn aus dem Verliebtsein erwächst Liebe. Und in der Liebe beziehe ich mich anders auf einander als im Verliebtsein. Hafte ich dem Gefühl des Verliebtseins - dieser Einheitserfahrung an, komme ich nie in die Erfahrung der Liebe.


Jede Erfahrung entsteht und geht wieder vorbei. Dann entsteht eine neue Erfahrung.


Wie geht dann "Nicht anhaften"?


Man könnte jetzt auf die Idee kommen, daß man gar nichts mehr gern haben darf, damit man den Schmerz der Trennung nie ertragen muss. Daß man ganz distanziert und ohne Gefühle leben kann. Aber wenn wir so leben müssten, würden wir schnell an Einsamkeit sterben und keine Lebensfreude mehr finden.


Nicht anhaften steht nur dafür, sich bewusst zu sein, daß alles in ständiger Veränderung ist. Daß der Sonnenuntergang endet - und der Sommer - und jede Lebensphase.....


Und daß immer wieder eine neue lebendige Erfahrung möglich ist. Das Anhaften und Festhalten versucht einen Zustand aufrecht zu erhalten obwohl er sich verändert. So komme ich mit der Realität des Lebens in Konflikt.


Bei mir hat dieses Bewusstsein zu einem intensiveren Erleben dessen geführt, die Einzigartigkeit jedes Moments wahrzunehmen. Mir bewusst zu sein, daß ich einen besonderen Tag erlebe, der genau so vielleicht nie mehr wieder kommt, läßt mich diesen Tag umso intensiver erleben. Die Erfahrung und die Erinnerung bleiben in mir lebendig. Aber der Tag ist vorbei.


Seit ich mich mit dieser Haltung verbinde, empfinde ich mehr Freude und Beziehung mit dem Augenblick wie er ist. Und ich erlebe weniger Konflikt damit, daß Dinge vorbei sind.


Die Dinge, die vorbei sind, begegnen mir wieder in Fotos, Erinnerungen und Assoziationen. Dann verbinde ich mich gerne mit dem was schön war und komme wieder in die gleiche Stimmung und die gleichen Gefühle wie damals.


Dann werden die Situationen aus meiner Vergangenheit zu lebendigen Erfahrungen in der Gegenwart, mit denen ich mich noch mal verbinden kann. So können die guten Erinnerungen in mir lebendig sein, ohne daß ich sie festhalten muss.


Wie jeder Aspekt der Achtsamkeit verbindet mich auch das nicht Anhaften mit dem Augenblick in dem ich jetzt gerade bin.