9 Aspekte der Achtsamkeit Teil 3 - Vertrauen


Die 9 Aspekte der Achtsamkeit sind so etwas wie eine Sammlung der Grundwerte, mit denen die Achtsamkeit aufs Leben schaut. Der heutige Beitrag ist zum Thema Vertrauen.

Ich lerne zu vertrauen, wenn ich als Kind mit meinen Bedürfnissen gesehen werde und wenn ich angenommen werde wie ich bin. Ich lerne Vertrauen, wenn ich Geborgenheit und Halt erlebe.

Dann werde ich neugierig auf die Welt - in dem Wissen, daß mir jemand den Rücken stärkt, wenn etwas schief geht. So entsteht aus dem Vertrauen, das mir geschenkt wird Stück für Stück Selbstvertrauen. Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten.

Als Kind kann ich nur lernen zu vertrauen, indem ich Halt von außen bekomme.

Das Wort "trauen" leitet sich etymologisch von "Baum" ab. Etwas, wo ich fest verwurzelt bin, wo ich Halt finde. Etwas, auf das ich mich immer verlassen kann.

Wo ich so einen Rückhalt habe, da "traue" ich mich etwas Neues zu probieren.

Vertrauen und Beziehung

Wachse ich so auf, gehe ich mit wenig Angst in mein Leben und habe das Gefühl, daß die Welt ein freundlicher Ort ist.

Und ich gehe offen in Beziehungen - in dem Vertrauen, daß ich in Nähe sicher bin und gesehen werde. Überall wo ich vertrauen kann, entspannt sich mein Körper. Dann bin ich gut mit mir selber verbunden und ich bin offen für Beziehung mit anderen.

Wenn ich in meiner Kindheit lerne, daß ich so wie ich bin nicht okay bin, verliere ich nicht nur die Fähigkeit in andere zu vertrauen. Es wird auch etwas in der Beziehung zu mir selbst gestört. Ich komme in Anspannung, in Urteile über mich selber und in Selbstvorwürfe. Ich spüre mich nicht mehr so gut, entwickle nur wenig Vertrauen in mich selbst und lebe oft in dem Gefühl, daß ich so wie ich bin falsch bin.

Und so gehe ich auch in spätere Beziehungen. Nähe und andere Menschen machen mir dann leichter Angst. Ich kriege nicht das Vertrauen, daß ich mich so zeigen kann wie ich bin - in dem Gefühl, daß ich dann meine Zugehörigkeit verliere. So bleibe ich anderen Menschen gegenüber immer ein Stück weit misstrauisch.

Wenn ich in mich selbst und in andere nicht vertrauen kann, kann ich weder mit mir selber noch mit anderen gut in Beziehung kommen. Ich kann mich dann in Beziehung nie entspannen und nie ganz loslassen.

Achtsamkeit und Vertrauen

Alles in der Haltung der Achtsamkeit ist darauf ausgerichtet mich gut in Beziehung zu bringen. Mit mir selber und mit anderen. Daher ist Vertrauen auch ein so wichtiger Grundbegriff.

Achtsamkeit geht davon aus, daß ich so wie ich bin richtig bin. Daß ich alle meine Gefühle und Gedanken so annehmen kann wie sie sind - ohne mir Vorwürfe zu machen, Selbstkritik zu üben und ohne zu glauben ich könnte anders sein als ich bin.

Achtsamkeit hilft darin, Halt und Orientierung in sich selber zu finden. In die Fähigkeit auch in schwierigen Situationen gut zu sich zu kommen und dem Leben in einer Haltung begegnen zu können, die mich in Beziehung hält. In diese Haltung zu finden hilft vor allem dort, wo ich Stress mit mir selbst und anderen erlebe.

Mit der Übung der Achtsamkeit bekomme ich das Vertrauen, daß ich in mir selber Halt finden kann.

Halt in sich selber finden

Wo immer ich Halt in mir selber finde, entsteht wieder ein Stück mehr Vertrauen in mich selber und damit auch immer ein Stück Vertrauen, mit dem ich in die Welt und in Beziehungen gehen kann.

Die Körperhaltung der Meditation, wenn ich sie richtig lerne, verbindet mich mit einer Haltung, die in völligem Gleichgewicht ist. Und auch diese Körperhaltung gibt mir emotionalen Halt - wie ein Baum, der gut verwurzelt ist.

In dieser Haltung erfahre ich wie ich gleichzeitig eine Grenze haben und in Beziehung bleiben kann. Ich mache die Erfahrung, daß ich anderen nur vertrauen kann, wenn ich auch gut auf mich schauen kann. So bedingen sich Selbstvertrauen und Vertrauen gegenseitig.

Lerne ich über die Praxis der Achtsamkeit meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und in mir selber Halt zu finden, führt mich das in Beziehung.