"Behandle jeden so wie du selbst behandelt werden möchtest."


Wenn ich jemanden so behandle, wie ich selber behandelt werden möchte, ist das die beste Einladung das auch wieder zurück zu bekommen. Denn meine Emotion spiegelt sich in meinem Gegenüber. Emotionen sind das was wir kommunizieren.

Wir kennen das alle - an Tagen, an denen wir genervt sind, begegnen uns überall anstrengende Leute. An Tagen, an denen wir glücklich in den Tag gehen, haben wir lauter schöne Begegnungen.

Meine Emotionen und meine Haltung, die ich jemandem gegenüber einnehme, sind das was mein Gegenüber von mir spürt. Und in der Regel ist es das, was auch wieder zurückkommt.

Geben was ich bekommen möchte

Wenn ich jemandem gegenüber trete, mit dem Gefühl gemocht werden zu wollen, ist es für den anderen schwierig das zu geben. Es ist ein Anspruch, und der Anspruch ist mit dem Gefühl verbunden vielleicht selbst nicht liebenswert zu sein. Das spürt mein Gegenüber. Das läßt ihn vorsichtig sein.

Wenn ich ihm aber mit dem Gefühl gegenüber trete, daß ich ihn mag, und das in meinen Handlungen auch zeigen kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß dieses Gefühl auch wieder zurückkommt.

Wie begegne ich jemandem, wenn ich Angst davor habe, daß er mich mag? Wie verhalte ich mich? Wo schaue ich hin? Welche Körperhaltung nehme ich ein? Wie geht meint Atem, wie ist meine Stimme, meine Haltung?

Wenn ich auf jemanden offen und frei zugehe und mich aufrichtig freue, wenn ich ihn sehe. Wie verhalte ich mich? Wo schaue ich hin? Welche Körperhaltung nehme ich ein? Wie geht mein Atem, wie ist meine Stimme, meine Haltung?

All das kommuniziere ich, wenn ich jemandem begegne. Über all diese Zeichen drückt sich aus, wie es mir geht - und wie ich zum Anderen stehe. Worte sind im Vergleich dazu nebensächlich, beziehungsweise ist der Ton unserer Worte immer eingefärbt von dem Gefühl, in dem wir sind. Oder anders gesagt. Unsere Worte kriegen ihre Bedeutung erst durch das Gefühl, das ihnen zugrunde liegt.

So hilft es sich über seine Gefühle bewußt zu sein. Was kommuniziere ich? Und was löst das in meinem Gegenüber aus?

Warum ist der andere so zu mir?

Wir fragen uns immer warum andere so zu uns sind, wie sie sind. Aber uns ist selten bewußt, wie wir ihnen gegenüber getreten sind. Und welche Wirkung das auf sie hat.

Wenn wir dort hinschauen, wird uns über unsere Beziehungen vieles klar.

Wenn ich möchte, daß mich jemand mag, zeige ich, daß ich ihn mag. Wenn ich möchte, daß jemand mit mir kooperiert, kooperiere ich mit ihm. Wenn ich geachtet werden will, gebe ich Achtung, statt sie zu fordern. Wenn ich möchte, daß mir jemand vertraut, vertraue ich ihm.

So ist die Energie mit der wir in die Welt gehen das, was uns die Welt widerspiegelt. Unsere inneren Haltungen und Glaubenssätze sind das, was uns in der Welt begegnet. Wenn wir der Welt anders gegenüber treten, ändert sich die Welt. Oder anders gesagt, unsere Gefühle und Glaubenssätze erschaffen die Wirklichkeit unserer Beziehungen.

Eigenverantwortung statt Anspruch an den anderen

So ist jeder selber dafür verantwortlich, wie er auf jemanden zugeht. Jeder bestimmt damit selbst, wie sich ihm die Welt zeigt.

Die Idee Ansprüche an den anderen zu stellen endet mit dieser Erkenntnis. Man kommt von einer Haltung des Forderns in eine Haltung des Gebens. Und man bekommt zurück, was man gibt.

Allerdings nur, wenn es von Herzen kommt - wenn wir das was wir sagen auch fühlen. Wenn das was wir sagen mit einem nicht ausgesprochenen inneren Anspruch verbunden ist, wird ihn das Gegenüber spüren.

Übung

Wo bist du in deinem Leben in einer Haltung des Anspruchs oder Vorwurfs? Wo erwartest du, daß sich jemand dir gegenüber auf eine bestimmte Art verhält, und bist enttäuscht wenn er es nicht tut? Sei es im Privaten oder im Beruflichen.

Oft bleiben beide im Anspruch, weil jeder das Gefühl hat, der andere müßte den ersten Schritt machen. Doch in dieser Haltung ist echte Beziehung nicht möglich. In dieser Haltung beziehen wir uns nur auf unser inneres Bild wie wir uns den anderen wünschen - aber nicht auf ihn.

Schau ob es dir gelingt diesem Menschen in der Haltung zu begegnen, die du ihr von ihm wünscht und sei achtsam was in der Beziehung passiert.

Wie alles in der Achtsamkeit ist diese Praxis eine Übung. Und es ist gut die Übung nicht gleich am schwierigsten Mitmenschen zu beginnen. Diese Übung kann man auch ganz anonym mit Menschen machen, die man persönlich gar nicht kennt. Mit irgendjemandem, mit dem man im Laufe des Tages Kontakt hat. Wie wirkt sich mein Verhalten - das Gefühl, indem ich ihm gegenüber trete darauf aus, was ich von dem Menschen zurück bekomme?

Je tiefer man in diese Übung hinein findet, desto klarer wird, daß man durch seine inneren Haltungen und Emotionen die Welt um sich herum schafft. Wer mit sich selbst und seinen Haltungen bewußt umgeht, schafft sich eine schöne und verbundene Welt.

"Es ist dein Geist, der diese Welt erschafft." Buddha