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Positiver und negativer Fokus bei Veränderungen

Ein ganz wichtiges Element der Achtsamkeit ist für mich, "die Fähigkeit meinen Fokus willentlich auszurichten". Bewusst zu entscheiden, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenke. Diese Fähigkeit ist besonders wichtig in jedem Veränderungsprozess.

Denn in der Veränderung begegnet uns das Unbekannte - und das macht immer Angst.

Positiver und negativer Fokus bei Veränderungen I Achtsamkeit Blog

Das chinesische Wort für Krise beinhaltet zwei Bedeutungen: Gefahr und Chance. Wenn man genau hinschaut, sind immer beide Teil jedes Veränderungsprozesses.

Und sie sind beide wichtig.


Angst macht Fokus


Jede Angst macht einen Fokus. Je größer die Angst ist, umso enger wird der Fokus. Alles andere verschwindet dann. Ich sehe dann nur noch, was schiefgehen kann. Alle Gefahren werden übergroß. Mein Körper wird eng, meine Gefühle werden eng und ich sehen nur noch einen kleinen Ausschnitt der Realität.


Da ich immer durch die Gefühle denke, die gerade aktiv sind, bekomme ich auch in meinen Gedanken einen Tunnelblick. Das heißt, in der Enge und der Anspannung der Angst gehen Gefühle und Perspektiven verloren.


Zudem haben wir evolutionär einen sogenannten "Negativity Bias". Das heißt, dass wir Gefahren emotional fünfmal stärker wahrnehmen, als gute und positive Möglichkeiten in der Zukunft. Daher ist es nur zu verständlich, dass wir uns oft gegen das Unbekannte sperren und lieber in einer Situation bleiben, die nicht angenehm ist - aber wenigstens bekannt.


Den Fokus ausrichten


Den Fokus bewusst ausrichten heißt im Fall von Veränderungsprozessen, ganz "bewusst" den Fokus auf mögliche gute Lösungen und Veränderungen zu legen.


Verbinde ich mich bewusst mit den positiven Möglichkeiten eine Situation - stelle ich, mir vor, wie Dinge für mich in der Zukunft gut funktionieren könnten, dann komme ich in eine realistischere Einschätzung der Situation.

Warum ist das so?


Mein denkendes Gehirn ist eine Simulationsmaschine, die die Zukunft vorausdenken kann. Wenn ich mich dabei mit positiven Möglichkeiten verbinde, wird mein Körper weit und mein Gehirn wird kohärent. Je mehr ich emotional in eine positive Vorstellung eintauche, umso entspannter bin ich in der vorgestellten Situation und umso mehr Möglichkeiten tauchen in mir auf, die vorgestellte Situation zu bewältigen - denn in der Entspannung bin ich mit mehr Gefühlen in mir verbunden. Jedes Gefühl hat eine eigene Perspektive und sieht die Situation aus einem leicht anderen Winkel. So tauchen in mir wesentlich mehr Möglichkeiten auf, eine Situation zu lösen, als in der Enge der Anspannung.


Auf diese Weise werde ich durch den positiven Fokus flexibler, intuitiver und kreativer und kann mich für die Möglichkeiten öffnen, die da sind. Ich habe mehr Weitsicht und kann tiefer mit dem Thema in Beziehung gehen, als in der Reaktivität eines engen Körpers, der in Stresssituationen immer einen rigiden, eingeengten Blick hat und ohnehin davon überzeugt ist, dass die Dinge nur schiefgehen können.


Gefahr und Chance - beide Seiten sind wichtig


Es ist mir sehr wichtig, dass dieser Blogbeitrag nicht dazu aufruft, alles hemmungslos positiv zu sehen und so zu tun, als gäbe es keine Gefahren und Dinge, die nicht funktionieren könnten.


Wann immer eine Angst in mir ist, ist es wichtig, mich zu fragen, wovor sie mich beschützen will. Denn mein Schutz ist immer das Grundanliegen jeder Angst.


Was ich in diesem Beitrag vorschlage ist, sich am Anfang eines Veränderungsprozesses ganz bewusst in der Vorstellung mit dem zu verbinden, was die Möglichkeiten und Chancen sind und wie es sich anfühlen würde, wenn die Dinge gut laufen - und dann erst als Zweites auf die möglichen Gefahren zu schauen. So ist es leichter, in ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden Polen zu kommen.


Im Angesicht der Möglichkeiten und der Gefahren bewusst auf eine Situation zuzugehen und auf verschiedene Szenarien eine Antwort zu haben, das ist aus meiner Sicht die beste Möglichkeit, mit Veränderungsprozessen umzugehen.


Wenn ich immer nur damit verbunden bin, was nicht geht und warum Dinge sicher nicht funktionieren werden, dann verliere ich meine Neugier und Lebendigkeit und wachse ich nicht. Wenn ich naiv und blauäugig in die Welt gehe und glaube, es gäbe keine Gefahren, dann werde ich immer enttäuscht sein.


Growth Mindset und Fixed Mindset


Der Fixed Mindset geht davon aus, dass ich etwas nicht schaffen kann, wenn ich es noch nicht gemacht habe. Der Growth Mindset geht davon aus, dass ich immer lernen und über die Grenzen meiner jetzigen Persönlichkeit hinauswachsen kann. Jeder Fehler auf dem Weg ist im Growth Mindset eine Information, durch die ich etwas Neues lerne und damit in die Sache hinein wachse.


Der Fixed Mindset hält mich in den Grenzen meiner bekannten Muster und Gewohnheiten. Alles, was darüber hinaus geht, empfinde ich im Fixed Mindset als so bedrohlich, dass ich es gleich gar nicht ausprobiere. Im Fixed Mindset sind Fehler nur der Beweis, dass ich es nicht kann. Und so behält der Fixed Mindset behält immer recht. Denn wenn ich etwas nicht lerne, werde ich es auch nie können.


Im Growth Mindset kann ich mir vorstellen, wer ich in der Zukunft gerne wäre und ich kann mich für die Möglichkeit öffnen, dass Veränderung und Lernen immer möglich sind.


Wir haben in unserem Leben immer die Möglichkeit zu lernen und zu wachsen. Ein gewisses Maß an Angst und Vorsicht gehört dazu. Es ist schön, wenn beide Pole, die Gefahr und die Chance in mir die gleiche Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen. Dann kann ich auf eine Art wachsen, bei der ich mir nicht wehtue.


Und genau das ist die Basis dafür, dass ich auch danach weiter wachsen möchte und neugierig bleibe auf das Leben und das Unbekannte.


 

Übung:


Was ist der Veränderungsprozess, in dem du gerade bist?


Bei welchen Gedanken an die Zukunft entsteht in dir Lebendigkeit? Bei welchem positiven Fokus kommt Freude auf? Wo spürst du dich - worauf möchtest du zugehen? Aus diesem positiven Fokus kommt der Antrieb und die Motivation für Veränderung.


Es ist schön, sich ganz auf diese Vorstellungen einzulassen und sich lebendig in neuen zukünftigen Situationen vorzustellen und zu spüren, wie du dich da fühlen kannst, wenn die Dinge gut laufen.


Dann kannst du die Gefahren, die auf der anderen Seite der Waagschale liegen, ebenfalls bewusst anschauen und dir Schritt für Schritt einen Plan machen, wie du wächst und lernst.





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