Die Verabredung mit mir selbst nicht vergessen

11.10.2019

Es gibt so viele mögliche und komplizierte Erklärungen für Achtsamkeit. Und das Thema ist so vielschichtig, daß man sich darin auch verirren kann.

 

Und dann sitze ich wieder da und sehe, was für mich die Essenz ist.

 

Die Verabredung mit mir selbst

 

Wir sind ständig im Tun. Im Tun ist unsere Aufmerksamkeit ständig im Außen. Und so ist es ganz natürlich, daß wir uns selber aus der Aufmerksamkeit verlieren.

 

Wir tragen uns selbst nicht in unsere Terminkalender ein. Und deswegen kommen wir in unseren hektischen Tagen auch nicht mehr selber vor. Zeit, die wir nur mit uns selbst verbringen - ohne äußeres Tun - ohne Zweck und Ziel einfach nur zu sein - das kommt im Alltag fast nicht mehr vor.

 

Was passiert, wenn ich täglich eine oder mehrere Verabredungen mit mir selber habe? Wenn ich mir 5 Minuten, 10 Minuten, eine halbe Stunde nur für mich Zeit nehme? Zeiten, in denen mir das, was die Welt von mir will, einfach nur egal sein kann?

 

Dann komme ich zu mir. Ich komme in Verbindung mit meiner eigenen Wahrnehmung, meinen Gefühlen und Körpergefühlen. Ich komme in Kontakt damit, ob ich die ganzen Anforderungen, die derzeit da sind eigentlich gerade schaffe, oder ob sie mir zu viel sind - einfach, weil meine Gefühle und mein Verstand mehr Zeit brauchen um die Dinge, die passieren, zu verarbeiten. 

 

Die Begegnung mit mir selbst ist die Basis dafür, daß ich lerne mit mir selbst gut umzugehen.

 

Regelmäßigkeit, Vertrauen und Geduld

 

Was auch immer ich erforschen möchte - wo auch immer ich etwas lernen möchte, wenn ich diese drei Haltungen kombiniere, mache ich eine vertiefte Erfahrung in Bezug auf ein Thema. Ich lerne und wachse. 

 

Wenn ich mir regelmäßig, mit Geduld und Vertrauen begegne, bringt mich das in eine achtsame Haltung mir selbst gegenüber und in einen Wachstumsprozess. 

 

Schaffe ich es also mir regelmäßig Zeit für mich selber zu nehmen, darin zu vertrauen, daß sich dann für mich Wesentliches zeigt und dabei geduldig zu sein, ist das gelebte Achtsamkeit. Es entsteht Bewusstheit in Bezug auf meine eigene Wahrnehmung und ich werde mit meinem  Körper und mit meinen Gefühlen in eine andere Beziehung kommen.

 

Wenn Beruf, Kinder und andere Dinge an einem ziehen, man vielleicht noch Freunde sehen möchte und es noch andere Verpflichtungen gibt - wo soll diese Zeit herkommen?

 

Diese Zeit läßt sich nur finden, wenn man für sich neue Gewohnheiten schaffen kann. Kleine Nischen im Alltag für sich selbst.  Sonst ist der Vorsatz, Zeit für sich zu finden, schnell wieder vergessen, weil es unmöglich scheint.

 

Rituale

 

Die Achtsamkeit ist eine Übungspraxis. Durch Regelmäßigkeit und Geduld werde ich in der Übung besser.

 

Die Frage ist also, wie kann ich mir selbst Rituale schaffen, in denen ich mir selber begegne und im Laufe meines Tages ganz bewusst wieder zu mir komme. Einfach um zu merken wie es mir geht und was ich gerade brauche. 

 

Ein kleines kurzes Ritual kann ein erster Schritt auf diesem Weg sein. Eine Tasse Kaffee in der Früh. Ich alleine, wo ich 20 Minuten nur aus dem Fenster schaue und den Tag begrüße - ohne irgendetwas zu tun und zu müssen, kann so ein erstes Ritual sein. 

 

Eine Mittagspause, in der ich mir 20 Minuten für mich nehme, um nach dem Essen ein mal um den Block zu gehen.

 

Auf dem Nachhauseweg einen bewussten Übergang zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen, indem ich irgendwo einen Zwischenstopp mache oder zu Hause für die erste halbe Stunde mich einfach aufs Sofa setze zum Ankommen. Und alle wissen, daß ich nach der halben Stunde wirklich da bin. 

 

Und wenn ich im ersten Schritt nur 5 Minuten für mich finde, ist es schon ein Schritt auf dem Weg. Ohne daß ich irgendetwas über Achtsamkeit wissen muss, ist die regelmäßige Begegnung mit sich selber schon gelebte Achtsamkeit. Auch wenn sie nur 5 Minuten dauert.

Übung

 

Rituale sind sehr persönlich. Was ist es, wodurch ich persönlich gut zu mir kommen kann?

 

Welche Rituale kann ich für mich finden, damit ich regelmäßig eine Verabredung mit mir selbst haben kann, bei der ich gut zu mir komme?

 

Welche Erfahrungen mache ich, wenn ich diese Begegnungen mit mir selbst regelmässig suche? In dem Vertrauen, daß sich dabei Wesentliches zeigt. Welche Erfahrung mache ich, wenn ich darin geduldig bin? 

 

Gelingt dieser Weg, führe ich ein bewusstes und achtsames Leben, das mich Stück für Stück wieder mit meiner eigenen Wahrnehmung, meinen eigenen Bedürfnissen und meinem eigenen Tempo verbindet.

 

 

 

 

 

 

 

 

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