Was passiert eigentlich bei Stress? Teil 7 - Dauerstress im Alltag senken

28.07.2019

 

Nach dem Einblick darin, wie man in der Achtsamkeit mit  konkreten Streßsituationen umgeht, hier im letzten Teil der Serie noch ein paar Möglichkeiten generell Stress und Cortisol im Körper abzubauen, wenn Stress über längere Zeit Teil des Alltags ist.

 

Atmen

 

Stress führt durch Anspannungen zu einer flachen Atmung. Wird der Stress zur Dauerbelastung, wird auch die Atmung andauernd flach, was den Stress aufrecht erhält.

 

Bewusst und tief atmen - auch im Laufe des Tages in kleinen Pausen einfach nur mit der Aufmerksamkeit zum Atem zu gehen, verbindet mit dem Körper und damit mit dem eigenen Befinden und den eigenen Bedürfnissen. Es nimmt den Fokus weg von dem was uns stresst, was zusätzlich entspannt.

 

Wenn man bewusst atmet, vertieft sich die Atmung ohne eigenes Zutun von allein. Der Cortisolspiegel wird dabei gesenkt und das parasympathische Nervensystem, das mit Entspannung zu tun hat, wird aktiviert.

 

Sport

 

Im ersten Teil dieser Serie zum Thema Stress hab ich beschrieben wie im Tierreich durch körperliches Ausagieren in Streßsituationen der Stresspegel nach der Gefahrensituation gleich wieder auf null sinkt. Wir sind als Menschen auch heute noch biologisch gleich programmiert.

 

Sport, laufen gehen, körperliche Aktivität ist eine der wirksamsten Methoden den Cortisol Level im Körper zu senken.

 

Zeit nur fürs Sein - Meditative Tätigkeiten

 

Ständiges Tun macht Stress. Meist machen wir noch mehrere Dinge gleichzeitig. Obwohl das leicht zu Überforderung führt, erzeugt viel Tun in der Regel noch mehr tun. Es gibt so ein Gefühl, daß man - wenn man nur dran bleibt - irgendwann alles erledigt hat. Und dann kann man sich endlich entspannen. 

 

Doch die Erfahrung zeigt - wenn man aus dem Tun heraus lebt, findet man fürs reine Sein oft kein Platz mehr. Man ist für das reine Sein dann viel zu aufgewühlt. Man hält nichts tun einfach nicht aus, wenn man innerlich gestresst ist. So füllt man auch Zeiten, in denen nichts zu tun wäre mit Aktivitäten und weiterem Input, den man wieder emotional verarbeiten muss. So hält man beispielsweise Auto fahren ohne Radio nicht mehr aus. Man könnte sich ja selbst begegnen. 

 

Und genau darum geht es in der Achtsamkeit. Sich wieder selbst zu begegnen. Sich wieder zu spüren, statt ständig nur im Tun zu sein. Ein guter Weg dazu sind sogenannte meditative Tätigkeiten.

 

Nimmt man sich Zeit fürs Sein - ohne etwas zu tun was produktiv ist, gibt man dem Körper und der Psyche die Chance das zu verarbeiten was war. Macht man das regelmäßig, vielleicht sogar täglich - sich Zeit nur für sich zu nehmen - dann stellt man schnell fest, wie der Stresslevel sinkt.

 

Egal ob man in die Natur geht, ein Instrument spielt, sich eine halbe Stunde ein heißes Bad gönnt, ohne dabei zu lesen, ob man gern ein bißchen im Garten arbeitet oder etwas malt, bastelt, Patiencen legt oder puzzelt  Es gibt viele Tätigkeiten, die ganz individuell als meditativ erlebt werden. Das kann auch eine achtsam erlebte Mittagspause sein, in der ich ganz bewusst und gesund esse und mich dabei eine Stunde in einen Park setze und den Vögeln lausche. 

 

Wenn wir unserem Körper / Geist System diese Ruhe gönnen, geben wir ihm die Möglichkeit unser Erleben zu verdauen und einzuordnen. Wir sind wie Gefäße. Wenn wir mehr einfüllen, als das Gefäß aufnehmen kann, laufen wir über. Unser System ist dann maximal gestresst und überfordert.

 

Yoga

 

Yoga ist eine sehr gute Methode einer meditativen Tätigkeit, in der Anspannungs- und Entspannungszustände im Körper wieder in ein Gleichgewicht kommen. Gleichzeitig ist es eine Tätigkeit, in der die Konzentration auf den Körper und die Atmung zu einer tiefen Entspannung führen kann, die ein gutes Gegengewicht zum Stress des Tages ist.

 

Durch zu viel Stress verlieren wir die Verbindung zu unserem Körper und seinen Bedürfnissen. Je mehr Anspannungen wir in uns haben, desto weniger spüren wir unseren Körper. Machen wir regelmäßig Yoga, erhöht sich auch das Bewusstsein für unseren Körper im Alltag. Für seine Bedürfnisse was Bewegung und auch was Ernährung angeht.

 

Massagen

 

Massagen wirken entspannend auf die Psyche, weil sich unsere Muskeln wieder ein Stück entspannen können. Auch hier zeigt sich wieder, wie sehr Körper und Psyche eine Einheit bilden. 

 

Massagen senken Stress, weil sich die in den Verspannungen gehaltenen Gefühle wieder lösen können. Wenn wir vom Massagetisch aufstehen, sind uns wieder weichere Gefühle möglich, die wir jetzt auch wieder "verkörpern" können. Der Stresslevel und die Angst sinken. 

 

Leider ist Massage kein Allheilmittel. Denn wir haben gewohnheitsmäßige Muster in uns, die uns bei Streßsituationen immer wieder in die gleichen Anspannungsmuster bringen, die tief in unserer Persönlichkeit verankert sind. Das heißt, wir spannen uns beim nächsten Konflikt an den üblichen Stellen an und durch längere Anspannung entstehen neue permanente Verspannungen. So geht der Kreislauf weiter.

 

Erst wenn ich lerne, mir durch die Praxis der Achtsamkeit Stück für Stück meiner Anspannungsmuster bewusst zu werden, kann ich sie auch bewusst unterbrechen.

 

Anspannungen halten uns unangenehme Gefühle vom Hals, die wir nicht spüren wollen. Kann ich diese unangenehmen Gefühle in der achtsamen Meditation halten und ihnen in einer freundlichen und annehmenden Haltung begegnen, lernt mein Organismus, daß er vor diesen Gefühlen keine Angst mehr haben muss - und spannt sich in Folge auch nicht mehr an, wenn diese Gefühle kommen. 

 

Das ist die Lösung durch den Weg der Achtsamkeit.

 

Ernährung

 

Je mehr Stress wir haben, desto weniger achten wir auf unseren Körper und desto leichter wird schnell nebenbei Fast Food gegessen. 

 

Schlechte Ernährung ist in sich eine große Stressquelle für unseren Körper. Denn viele Nahrungsmittel sind schwer zu verdauen und ungesund. Der Körper braucht viel Kraft um sie zu verdauen und kriegt nur wenig Energie raus. 

 

Wenn wir gestresst sind, kauen wir nicht mehr gut, sondern schlingen. Dabei kann gutes Kauen dem Magen ein Drittel der Arbeit abnehmen. 

 

Sind wir ohnehin erschöpft, kostet uns der Verdauungsvorgang von ungesunder Nahrung erstaunlich viel zusätzliche Energie, was wiederum den Stress anheizt.

 

Sich achtsam zu ernähren und gesund zu essen senkt den Stresslevel grundlegend. Dabei stellt sich heraus, daß viele gesunde Lebensmittel tatsächlich den Stresslevel im Körper aktiv senken. In diesem Beitrag kann ich auf die Einzelheiten nicht gut eingehen. Aber ich empfehle das Buch "Mit Ernährung heilen" von Andreas Michalsen. 

 

Die Zusammenhänge werden hier sehr detailliert erläutert. Und es gibt einen langen Abschnitt zum Thema Fasten und Intervallfasten, der sehr deutlich zeigt, welche Selbstheilungsprozesse im Körper starten, wenn der Körper Zeiten hat, in denen er keinen Input - keine Nahrung bekommt. Dann hat er nämlich Zeit Reparaturprozesse in den Zellen zu machen, die sonst nie stattfinden.

 

Achtsamkeitsmeditation

 

Achtsamkeitsmeditation übt sich darin mit dem zu sein, was ist. In einer annehmenden und freundlichen Haltung in Einklang zu kommen - mit dem was ist und mit sich selber, seinen Gedanken, Gefühlen und Körpergefühlen. 

 

Die tägliche Übung innerlich ja zu sagen zu allem, was sich in der Meditation zeigt, ist eine Haltung, die Körper und Geist in Gleichgewicht bringt, die zu Entspannung führt, und die dazu führt, daß der Geist jeden Tag die Möglichkeit bekommt sich ungestört zu ordnen. Eine Zeit, in der es keinen Input von außen gibt.

 

Den ganzen Tag sind alle unsere Sinne nach außen gerichtet. In der Meditation richtet sich die Wahrnehmung zum Ausgleich nach Innen. Da ist erst mal ein Rasen ständiger Gedanken zu bemerken, aber auch angenehme und unangenehme Gefühle und Körpergefühle.  

 

Sich dem bewusst auszusetzen heißt in der reinsten Form sich selbst Zeit zu schenken im Laufe des Tages. Und mit sich in Kontakt zu kommen. Mit dem wie es mir an dem Tag geht und was an dem Tag in mir auftaucht. 

 

Körper und Geist haben während der Meditation Zeit sich auf eine Art und Weise zu ordnen, wie sie es sonst nicht haben. Ich bin heute davon überzeugt, daß wir sowohl körperlich wie auch psychisch selbstheilend sind. Es ist nur die Frage, ob wir Körper und Psyche die Zeit geben das, was wir erleben auch wirklich zu verarbeiten, bevor der nächste Input kommt. 

 

Wie viele Meditationsformen hat auch die Achtsamkeitsmeditation den Atem als zentralen Fokus. Vereint mit der annehmenden Haltung senkt die Achtsamkeitsmeditation nicht nur den Stresslevel deutlich, sie führt auch zu einer nachhaltig guten Basis Stress im Alltag besser begegnen zu können.

 

Achtsamkeit

 

Achtsamkeit als Lebenshaltung ist für mich der wesentliche Faktor geworden, mit Stress besser umgehen zu können, in ein Gleichgewicht zwischen Gefühlen, Körper und Verstand zu kommen und bewusst besser mit mir umzugehen. Ich lebe heute bewusster mit meinem Körper und bewusster damit was mich in meinem Leben nährt. In körperlicher und psychischer Hinsicht.

 

Für mich vereint die Haltung der Achtsamkeit alle Haltungen und Techniken, die es mir heute erlauben mit Stress besser umzugehen und daher auch weniger Stress in meinem Leben zu haben.

 

Wie schon erwähnt, ist die Achtsamkeit etwas, was sich nur durch Selbsterfahrung erschließt. Wenn nur der Kopf die Zusammenhänge erkennt, kann man trotzdem das Gelesene nicht umsetzen. Daher kann ich nur empfehlen sich in Workshops der Erfahrung auszusetzen.

Das ist das Ende der siebenteiligen Serie zum Thema "Was passiert eigentlich bei Stress." Durch die Aufteilung auf sieben Teile konnte ich ein bisschen in die Tiefe gehen. Aber es gibt darüber hinaus in der Achtsamkeit noch viel zu entdecken.

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload