Die Sache mit dem Fokus

17.05.2019

Fokus, Präsenz - im Augenblick sein - alle drei sind ein Synonym dafür, daß ich voll und ganz bei der Sache bin, die ich gerade mache. Die Illustration zeigt ein Lebensgefühl, das uns leider viel zu vertraut ist. Wir sind meist einfach nicht bei der Sache, die wir gerade machen, sondern in Gedanken ganz woanders.

 

Während unser Körper und unsere Sinne immer im jetzt sind, haben unsere Gedanken und Gefühle die Angewohnheit irgendwo in der Vergangenheit oder der Zukunft unterwegs zu sein.

 

Das schafft oft ein seltsam zerrissenes Lebensgefühl.  Denn wenn ich nicht mit dem präsent bin was ich gerade mache, verpasse ich in gewisser Weise mein Leben. Und sein Leben zu verpassen ist unterm Strich irgendwie eine unschöne Sache. 

 

Die Schwierigkeit mit dem Fokus

 

Wenn ich eine Sache nach der anderen mache, dann ist es mit dem Fokus ganz leicht.

 

Aber wenn ich das Gefühl habe, daß ich viele Bälle in der Luft halten muss, dann wird es schwierig, den einen Ball um den es gerade geht im Auge zu behalten. Denn wenn ich mich auf den so konzentriere, könnten die anderen ja runter fallen.

 

Meist gibt es zu allem was ich gerade mache noch zehn andere unerledigte Dinge, an die ich auch noch denken muss. Das führt dazu, daß meine Wahrnehmung überall gleichzeitig ist, während der Augenblick in dem ich gerade bin, verschwindet. Vor lauter Tun beginne ich in meinem eigenen Leben abwesend zu sein.

 

Je mehr ich im Kopf habe, desto weniger kann ich mein Leben wirklich spüren. Das Leben fühlt sich dann hohl und unbefriedigend an - ganz einfach weil ich die Erfahrung, die ich tatsächlich gerade mache nicht mehr wirklich wahrnehmen kann. 

 

Je mehr Stress wir haben, desto mehr verliere ich mich. 

 

Wir leben nur im Augenblick

 

Genau betrachtet leben wir nur im Augenblick. Im Augenblick präsent zu sein heißt tatsächlich zu leben.

 

Die Frage ist also - wie gehe ich mit mir um? Wie kann ich mich selber spüren und bei der Sache sein, die ich jetzt gerade mache - statt ständig abgelenkt zu sein. Oder anders gesagt, wie kann ich den Fokus wiederfinden?

 

Der Körper als Anker

 

Während Gedanken und Gefühle ein Leben in der Zukunft und Vergangenheit führen, ist unser Körper immer im jetzt. Wo immer wir uns also mit unserem Körper und unseren Sinneswahrnehmungen verbinden können, desto mehr tauchen wir in unserem eigenen Leben wieder auf. 

 

Das Leben in dem Augenblick, in dem ich bin, mit allen Sinnen zu erfassen ist eine zutiefst befriedigende Erfahrung.

 

Wo immer mir das gelingt, verschwindet das Gefühl von Dumpfheit und ein Gefühl von wirklicher Lebendigkeit taucht auf.

Im Augenblick zu sein und sich mit seinen Sinnen zu verbinden ist aus meiner Sicht eine im wahrsten Sinne des Wortes "sinnvolle" Erfahrung. 

 

Der Fokus ist in mir

 

Daraus ergibt sich ein interessanter Schluss. Wenn ich meinen Fokus wiederfinden möchte, finde ich ihn nicht in den Dingen, die ich mache. Ich kann meinen Fokus und meine Präsenz nur in mir finden. Indem ich mich im Augenblick mit meinem Atem, meinen Sinnen und meinem Körper verbinde. So komme ich in die Präsenz und kann mich aus dieser Präsenz heraus wieder auf das fokussieren was jetzt gerade wichtig ist.

Übung:

 

Wie kann ich den Fokus in mir selber finden? Mich selber, meine Bedürfnisse und das was jetzt gerade wichtig ist wieder spüren und präsent sein? 

 

Wenn man darin ungeübt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, daß man sich von alleine daran erinnert zu sich zu kommen sehr gering. Vor allem, wenn man gerade im zu Vielen untergeht. 

 


Darum schlage ich eine einfache Routine vor. Ein Ritual, um sich täglich selbst wieder zu finden. Ein erster Schritt in die Achtsamkeit.

 


Sich drei oder vier mal im Laufe des Tages eine Erinnerung zu schicken, daß man sich eine Minute nimmt, in der man sich wirklich mit dem Augenblick verbindet, in dem man gerade ist, ist der erste Schritt. 

 


In dieser Minute ganz einfach nur auf den eigenen Atem, die Körperempfindungen achten und ganz bewußt mit allen Sinnen den jetzigen Moment wahrnehmen. Also für eine Minute völlig eintauchen in den Augenblick wie er ist. 

 


Nehme nach dieser Minute des reinen Seins wieder Kontakt mit der Welt auf - und achte darauf, was sich jetzt anders anfühlt.

 


Wem das möglich ist, der kann auch jeden Tag nach zwei, drei Stunden Arbeit einfach einen 10 Minuten Spaziergang machen, bei dem er möglichst bewusst mit allen Sinnen im Augenblick anwesend ist.

 


Achtsamkeit ist eine Selbsterfahrungspraxis. Vielleicht kannst du jeden Abend aufschreiben, wie die Erfahrung war und wie es war danach wieder in den Alltag und die Aufgaben einzutauchen. Je regelmäßiger du diese Übung machst, desto leichter wird es sich bewusst mit dem Augenblick zu verbinden.

 

 

 

 

 

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