"Meinen Keks essen" von Thich Nhat Hanh

07.03.2019

Als ich vier Jahre alt war, hat meine Mutter mir jedes mal vom Markt einen Keks mitgebracht. Ich ging in den Vorgarten und nahm mir viel Zeit es zu essen. Manchmal brauchte ich für einen Keks eine halbe oder dreiviertel Stunde. Ich nahm einen kleinen Bissen und schaute zum Himmel auf. 

 

Dann berührte ich mit meinen Füßen den Hund und nahm wieder einen kleinen Bissen. Ich genoss es einfach, dort zu sein, mit dem Himmel, der Erde, dem Bambus, der Katze, dem Hund, den Blumen.

 

Ich konnte so viel Zeit mit dem Keks essen verbringen, weil ich mich um wenig sorgen mußte.

 

Ich dachte nicht an die Zukunft, ich bedauerte nichts Vergangenes.

Ich war ganz und gar im gegenwärtigen Moment mit meinem Keks, dem Hund, dem Bambus, der Katze und allem anderen. 

 

Es ist möglich unser Essen so langsam und freudvoll zu essen, wie ich es in meiner Kindheit mit den Keksen tat. Vielleicht meinst du ja den Keks deiner Kindheit verloren zu haben. Doch ich bin sicher, daß er noch da ist. 

 

Alles ist immer noch da. Und wenn du es willst, wirst du es finden können. 

 

Achtsames Essen ist eine sehr wichtige Meditationspraxis. Wir können auf eine Weise essen, die den Keks unserer Kindheit wieder lebendig werden läßt. 

 

Der gegenwärtige Augenblick ist voller Freude und Glück. Wenn du aufmerksam bist, wirst du es sehen.

 

Auszug aus dem Buch  „Mein leben ist meine Lehre.“

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