Entscheidungen achtsam treffen

08.02.2019

 

Entscheidungen sind immer wieder schwer zu treffen - egal ob kleine oder große Entscheidungen. Es ist nicht leicht sich zu orientieren, ob man mit einer Entscheidung wirklich in Einklang ist.

 

Im Nachhinein weiß man oft, daß es ein Gefühl gab, auf das man hätte hören sollen. Aber es bleibt vage. Und bei der nächsten Entscheidung fällt es wieder schwer abzuwägen. 

 

Viele Entscheidungen treffen wir aus dem Kopf heraus - oder aus dem Bauch - doch auch der Bauch ist nicht so eindeutig zuzuordnen. Was ist das - eine Entscheidung aus dem Bauch? Und ist es gut den Bauch entscheiden zu lassen?

 

Aus der Sicht der Achtsamkeit gibt es einen klaren Blick darauf,  wie man zu einer Entscheidung kommt, mit der man wirklich in Einklang ist. Diese Entscheidung bezieht die drei Informationssysteme mit ein, die wir in uns haben - unseren Körper, unser Herz und unseren Verstand. 


Bei jeder Entscheidung haben die drei Teile unterschiedliche Perspektiven auf die Sache und unterschiedliches Gewicht.

 

Der Körper

 

Unser Körper ist unser wichtigstes Informationssystem, wenn es darum geht zu erfahren wie wir gefühlsmäßig zu einer Sache stehen. Auch wenn wir verschiedene sich widerstreitende Gefühle in uns haben. Bei jeder Sache, mit der wir in nicht in Einklang sind, spannt sich unser Körper an. An ganz unterschiedlichen Stellen. Manche Dinge schlagen uns auf den Bauch (das Bauchgefühl), manche aufs Herz, andere Dinge machen uns halsstarrig oder lasten auf unseren Schultern.

 

Anspannung ist, wer du glaubst, daß du sein sollst - Entspannung ist, wer du bist. 

 

Alles was in unserem Körper Anspannung auslöst, mit dem wollen wir nicht wirklich in Beziehung gehen. Auch wenn unser Kopf laut ja sagt, weil alle äußeren Umstände vielleicht dafür sprechen - unser emotionales Gehirn entscheidet darüber wie wir uns fühlen und zu 95% auch darüber wie wir uns in jeder Situation unseres Lebens verhalten. 

 

Unsere Gefühle entstehen schneller als unsere Gedanken und färben somit schon unsere Gedanken ein. Gleichzeitig ist unser emotionales Gehirn unbewusst. Unser Verstand bekommt nicht mit, was es tut - und doch bestimmt es unser Leben und unsere Wirklichkeit - mit tief sitzenden Glaubenssätzen, die aus unserer persönlichen Geschichte kommen.

 

Das einzige, wie wir unser emotionales Gehirn ins Bewusstsein bekommen ist, wenn wir auf Anspannung und Entspannung in unserem Körper achten. 

 

Wenn sich unser Körper entspannt, heißt das, daß unser emotionales System mit der Sache in Einklang ist. Überall wo wir entspannt sind, sind wir in Beziehung. Und zwar gleichzeitig in Beziehung mit uns selbst und in Beziehung mit dem worum es geht. 

 

Wenn wir entspannt sind, sind wir präsent.

 

Jeder innere emotionale Konflikt unterbricht Beziehung und lenkt unsere Aufmerksamkeit nach innen. Dadurch verlieren wir in der Situation Präsenz. Wir sind nicht mehr richtig anwesend. Wir erleben uns in Konflikt. 

 

Ohne Präsenz erleben wir unser Leben nicht. Darum ist es so wichtig, die Signale des Körpers in jeder Entscheidung wichtig zu nehmen. Die Gefühle, die sich über Anspannung und Entspannung ausdrücken, bestimmen unsere Reaktionen. 

 

Die Signale unseres Körpers sind mit Abstand der wichtigste Teil jeder Entscheidung, mit der wir in Einklang sind. Aber es ist nur ein Teil. 

 

Körper, Herz und Verstand gleich zu achten heißt im Gleichgewicht zu sein

 

Eine Entscheidung rein aus der Körperreaktion heraus zu treffen wäre einseitig. Denn es gibt noch zwei andere Informationssysteme in uns, die wichtig sind.

Das Herz

 

Wie erkenne ich, ob mein Herz zu etwas ja sagt? Das ist ganz einfach.

 

Wenn mein Herz zu etwas ja sagt, lächle ich.

 

Wenn ein junges Paar ineinander verliebt ist, ist das Lächeln permanent. Das Zeichen ist eindeutig.

 

Wenn ich zu einer Entscheidung finden möchte, dann kann ich jederzeit die Augen schließen und schauen, ob ich lächeln kann wenn ich an daran denke, was in der Entscheidung auf mich zukommt. Je mehr Lächeln entsteht, desto klarer ist die Antwort meines Herzens.

 

Je mehr ich lächeln kann, desto größer ist das Glücksempfinden. 

 

Herz = Beziehung

 

Ein Lächeln zeigt an, daß wir uns freuen mit etwas in Beziehung zu gehen. Das Lächeln ist ein Körpersignal auf das wir ganz bewusst achten können.

 

Das Herz hat das zweitgrößte Gewicht darin eine Entscheidung zu treffen. Was immer wir im Leben machen, führt uns auch unweigerlich in schwierige Situationen und Konflikte. Ob ich dann bei einer Sache bleiben kann, oder ob ich schnell wieder auf etwas anderes, neues wechsle, das hat viel mit dem Herz zu tun.

 

Wenn das Herz ja sagt, bin ich auch bereit schwierige Situationen und längere Durststrecken in Kauf zu nehmen. Die Anspannung und Entspannung im Körper sagt nur, ob es Widerstände in mir gibt oder nicht - aber noch nichts über den Grad an Begeisterung, die ich für eine Sache habe. Das ist die Funktion des Herzens in der Entscheidungsfindung.

 

Das Herz ist sozusagen ein Gradmesser für unsere Motivation.

Der Verstand

 

Der Verstand schaut nach ganz rationalen Gesichtspunkten auf die Entscheidung. Wenn vorher schon alles nein sagt, lohnt es sich kaum den Verstand noch zu befragen. Wenn Körper und Herz nein sagen, führt uns eine Entscheidung unweigerlich in innerliche und äußere Konflikte. Die Widerstände in uns werden die Sache so schnell wie möglich beenden wollen.

 

Wenn wir etwas gegen unseren Körper und unser Herz durchziehen,  gehen wir dabei in die innere Kündigung. Wo wir das machen sind Stress, Burnout und Krankheitssymptome eine natürliche Folgeerscheinung. Denn Anspannungen in unserem Körper rauben uns Energie, kosten uns Kraft und die Reproduktionsfähigkeit unserer Zellen verschlechtert sich. Das ist die psychosomatische Ursache vieler Erkrankungen, die überall dort auftreten, wo wir uns permanent anspannen.

 

Wenn mein Körper aber ja sagt und mein Herz begeistert ist, dann steht immer noch die Frage der Machbarkeit im Raum.

 

Mein Körper und mein Herz beleuchten meinen emotionalen Zugang zu einer Sache. Ich kann mir an dem  Punkt sicher sein darüber, ob ich etwas will oder nicht. Das ist aber noch nicht das ganze Bild.

 

Welche Ressourcen habe ich?

 

Das ist wohl die wichtigste Frage des Verstands. Ressourcen heißt in dem Fall - welche menschlichen Ressourcen habe ich in Bezug auf die neue Aufgabe in mir, welche menschliche Unterstützung habe ich - Freunde und Familie, die mich in der Entscheidung unterstützen? Und letztlich auch - welche materielle Sicherheit habe ich, wenn ich mich für etwas entscheide?

 

Welche Sicherheiten sind da, auf die ich mich verlassen kann

 

Das ist letztendlich die wichtigste Frage, die der Verstand beantworten kann.

 

Warum ist das wichtig?

 

Nur wenn wir uns sicher fühlen, trauen wir uns einen Schritt in unbekannte neue Welten zu tun. Wenn wir unsicher sind, bekommen wir zu der normalen Angst vor dem Neuen und Unbekannten noch die Angst, daß wir es nicht schaffen, weil unsere Ressourcen nicht reichen. Das spüren wir dann immer. Und das führt wiederum dazu, daß sich unser Körper anspannt und unser emotionales Warnsystem uns mitteilt, daß es keine gute Idee ist sich auf das Neue einzulassen.

 

Und damit würde der Kreislauf des inneren Konflikts wieder von vorne beginnen. 

 

Alles zusammen betrachten

 

Die Körperreaktion und die Reaktion des Herzens sind das Wichtigste. Wenn beide ein eindeutiges Ja haben, kann man auch Hürden nehmen, wenn es nicht so viele Ressourcen gibt. So ist es gut sich das Ergebnis von Körper, Herz und Verstand zusammen anzuschauen und für sich abzuwägen. 

 

Wenn man eine Entscheidung auf diese Weise trifft, wird man sich nachher nicht mehr so schnell wundern, wie die Sache ausgeht. 

 

Dieser ganze Prozess klingt beim Lesen sehr aufwendig und langwierig. Wenn man durch die Praxis der Achtsamkeit ohnehin eine Bewusstheit für Körper und Herz entwickelt, kann der beschriebene Entscheidungsweg auch in einer Sekunde passieren - und man hat trotzdem bewusst die Information aller drei Teile eingesammelt.

 

Körper Herz und Verstand sind die drei Systeme in uns, die unser Leben lenken. Wenn sie im Gleichgewicht sind und unser Bewusstsein allen dreien die gleiche Achtung zukommen läßt, finden wir zu Entscheidungen mit denen wir in Einklang sind.

Übung

 

Die Übung, die sich an diesen Beitrag anschließt, liegt auf der Hand. Egal ob kleine oder große Entscheidung. Man kann sich immer wieder die drei Grundlagen für Entscheidungen bewusst machen. Damit man dafür nicht jedes Mal den ganzen Artikel noch mal lesen muss, hier eine kurze und klare Zusammenfassung.

 

Schritt 1 - Der Körper. Der Weg ist frei - oder nicht frei. Das Zeichen ist Anspannung oder Entspannung im Körper.

 

Schritt 2 - Das Herz: Kann ich mich für etwas begeistern, oder nicht? Lächeln als Zeichen.

 

Schritt 3 - Der Verstand: Nach allen äußeren Zeichen - ist es vernünftig den Schritt zu gehen. Welche Ressourcen habe ich? Wie sicher stehe ich sonst in meinem Leben?

 

Wie bei allen Achtsamkeitsübungen empfehle ich auch hier sich täglich Zeit zu nehmen, in der man seine Aufmerksamkeit bewusst auf ein Thema lenkt.  Am besten kann man den bewussten Prozess dadurch unterstützen, daß man sich täglich Notizen dazu macht, wie man zu Entscheidungen gefunden hat - und wie es einem dabei geht. 

 

Man kann den oben beschriebenen Test auch gut in die Meditation mit einbauen. Und so einer wichtigen Entscheidungsfrage ganz bewusst und fokussiert nachspüren. 

 

Achtsamkeit ist Bewusstheit in Bezug auf unsere Wahrnehmung. Vor allem auch Bewusstheit gegenüber unseren unbewussten Anteilen.  Sobald die Bewusstheit sich durch Übung verankert, kann ein Vorgang zu einer neuen Gewohnheit werden.

 

Wenn die Übung in Bezug auf Entscheidungsfindungen gelingt, wird der oben beschriebene Prozeß etwas, was sich in uns automatisiert. Dann ist unser Bewusstsein wieder frei für die Präsenz im Augenblick.

 

 

 

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