Weihnachten - verschiedene Kulturen treffen auf einander

21.12.2018

Wenn zwei Menschen in Beziehung miteinander leben, treffen immer zwei Kulturen aufeinander. Zwei Wertesysteme, unterschiedliche Rituale, Arten mit Dingen umzugehen. Genau diese Andersartigkeit ist es, die uns ursprünglich anzieht. Doch in dieser Andersartigkeit liegt auch der Samen für Konflikt in der Beziehung.

 

Wenn wir verletzt sind, kommen wir schnell ins Fahrwasser darüber zu streiten wer recht hat. Es geht darum, wer sich durchsetzen kann. Jeder kommt dann in die Angst, daß er seines nicht mehr leben kann, wenn er der Andersartigkeit des anderen zustimmt. 

 

Zu Weihnachten ist das Aufeinandertreffen von Familienkulturen oft besonders emotional. Jeder würde gerne Beziehung erleben, und doch ist es gerade zu Weihnachten oft besonders schwer.

 

Jeder hat seine Bräuche

 

Jeder hat seine Bräuche und Rituale. Und gerade zu Weihnachten ist das innere Kind in uns lebendig, das Weihnachten wieder gern so erleben möchte, wie es Weihnachten auch früher erlebt hat. Dieses Erlebnis ist Teil der eigenen Identität. Das ist etwas, was man auch an seine Kinder weitergeben möchte, damit sie auch das gleiche gute Gefühl erleben können, das man selber mit Weihnachten verbindet.

 

Was aber, wenn zwei völlig unterschiedliche Geschenkkulturen aufeinander treffen. Wenn sich über die Art zu feiern völlig unterschiedliche Werte ausdrücken?  Was ist, wenn die eine Familie gewöhnt ist das Fest üppigst zu feiern - alles wird geschmückt, verziert, ist opulent und schenken wird in jeder Weise mit Freude verbunden ?

 

Die andere Familie stellt unter einen kaum geschmückten Baum einen Kartoffelsack. In dem Kartoffelsack warten ein paar einfache Geschenke mit hohem Nutzwert - alles andere wird als überflüssig empfunden. Stille, zusammen sein, Einfachheit - sich als Menschen begegnen und Weihnachten zusammen erleben sind hier im Vordergrund.

 

Eine klassische, emotionale Situation, in der Paarbeziehungen gern in einen tiefen Konflikt kommen.

 

Was ist richtig?

 

Jeder erlebt "sein" Weihnachten als richtig, will sein Erlebnis haben und den Kindern vermitteln. Wenn man verletzt ist, weil die Art des anderen Weihnachten zu feiern das Eigene stört, beginnt man an dem wie der andere Weihnachten feiert Dinge auszusetzen und für falsch zu erklären. Schon ist man im Streiten.

 

Oft ist dann im Streit einer dominant und der andere gibt nach. Aber zu welchem Preis? Wer widerwillig nachgibt - um des Frieden Willens, wird sich emotional zurückziehen oder aggressiv werden. Oder der, der nachgegeben hat, zieht sich zurück, was den anderen aggressiv macht. Einer hat scheinbar gewonnen, aber die Beziehung hat verloren. So ein Konflikt über Weihnachtsbräuche kann sich über Jahre ziehen. Wenn er nur so entschieden wird, daß sich einer durchsetzt, entsteht in der Beziehung Distanz und das Gefühl, daß die Andersartigkeit des anderen nicht zu ertragen ist.

 

Entweder / Oder

 

Solange man solche Fragen als entweder / oder Fragen sieht, gibt es eigentlich nur Verlierer. Denn letztendlich wird auch der, dessen Brauch sich durchsetzt, Weihnachten nie wirklich mit seinem Partner teilen können. Die Spannung bleibt im Raum und die Kinder spüren diese Spannung auch.

 

Eine wichtige Grundhaltung der Achtsamkeit ist, zwei Gegensätze halten zu können - ohne zu urteilen. Zu achten, daß der andere anders ist, und daß an dieser Andersartigkeit auch etwas Gutes ist. Das annehmen zu können, ohne dabei die Achtung für das Eigene zu verlieren.

 

Was passiert, wenn es einem als Paar gelingt einander zuzuhören - zu verstehen wie der jeweils andere Weihnachten immer erlebt hat und was daran für ihn schön war? Wenn man das nebeneinander stehen lassen kann, sinken lassen - ohne gleich zu einer Entscheidung kommen zu müssen? Wenn es erst mal nur darum geht, die gegenseitigen Bedürfnisse zu verstehen, statt darüber zu reden wie man feiern wird.

 

Kreativität 

 

Aus dem Halten von Gegensätzen entsteht eine dritte Möglichkeit. Eine Möglichkeit, in der nicht einer siegt und der andere verliert. Das Vereinen von Gegensätzen ist die Wurzel aller Kreativität. Aus zwei Dingen, die scheinbar nicht zusammen gehören, entsteht etwas Drittes, etwas Neues, das Beides beinhaltet.

 

Im Falle der Weihnachtsrituale tauchen dann ganz verschiedene Möglichkeiten auf, die aus dem Entweder / Oder etwas Gemeinsames machen.

 

Vielleicht entscheidet man sich dann ganz bewußt zusammen für einen ganz armseligen Baum ohne Schmuck, bastelt zusammen mit den Kindern Strohsterne für ihn und zündet vielleicht am Baum nur eine Kerze an. Darunter liegen dann ein Kartoffelsack. Mit diesem Blick auf Weihnachten verbringt man Zeit miteinander. In der Konzentration auf das Wesentliche. In Verbindung mit dem was jeder für sich in dem Moment selber als wesentlich empfindet. In dieser Haltung ist viel Platz für Beziehung, denn die Geschenke drängen sich nicht in den Vordergrund.

 

Wenn die Kinder den Sack aufmachen, dann ist es darin opulent, bunt und verschwenderisch, und alle dürfen mit gutem Gewissen in der Fülle baden. Die Fülle und das Wenige - zwei Gegensätze, die sich scheinbar widersprechen. Zusammen bilden sie das Ganze. Wenn beide Erfahrungen sein dürfen, entsteht daraus etwas Neues, was die Gegensätze beinhaltet. Dann hat alles Platz. Alles sind gesehen, und alle sind in Beziehung.

 

Beziehung

 

Wenn das gelingt, erleben Kinder wie die Unterschiedlichkeit beider Eltern nebeneinander existieren kann, ohne daß es zu Konflikt führt. Daß es eine Wertschätzung und Freude an der Andersartigkeit des Anderen gibt, und daß genau in dieser Andersartigkeit die Quelle von Kreativität, Fantasie, Freude und Lebendigkeit liegen kann.

 

Wenn man so miteinander leben kann, entsteht Beziehung. 

Übung

 

Eine Lösung, die zwei Gegensätze wirklich vereint, beinhaltet keinen Verzicht. Sie beinhaltet Fülle, Kreativität und Gemeinsamkeit.

 

Wo gibt es derzeit in deinem Leben einen Konflikt, in dem sich Gegensätze scheinbar nicht vereinen lassen?  Und wie läßt sich gemeinsam die Bereitschaft finden diese Gegensätze ganz bewußt zu halten, dem anderen zuzuhören, mit der Absicht ihn und sein Erleben und seine Bedürfnisse ganz verstehen zu wollen? 

 

Wie läßt sich dann gemeinsam aus den zwei Gegensätzen eine neue Einheit bildet, die die Bedürfnisse beider beinhaltet?

 

In diesem Sinn - Frohe Weihnachten in Beziehung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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