Warum "Achtsames" Yoga?

18.10.2018

Achtsames Yoga hat eine klare Ausrichtung. Wie unterscheidet es sich von anderen Formen von Yoga? 

 

Entwickelt wurde die Übungsfolge von achtsamem Yoga für kranke und ältere Menschen - als eine Form mit dem Körper in Beziehung zu kommen. Daher sind die Übungen im Achtsamen Yoga bewußt sehr einfach gewählt. So, daß sie für möglichst viele Leute gut und einfach anwendbar sind.

 

Die Haltung, in der achtsames Yoga gemacht wird, ist eigentlich Meditation in Bewegung.  Ein neugieriges Erforschen dessen was wir im Körper bei den Übungen von Moment zu Moment wahrnehmen. Was wir im Körper spüren, wenn wir uns strecken, dehnen, oder uns anspannen.

 

Warum gibt es Yoga in der Achtsamkeit?

 

Unser Körper reagiert auf Streß mit Anspannung und auf angenehme Ereignisse mit Entspannung. Haben wir über zu lange Zeit Streß, werden aus Anspannungen Verspannungen. Dadurch geht der natürliche Fluß von Anspannung und Entspannung verloren. Wir kommen aus dem Gleichgewicht. Auf körperlicher Ebene genauso wie emotional.

 

Das Ziel im Yoga in der Achtsamkeit ist daher nicht die Entspannung, sondern die Herstellung des natürlichen Flusses von Anspannung und Entspannung in unserem Körper. Das genaue Spüren, wo ich in meinem Körper Anspannung und Entspannung wahrnehme, und wie die Yogaübungen auf körperlicher Ebene darin helfen durch regelmäßige Übung dieses Gleichgewicht wieder zu finden. 

 

Muskeln, die verspannt sind werden sanft gedehnt. Muskeln, die selten verwendet werden, werden gestärkt - sodaß wir uns im Laufe der Körperübungen Stück für Stück unseres ganzen Körpers bewußt werden. Gleichzeitig gehen wir ganz bewußt in Beziehung damit, wo unser Körper verspannt ist, und wo entspannt.

 

Entspannung und Dehnung von angespannten und verspannten Bereichen in uns geschieht nie über Kraft, sondern immer über den Atem. Wenn wir versuchen einen Muskel mit Kraft zu dehnen, zieht er sich als Reaktion immer zusammen. Wenn wir ganz sanft und ohne Anstrengung an die Grenze der möglichen Dehnung gehen, dann können wir mit jeder Ausatmung spüren, ob ein bißchen mehr Dehnung möglich ist. Immer nur so viel, wie der Körper in der bewußten Entspannung der Ausatmung von alleine nachgibt.

 

Um eine nachhaltige Dehnung zu erreichen, empfiehlt es sich Positionen ungefähr eine Minute zu halten. Denn erst dann läßt der Muskel wirklich nach.

 

Der Energiefluß

 

Energie fließt durch unseren Körper und ordnet alle Vorgänge in ihm. Wo unser Körper Verhärtungen hat, kann Energie nicht ungehindert fließen. Die Reproduktionsfähigkeit unserer Zellen in diesem Teilen ist nicht mehr so gut. Je mehr in uns permanent verspannt ist, desto weniger Energie haben wir im Alltag und desto anfälliger sind wir für Krankheiten.

 

Wenn wir Yoga machen, spüren wir die Energie in unserem Körper. Wir spüren wie der Energiefluß angeregt wird, und wie er Stellen erreicht, die in der Verspannung nicht zugänglich sind. So trägt die regelmäßige Yoga Praxis dazu bei, daß sich Verspannungen Stück für Stück lösen können. Gleichzeitig wird das Bewußtsein dafür geschärft, daß wir uns an den Stellen, an denen wir Verspannungen haben offensichtlich immer wieder anspannen.

 

Wenn uns das im Alltag bewußt wird, können wir uns in diesen Situationen auch bewußt entspannen.

 

Wir kriegen auch für die Atemmeditation eine Spur, die wir erforschen können. Welche Situationen lösen bei mir aus, daß ich mich in einem bestimmten Bereich anspanne? Was passiert, wenn ich mich in der Atemmeditation diesem Bereich bewußt zuwende und über den Atem mit ihm in Beziehung gehe? Was taucht in mir auf, wenn ich das tue - wenn ich in diesem verspannten Teil von mir bewußt den ganzen Kreislauf der Atmung wahrnehme - Anspannung beim Einatmen, Entspannung und loslasse beim Ausatmen. Und eine kleine Pause nach dem Ausatmen, die so lange anhält, bis der nächste Impuls zum Einatmen wieder kommt. Was passiert, wenn ich meinen Fokus ganz auf diesen verspannten Teil lege - ohne die Absicht ihn dadurch zu ändern?

 

Gefühle

 

Mit Anspannung reagieren wir nicht nur auf Dinge von außen. Wann immer wir Gefühle in uns spüren, die wir nicht spüren wollen, spannt sich etwas in uns an. Genau dieses Ausweichen - dieses uns dem Gefühl nicht zuwenden, bringt uns Stück für Stück in die Verspannung.

 

Unsere nicht gewollten Gefühle sind sozusagen in der Verspannung gespeichert. 

 

Mit der Zeit drücken sich unsere Gefühle tatsächlich in Haltungen aus. Haltungen, in die wir durch Verspannungen in unserem Körper sozusagen gezwungen werden. In diesen Haltungen sind wir von den Gefühlen, die wir nicht fühlen wollen abgespalten.

 

Durch die Übung des Yoga werden verhärtete Muskeln gedehnt und wieder flexibler gemacht - der Effekt ist, daß wir über die Körperübung auch wieder zu anderen Gefühlen Zugang finden. 

 

Im Umkehrschluß heißt das, daß etwas Interessantes passiert, wenn wir mithilfe von Yoga und Meditation Verspannungen in uns lösen. Es wird uns möglich wieder Gefühle zu fühlen, die uns fremd geworden sind. Unsere Körperhaltung ändert sich und damit auch unsere Haltung dem Leben gegenüber.

 

Mit jedem Gefühl, das wir wieder integrieren können, werden wir wieder ein Stück mehr Ganz, ein Stück entspannter, ein Stück lebendiger, weicher, flexibler.

 

Symptom und Ursache

 

Yoga kann also sehr gut das Symptom lindern und unser Bewußtsein mit unserem Körper verbinden. Das hilft. Doch nachhaltig hilft nur, wenn wir lernen die Gefühle, die wir nicht fühlen wollen zu integrieren. Zu ihnen in Beziehung zu gehen - sie zu tatsächlich wieder zu spüren. Denn wenn das Gefühl nicht mehr mit einem innerlichen Nein verbunden ist, spannen wir uns auch nicht mehr an.

Übung

 

Der einfachste Weg sich mit den Übungen des achtsamen Yoga vertraut zu machen ist dieses kleine Buch: Die MBSR Yogaübungen von John Kabat-Zinn.

Neben einer kurzen Texteinführung ist hier auch die ganze Übungsfolge abgebildet und es liegt eine CD bei, mit deren Hilfe man die Übungen flüssig und ohne Ablenkung für sich durchführen kann.  

 

 

 

 

 

 

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