Der Ort von dem aus wir handeln

28.06.2018

Ich beginne heute mit einer wahren Geschichte: Ein Investment Banker an der Wall Street hatte seiner Firma einen sagenhaften Gewinn beschert. Sein Chef hat ihm einen Bonus angetragen, der darin bestand, daß der sich fast alles als Belohnung wünschen konnte was sein Herz begehrt - ein teures Auto, Geld, ein Haus - was auch immer. 

 

Was sich der Manager gewünscht hat waren "zwei Minuten". Zwei Minuten am Anfang jeder gemeinsamen Sitzung, in der alle in Stille sitzen und meditieren. 

 

Den Chef hat den Vorschlag befremdet, aber er hat ihn doch angenommen. Aus den zwei Minuten wurden mit der Zeit fünf Minuten, eine viertel Stunde. Heute meditieren die Chefs der Bank bei gemeinsamen wichtigen Sitzungen eine halbe Stunde bevor sie anfangen zu reden.

 

Was ist wesentlich?

 

Wenn jeder zu sich kommt und die Zeit bekommt sich in Stille mit etwas Wesentlichem zu verbinden, dann ist das Wesentliche im Blick. In unserem geschäftigen Alltag ist unser ganzes Handeln bestimmt von dem, was gerade als nächstes dringlich ist. Aber ist das Dringliche auch immer das Wesentliche?

 

Womit kommen wir in Kontakt, wenn wir in uns gehen? Wir kommen mit uns selbst in Kontakt. Mit unserem Sein abseits des Handelns. Wenn wir die Augen öffnen können wir uns selbst mit einbringen und kriegen einen anderen Fokus dafür was wichtig ist.

 

Wenn das Tun aus der Energie des Seins gespeist wird, setzen wir unsere Kräfte optimal ein. Wenn wir zu sehr im Tun sind, verlieren wir uns leicht. Sind schnell überfordert und haben das Gefühl allem hinterher zu laufen. Wir verlieren Kontakt zu unserem Sein, unseren Bedürfnissen, unseren Gefühlen, und unserer Intuition.

 

Intuition

 

Intuition ist die Weisheit des Seins. In ihr verbinden sich alle inneren Prozesse des Denkens, Fühlens, der Körpersignale, des Energieflusses zu einem Ganzen. Intuition entsteht aus einer interessanten Mischung. Aus einer Mischung aus Fokus uns loslassen. Denn Intuition zeigt sich nur dann, wenn nach einer langen Zeit des Fokus Haltens zuhören. Wenn wir ohne Absicht in uns hinein hören. Dann wirft unser Gesamtsystem gleich einem Supercomputer, der alles mit einberechnet hat auf einmal ein überraschendes und sehr stimmiges Ergebnis aus.

 

Albert Einstein hat das für sich einmal so formuliert:

 

"Ich denke 99 mal über etwas nach und ich finde nichts. Ich höre auf zu denken, schwimme in Stille, und die Wahrheit kommt zu mir."

 

Wann immer wir merken, daß wir uns verloren haben - sei es durch Streß, durch Sorgen, oder dadurch, daß alte Überzeugungen uns keinen sicheren Hafen mehr geben, versuchen wir meist uns durch Denken und Handeln zu befreien. Oft beschleunigt sich unser Tun, doch gleichzeitig geht uns die Kraft aus.

 

Nur Handeln, das aus dem Sein kommt verbindet uns wieder mit unserer eigenen Quelle - und kann uns die Sicherheit geben, daß das was wir tun von einem inneren Ort der Wahrnehmung kommt, auf den wir uns verlassen können. 

 

Übung

 

Die Übung besteht darin für sich Rituale zu identifizieren, in denen wir zu uns kommen können. Im Alltag und auch in kleineren oder größeren Krisen. Wo kann ich mich mit dem Wesentlichen verbinden, wenn mich das Dringliche übermannt? Wie kann ich zu mir selbst kommen?

 

Wenn wir uns die Rituale, die uns zu mit uns selbst verbinden kennen, dann können wir auch regelmäßig mit ihnen in Verbindung gehen.
 

Wenn wir uns im Laufe des Arbeitstags verlieren und im Tun untergehen, können wir einen kleinen Spaziergang, oder eine kleine Meditation machen. Einfach um kurz zu uns zu kommen.

 

Für viele hat Sport so eine Funktion, Meditation, Aufenthalt in der Natur, Holz hacken, segeln gehen. Was auch immer einem persönlich guttut. Wo auch immer man sich wieder spürt.

 

Wenn wir in größeren Krisen sind, in denen wir nach Orientierung suchen, kommt zwar oft viel Rat von außen - doch er hilft nur bedingt. Die Dinge müssen sich in uns ordnen. Und wir müssen in uns wieder einen Ort finden, an dem wir uns mit unserer eigenen Wahrnehmung wieder verbinden können. Nur aus dieser Verbindung heraus können wir wieder mit Sicherheit und Überzeugung handeln. Vielleicht sind es dann zwei Tage oder eine ganze Woche in Stille, die notwendig sind, um wieder aus uns selber heraus handlungsfähig zu sein. Es braucht den Mut die Stille in der Situation auszuhalten, aber es lohnt sich.

 

Denn in der Stille liegt die Kraft und die wahre Fülle unserer Wahrnehmung. 

 

 

 

 

 

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