Der kleine schwarze Beutel

10.06.2018

Der Dichter Robert Bly hat ein wunderbares Bild von einem kleinen schwarzen Beutel geprägt. 

 

Den Beutel tragen wir an der Hüfte. Wenn wir aufwachsen und Leute an uns bestimmte Dinge nicht mögen, oder wenn wir versuchen es unseren Eltern recht zu machen, weil wir ein braves Kind sein wollen, dann stopfen wir einen Teil von uns den wir ablehnen in den Beutel.

 

Wir sind sehr sensibel dafür, wie uns die Gesellschaft wahrnimmt, und wie andere Menschen uns sehen. 

 

Wenn wir älter werden, stopfen wir noch mehr Aspekte von uns in den Beutel. Lauter Dinge, die wir für nicht akzeptabel halten. Wenn wir aufs Gymnasium gehen ist der Beutel vielleicht schon einen Kilometer lang. Voll von allen möglichen Aspekten von uns, die wir niemandem zeigen wollen.

 

Irgendwann vergessen wir dann, daß der Beutel überhaupt da ist. Wir spüren Minderwertigkeitsgefühl oder Verzagtheit und denken - "Das könnte ich nie" - oder "Das ist zu schwer für mich".

 

Wir haben uns selbst klein gemacht und auf einen kleinen Teil des Wesens reduziert, der wir als Baby oder kleines Kind waren - bevor uns vermittelt wurde, daß wir nur gut sind, wenn wir uns auf eine bestimmte Art verhalten. Diese Dinge nehmen wir sehr früh auf, und sie haben einen enormen Einfluß auf unser Selbstwertgefühl.

 

Wenn wir ins Berufsleben gehen ist der Beutel vielleicht schon 4km lang. Wir trauen uns weder ihn im Beruf herzuzeigen, noch unserem Partner oder Partnerin.

 

Je mehr im Beutel ist, desto mehr nimmt uns das Energie und Lebenslust - denn wir sind nicht ganz.

 

Daher ist es immer wieder gut und wichtig, in den Beutel zu schauen, und Stück für Stück ein bißchen was davon heraus zu lassen. In der Achtsamkeit beobachten wir was aus dem Beutel heraus kommt, auch wenn es mit viel emotionalem Chaos verbunden ist. Die Methode der Achtsamkeit gibt uns eine Möglichkeit dabei im Gleichgewicht zu bleiben. Was da raus kommt, sind lediglich Gedanken und Gefühle im Geist. Wir sind nicht mit ihnen ident. Wir sind zu jedem Zeitpunkt mehr als das was im Sack ist. Diese Sicherheit bekommen wir in der Achtsamkeit. Wir können kontrollieren wie viel wir aus dem Sack lassen wollen oder wie tief wir reinschauen wollen.

 

Wir müssen all die Probleme, die wir seit 30 oder 40 Jahren mit uns herumschleppen nicht lösen - sie verschwinden von Selbst, weil wir selbst regulierende Wesen sind -  sobald wir Beziehung mit den vergessenen Teilen in uns aufnehmen, und sie zulassen können.

 

Wenn wir alles wahrnehmen und zulassen können, was in uns ist, fühlen wir uns lebendig. 

 

 

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