Auf unser Herz hören

25.01.2019

 

 Ich liebe dieses Bild, weil es für mich eine Perspektive aufs Leben hat, deren wir uns im Alltag kaum bewußt sind. Wenn wir auf die Welt kommen sind wir fast nur Herz. Wenn wir größer werden, lernen wir unser Herz immer mehr zu verstecken, und uns immer mehr auf unseren Verstand zu verlassen. 

 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut", heißt es im "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint Exupery. Kleine Kinder schauen mit dem Herzen und gehen voller Vertrauen und Neugier in die Welt. Doch wenn ihr Herz verletzt wird und sie nicht gut geschützt sind - wenn sie nicht wert geschätzt werden wie sie sind, verlieren sie das Vertrauen daß sie ihrem Herzen trauen können. In dem Maß in dem Kinder  lernen, daß ihre Bedürfnisse nicht gesehen werden, verlieren sie den Kontakt zu ihnen. 

 

So lernen wir im Laufe unseres Lebens oft mehr unserem Kopf zu vertrauen, statt unserem Herzen zu folgen.  Wenn wir mit dem Herzen schauen, haben wir Angst verwundbar zu sein. Ausgenutzt zu werden. Naiv zu sein. Unsere Grenzen nicht schützen zu können.

 

Doch dieser Blick macht uns hart und schneidet uns von unserer Lebendigkeit ab. Denn im Herzen ist unsere Lebendigkeit, unsere Freude, unsere Kreativität, unsere Lebenslust beheimatet. All das ist in kleinen Kindern oft in reiner Form zu sehen - als reine freudige Lebensenergie. 

 

Wenn wir älter werden und gelernt haben unser Herz nicht mehr so oft zu zeigen, weil wir so wie wir sind nicht geachtet werden, dann kommen uns Lebenslust, die Fülle des Lebens und Lebensenergie abhanden. Das Leben erscheint sinnlos, denn durch den Verstand können wir das, was in uns lebendig ist weder erfahren noch ausdrücken.

 

Je mehr wir unser Herz verstecken, desto schwieriger wird es mit uns selbst und anderen in Beziehung zu sein. Denn nur in unseren Herzgefühlen ist Beziehung möglich.

 

Über unser Herz kommen wir zu unserer Lebensenergie

 

Wenn wir als Erwachsene das Gefühl haben, daß es gefährlich ist uns mit unserem Herz so zu zeigen wie wir sind, kommt dieses Gefühl der Angst meist aus unserer Kindheit. Aus einer Zeit, in der wir noch kein eigenes, von unseren Eltern unabhängiges Selbstbild erzeugen konnten. Wir lernen uns als Kinder in unseren Familien so zu verhalten, daß unsere Zugehörigkeit gesichert ist. Auch, wenn wir dafür eigene Bedürfnisse verstecken müssen. Denn wir sind als Kinder abhängig von anderen, die uns am Leben erhalten. In dieser Zeit entscheidet sich sehr viel darüber, wie sehr wir anderen vertrauen können. Und damit auch wie sehr wir uns trauen uns zu zeigen wie wir sind - ohne Angst zurückgewiesen zu werden.

 

Doch wir haben als Erwachsene eine Chance, die wir als Kinder nicht hatten. Wir können ein eigenes stabiles und flexibles Weltbild entwickeln, weil wir nicht mehr abhängig sind. Wir können uns selber am Leben erhalten. 

 

Wenn wir erwachsen sind, haben wir die Freiheit zugunsten unseres eigenen Bedürfnisses zu entscheiden, auch wenn das bedeutet, daß wir mit jemand anderem in Konflikt kommen, und uns im schlimmsten Fall auch von ihm trennen müssen. Denn wir wissen, daß wir unabhängig leben können. Das Vertrauen in die eigene Autonomie ist ein ganz wesentlicher Teil der erwachsenen Identität. Das Vertrauen in die eigene Autonomie würde ich gleichsetzen mit dem Begriff Selbstvertrauen. Sprich - als Erwachsene haben wir alles um uns selbst zu schützen.

 

Kindergefühle und Gefühle der Ohnmacht anderen gegenüber werden im Erwachsenenleben überall dort wieder aktiviert, wo wir uns sowohl in Beziehung als auch im Beruf in Abhängigkeitsverhältnissen befinden. 

 

Das Gleichgewicht wieder finden

 

Ich halte es für sehr wichtig als Erwachsene wieder zu lernen unserem Herz zu vertrauen - und zwar in dem "Wissen" daß wir es heute schützen können.

 

Unser erwachsener Verstand kann unser Herz schützen. Er kann wachsam die Grenzen setzen, die unser Herz nicht erkennt. Wenn wir darin Vertrauen bekommen, können wir uns wieder in unserer ganzen Lebendigkeit zeigen.

 

Dieses Gleichgewicht finden heißt nicht wieder zum Kind zu werden, das sich nicht schützen kann - sondern in ein Gleichgewicht zwischen Verstand und Herz zu kommen.

 

Wo immer wir uns in unseren Entscheidungen wieder mehr von unseren Herzen leiten lassen, tut uns das gut. Wir kommen dann wieder mehr in Kontakt mit unseren eigenen Bedürfnissen und können den Mut finden sie zu zeigen. Wir werden lebendig und lebensfroh. 

 

Wo Herz und Verstand gleichberechtigt sein dürfen, kommt unser Leben ein gutes Stück ins Gleichgewicht.

Übung

 

Wohin soll ich hören, wenn ich auf mein Herz höre? Wie erkenne ich was mein Herz will?

 

Das Herz hat ganz klare Ausdrucksformen. Wenn das Herz zustimmt, muß ich lächeln. Wenn das Herz verletzt ist, werde ich traurig.

 

In dieser Übung geht es nur darum ganz bewußt im Laufe des Tages zu bemerken wann ich lächle - und wann ich im Gesicht meines Gegenübers ein Lächeln sehe. Denn wo immer ein Lächeln ist, stimmt unser Herz zu. Ein junges Liebespaar kommt aus dem Lächeln gar nicht raus, wenn es sich gegenseitig in die Augen schaut. Das sicherste Zeichen von Verliebtheit.

 

Wo ich mein Lächeln und das Lächeln bei meinem Gegenüber bemerke, komme ich ganz bewußt in Kontakt mit meinem Herzen und dem Herzen meines Gegenübers.

 

Wenn ich einen Weg gehen möchte, auf dem ich der Stimme meines Herzens mehr folge, dann gelingt mir das wenn ich dem Lächeln folge. Dem Lächeln in mir und dem Lächeln im Gesicht der Menschen, die mir begegnen. Überall wo ich dem Lächeln folge, komme ich in Beziehung mit mir selber - mit dem was ich tue. Und wirkliche Nähe zu anderen Menschen wird möglich.

 

Traurigkeit und Tränen zeigen an wo mein Herz verletzt oder berührt ist. 

 

Lebensfreude, Lächeln, Lachen - Traurigkeit, Berührtheit und Tränen sind die Sprache des Herzens. Wenn wir unserem Herz wieder mehr Raum geben wollen, folgen wir dieser Sprache.

 

 

 

 

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