Ein Raum in dem die Zeit stehen bleibt

07.06.2018

Meine 15-jährige Tochter kam vor Kurzem von der Schule nach Hause und hatte einen Wunsch. Sie hat sich einen Raum gewünscht, den sie immer betreten kann. In diesem Raum ist nichts. Er ist leer. In diesem Raum muß sie nichts - gar nichts. Sie muß nichts denken und sie muß nichts tun. 

 

Sie kann einfach nur sein. Ohne Anspruch von außen und ohne Anspruch an sich selber. 

 

Wenn sie aus dem Raum wieder hinausgeht, dann ist keine Zeit vergangen. 

 

Ich glaube es gibt kaum Jemanden, der dieses Bedürfnis nicht versteht. Wenn es solche Räume gäbe, wären sie immer gut belegt.

 

Das was meine Tochter sagt, deutet für mich auf ein ganz natürliches Bedürfnis hin: stehen zu bleiben - zu sich kommen zu können - nichts und Niemandem Rechenschaft schuldig zu sein - Zeit zu haben und Ruhe - ohne daß einem etwas davon läuft. Ohne daß man dafür, daß man diesen Raum betritt ein schlechtes Gewissen haben muß.

 

Es ist ein anderer Raum als Schlafen - es ist ein Raum, in dem man sich neu ordnen und in dem man Kraft schöpfen kann. 

 

Für mich persönlich ist die Meditation ein Raum geworden, den ich so ähnlich nutze. Auch wenn die Zeit vergeht, während ich meditiere, und einmal am Tag alles sein lasse, habe ich das Gefühl, daß ich diese Zeit im Laufe des Tages immer zurück bekomme. Durch mehr Präsenz und Ruhe, mit der ich dem Leben begegnen kann.

 

Doch wenn es den Raum wirklich gäbe, den meine Tochter sich wünscht, würde ich ihn auch besuchen.

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