Meine Grenzen schützen - die Spiegelneuronen

13.04.2018

Der Eintrag "Wie kann ich meine Grenzen schützen"   gehört zu den umfassenderen und längeren Einträgen, die ich für diese Homepage geschrieben habe. Denn jedes sich Öffnen ist auch immer damit verbunden, daß wir merken, daß wir verwundbar sind. Wie kann ich mich in der Öffnung gleichzeitig gut schützen? Das ist die wesentliche Frage, wenn es darum geht, in Beziehung gehen zu können. Denn nur wenn wir spüren, daß wir eine Grenze haben, trauen wir uns Nähe zu leben.

 

Eigentlich haben wir keine Grenze

 

Eigentlich sind wir grenzenlos und unwillkürlich miteinander verbunden. Durch Spiegelneuronen in unseren Hirnen nehmen wir Gefühle von anderen wahr, als würden wir sie selber erleben. Das passiert unmittelbar und unbewußt. Im Kontakt können wir uns dieser unmittelbaren Erfahrung nicht erwehren.

 

Wenn Eltern streiten - das Kind kommt nach Hause und es sagt keiner ein Wort, spürt das Kind emotional trotzdem sofort, was los ist. Wir sind  so miteinander verbunden, daß die Emotionen anderer auf uns überspringen. Es braucht dazu keine Worte.

 

Die stärkste Emotion gewinnt

 

Die Forschungsergebnisse der Positiven Psychologie zeigen, daß in einer Gruppe von Menschen - zum Beispiel in einem Meeting - alle innerhalb einer Minute in die Stimmung des Menschen im Raum kommen, der die stärkste Emotion hat. Verstärken tut sich dieser Effekt, wenn wir von diesem Menschen direkt abhängig sind. Beispielsweise in der Arbeit in Bezug auf Vorgesetzte oder in der Familie in Bezug auf unsere Eltern.

 

Ihre Gefühle können uns noch leichter aus dem Kontakt mit der eigenen Wahrnehmung bringen, als das bei anderen Beziehungen der Fall ist. Wenn das geschieht, erleben wir das als verletzte Grenze. Oft reicht es aus, daß ein bestimmter Mensch nur den Raum betritt - er muß noch gar nichts sagen -  und schon sind wir in seiner Emotion und verlieren unsere Wahrnehmung und Urteilskraft. 

 

Unsere inneren Grenzen

 

Wenn man genau hinschaut sieht man, daß unsere inneren Grenzen viel damit zu tun haben, wo wir in Konflikt kommen. 

 

Auch wenn wir Achtsamkeit üben - wir werden immer Urteile gegenüber inneren Anteilen von uns haben. Seiten, die wir nicht gerne herzeigen, oder für die wir uns schämen. Überall wo wir diese Seiten haben, werden unsere Grenzen durch die Leute verletzt, die diese Eigenschaften oder Gefühle verkörpern.

 

Je mehr Urteil ich also über mich selbst habe, desto mehr werde ich in Konflikt mit anderen sein. Und desto öfter werden meine Grenzen verletzt.

 

Der beste Grenzschutz ist daher, mit so vielen Gefühlen wie möglich in uns in Einklang zu sein. 

 

Wir können dann dem Gefühl des Menschen uns gegenüber als "seine Wirklichkeit" zustimmen, und gleichzeitig bei unserer Wahrnehmung bleiben. Wenn der Andere ausgeredet hat, können wir ohne Mühe unserer eigenen Wirklichkeit Raum geben. Auch wenn sie der Wirklichkeit des Anderen widerspricht.

 

Sollte unsere Grenze verletzt sein, ist es nicht so leicht wieder zu sich zu finden. In der Achtsamkeit gibt es eine Technik in solchen Situationen wieder zu sich zu kommen.

 

Die Achtsame Pause

 

Wenn es mir gelingt wahrzunehmen, daß ich gerade in Not bin, Streß habe, mir etwas unangenehm ist, meine Grenzen verletzt sind, dann kann ich in jeder Situation auf das gleiche Mittel zurückgreifen. Ich kann in jeder solchen Situation meinen Atem als Anker verwenden, indem ich mich auf ihn konzentriere.

 

Damit löst sich meine Aufmerksamkeit von der Emotion des Gegenübers und ich finde zu mir und zu meinem Körper zurück, der immer im Jetzt ist. Solange ich die Aufmerksamkeit auf meinen Atem lenke, bin ich mit meiner Aufmerksamkeit im Augenblick wie er ist - und weder in meinen eigenen Gefühlsturbulenzen, noch spüre ich die Emotion den anderen. Die Achtsame Pause ist so eine Art Niemandsland, in dem man wieder zu sich finden kann. 

 

Wir kommen im Augenblick an - einem Ort, der in einer solchen Situation wie eine Reset Taste wirken kann. Wo wir uns wieder selber spüren, uns und unsere Bedürfnisse auch wieder bewußt wahrnehmen.

 

Von dort aus können wir im besten Fall wieder in Kontakt mit dem Gegenüber gehen und gleichzeitig bei uns bleiben.

 

Die Achtsame Pause ist auch im Eintrag "Wie kann ich meine Grenzen schützen" als Übung enthalten.

 

 

 

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