Atemmeditation

21.02.2018

Die Atemmeditation ist die zentrale tägliche Meditationsübung der Achtsamkeit. Sie ist eine klare, einfache und fast asketische Übung. Diesen Eintrag fange ich ausnahmsweise mit der Übung der Atemmeditation an und schreibe im Anschluß noch ein paar grundlegende Dinge dazu.

Übung

 

Die Atemmeditation wird so ausgeführt, daß man sich in eine gute Meditationshaltung begibt (siehe Eintrag "Eine gute Sitzhaltung beim Meditieren"), die Augen schließt, und beginnt auf seine Atmung zu achten. 

 

Wer beginnt auf seine Atmung zu achten merkt sehr schnell, daß das Atmen aus einer Phase des Einatems, einer Phase des Ausatmens, und einer kurzen Pause nach dem Ausatmen besteht - bevor der Impuls des Körpers kommt wieder einatmen zu wollen.

 

Diese Phasen nimmt man bei der Atemmeditation bewußt wahr. Das Einatmen ist mit einem Gefühl der Anspannung verbunden, das Ausatmen mit einem Gefühl des los Lassens und der Entspannung. 

 

Mit jeder Einatmung hebt sich der Brustkorb und die Bauchdecke, mit jeder Ausatmung senken sie sich wieder. Kalte Luft strömt in uns ein, warme Luft strömt aus uns aus.

 

Um die Konzentration auf den Atem während der Meditation zu erleichtern, kann man sich im Rhythmus des Ein- und Ausatmens einen Anker im Körper suchen, wo man die Atmung besonders bewußt wahrnimmt. Es kann der Luftzug sein, den wir in der Nase spüren, das Heben und Senken der Bauchdecke, oder beispielsweise der Luftzug, der durch den Hals strömt. Wo man individuell den Zyklus des Atems am besten spürt, das kann jeder für sich selbst entdecken.

 

Der Atem wird in der Meditation der Achtsamkeit in keiner Weise manipuliert. Er zeigt sich so wie er ist, kann sich beruhigen, muß aber nicht. Bei bestimmten Gefühlen darf er sich verändern - schneller, stärker oder tiefer werden. Das Bewußtsein in der Atemmeditation ist, daß es atmet - wir werden sozusagen geatmet. Wir müssen dazu nichts tun und nehmen keinen Einfluß.

 

Zu Anfang der Meditation kann es angenehm sein ganz bewußt drei tiefe lange Atemzüge zu machen, ganz einfach weil dadurch die Aufmerksamkeit sehr klar auf den Atem gelenkt wird, und man so einen guten Einstieg findet.

 

Wenn wir mit der Atemmeditation anfangen merken wir schnell, daß Gedanken und Gefühle auftauchen, denen wir folgen. Dadurch werden wir von der Konzentration auf unseren Atem abgelenkt. Es ist wichtig zu wissen, daß das natürlich ist. Wenn wir anfangen zu meditieren, sind wir sehr mit unseren Gedanken und Gefühlen identifiziert - sie sind das, was wir im Alltag als unser Ich wahrnehmen.

 

Diesem Effekt kann niemand ausweichen. Er ist normal. 

 

Die Übung der Meditation der Achtsamkeit besteht darin mit der Aufmerksamkeit immer wieder zum Atem zurückzukehren. Irgendwann merkt unser Bewußtsein, daß wir denken. Eine Reaktion, die dann leicht kommt ist, daß wir uns ärgern, weil wir die Übung der Konzentration nicht "richtig" gemacht haben. Aber das ist nicht der Fall. Es ist natürlich abzuschweifen, und die Übung besteht darin, geduldig immer wieder zum Atem zurückzukommen. Und das am besten ohne Bewertung und Urteil dessen was jetzt gerade war. 

Wer noch nie meditiert hat, sollte sich anfangs von der Meditation keine Wunder an anderen Bewußtseinszuständen erwarten. Ja - wenn man aufhört zu meditieren und wieder im Raum die Augen aufmacht, spürt man meist deutlich eine größere innere Ruhe und Klarheit. Aber in der Meditation selber ist die Atemmeditation tatsächlich erst mal eine Übung für Geduldige. Eine Übung in der die Fähigkeit sich gut auf den Atem zu konzentrieren, der uns immer in unserem Körper, und damit im Augenblick verankert.  Je nach Tagesverfassung gelingt das einem Tag besser, an einem anderen schlechter . Auch das ist normal. 

 

Die Wirkung der Atemmeditation liegt in der Schulung des Bewußtseins. Das Bewußtsein lernt Schritt für Schritt in der Wahrnehmung des Augenblicks zu bleiben - ganz einfach weil wir uns unseres Atems als Anker im Jetzt mit fortlaufender Übung immer bewußter werden.

 

Oft ist es so, daß sich die Wirkung der Meditation viel mehr im Alltag zeigt als in der Meditation selber. Wer über eine längere Zeit Atemmeditation macht, wird merken daß er Situationen im Alltag zunehmend bewußter und differenzierter wahrnimmt. Er wird merken, daß er Stück für Stück auch in Situationen bei sich (im Bewußtsein) bleiben kann, in denen er sich sonst in Emotionen oder Gedanken verloren hat. 

 

Das ist die Wirkung der Atemmeditation


 

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