Sinnvoll leben

26.09.2018

Sinnvoll leben ist eine tiefe Sehnsucht von uns. Doch worin wir Sinn finden ist eine schwer zu beantwortende Frage.

 

Meine Antwort heute ist, daß der Sinn des Lebens das Leben selber ist. 

 

Leben im Augenblick

 

Wir leben immer nur im Augenblick. Das ist vielleicht die zentrale Botschaft der Achtsamkeit. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Trotzdem gehen wir oft durch den Tag und sind unentwegt damit beschäftigt über Vergangenheit oder Zukunft nachzudenken, sodaß wir in unserer Gegenwart - der Moment in dem wir leben oft den ganzen Tag gar nicht auftaucht.

 

Wir sind oft wie Schlafwandler, die durch unser Leben gehen, ohne den Moment in dem wir leben wirklich zu erleben.

 

Wir können unsere Vergangenheit nicht mehr ändern, egal wie sehr wir uns bemühen - wir können unsere Zukunft nicht vorher sehen. Auch wenn wir uns noch so detailreich ausmalen wie das morgige Meeting Punkt für Punkt laufen wird und was wir auf welche Frage antworten - das meeting wird anders laufen.

 

Die Dissonanz zwischen der Wirklichkeit wie sie ist und unserer Vorstellung von der Wirklichkeit,  wird uns während des Meetings wieder aus dem Kontakt mit dem Augenblick holen, weil wir davon irritiert sind, daß unserer Erwartungshaltungen nicht erfüllt werden. Unsere Schlüsse aus der Vergangenheit und unsere Erwartungen an die Zukunft führen uns leicht in Konflikt mit dem was ist. 

 

Unser Körper ist immer im Jetzt

 

Unsere Gedanken und Gefühle reisen durch Vergangenheit und Zukunft, aber unser Körper ist immer im Augenblick - in der Gegenwart. Eine der wichtigsten Eigenschaften unseres Körpers ist seine einzigartige Fähigkeit mit den Sinnen den Augenblick wahrzunehmen. Er ist mit der Wirklichkeit verbunden, fügt ihr nichts hinzu, und nimmt ihr nichts weg.

 

Wer durch Achtsamkeit lernt langsamer zu werden und im Augenblick zu sein, der beginnt sich wieder in der Gegenwart zu spüren. Er beginnt wieder mit seinen "Sinnen" die Welt in dem Augenblick wahrzunehmen, in dem er lebt. 

 

Wo das gelingt, machen wir eine "sinnvolle" Erfahrung. Und dort, wo wir eine solche Erfahrung machen, fragen wir nicht nach dem Sinn. Wir sind im Sinn. Wir leben. So komme ich auf den Schluß, daß der Sinn des Lebens das Leben ist. Möglichst viele Augenblicke, in denen wir leben auch mit unseren Sinnen in der Gegenwart wahrzunehmen.

 

Präsenz

 

Das Wort Präsenz ist ein schönes Wort dafür, daß jemand anwesend ist in seinem eigenen Leben. Wer präsent ist, sieht und wird gesehen. Er lebt im Jetzt. Nicht umsonst ist eine Wortbedeutung von Präsenz auch die Gegenwart.

 

Jemand, der präsent ist, ist in der Gegenwart anwesend. Wir alle kennen diesen Zustand von uns und wir alle wissen wie es sich anfühlt, zwar in der Gegenwart anwesend, und doch abwesend zu sein. Wir wissen wie es sich anfühlt mit jemandem zusammen zu sein, der zwar körperlich anwesend, und doch geistig abwesend ist. Mit der Gegenwart in Kontakt zu sein heißt unser Leben leben - dort anwesend zu sein, wo unser Leben gerade stattfindet. Genau das ist eines der zentralen Themen in der Achtsamkeit.

 

Stephen Cope, ein amerikanischer Meditationslehrer schreibt in der Einleitung seines Buches "Das große Werk deines Lebens", daß er am Anfang von retreats immer wieder Leute fragt, was sie dazu motiviert beim retreat mitzumachen. Die häufigste Antwort, die er bekommt faßt er so zusammen: Die Leute sagen ihm auf die eine oder andere Art und Weise, sie wollen nicht sterben bevor sie gelebt haben. 

 

Wenn wir das Leben suchen, finden wir es im Jetzt.

Übung

 

Die Übung zu diesem Eintrag ist ein Klassiker der Achtsamkeit und besteht darin mehrmals am Tag eine "achtsame Pause" zu machen. Sich mehrmals am Tag gezielt eine Minute zu nehmen, in der man sich nur mit seinen Sinnen im Augenblick verankert.

 

Du kannst die erste achtsame Pause in dem Moment machen, in dem du diesen Satz ausgelesen hast - einfach in dem du vom Computer aufschaust, und alles um dich herum mit allen Sinnen aufnimmst - mit deinen Augen, deinen Ohren, deiner Nase, deiner Haut, oder auch deinem Mund, wenn du gerade etwas ißt.

 

Die achtsame Pause gibt einen Eindruck davon, wie sich die Welt anfühlt, wenn du in ihr präsent bist. Nicht mehr - und nicht weniger. 

 

Um die achtsame Pause nicht zu vergessen, kann man sich ein paar Wecker im Laufe des Tages stellen. Die Minute fällt kaum auf und stiehlt einem auch keine Zeit. Wer aufmerksam ist, wird merken, daß man am Ende mit mehr Präsenz wieder in die Situation eintaucht, in der man sich gerade befindet. Diese Präsenz führt zu mehr Klarheit. Dadurch, daß man seinem Leben mit mehr Klarheit begegnet, hat man die Minute schnell wieder gewonnen.

 

Wenn es gerade möglich ist, weil man beispielsweise gerade kocht, kann man die achtsame Pause ja gerne verlängern und Präsenz im Augenblick auch ein bißchen ausweiten.

 

Wer dem Gefühl im Jetzt zu sein etwas abgewinnen kann, der findet auf dieser Homepage noch viele Übungen und Meditationen, die ihn mit dem Augenblick verbinden.

 

 

 

 

 

 

 

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