"Über den Anstand in schwierigen Zeiten, und die Frage, wie wir miteinander umgehen" von Axel Hacke

13.02.2018

In meiner Reihe an Büchern zum Thema Achtsamkeit tauchen immer wieder Werke auf, die oberflächlich gar nichts mit Achtsamkeit zu tun haben. Axel Hackes "Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen" ist eines dieser Bücher.

 

Axel Hacke hat in seinem Buch ein ganzes Stimmungsbild unserer Gegenwart zusammen gefaßt - von Shitstorms auf Facebook, über die Radikalisierung von politischen Ansichten, dem Gefühl von Ohnmacht gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen, dem Aufstieg rechter Parteien, der Stimmung gegenüber Ausländern, und vielem mehr. 

 

Axel Hacke macht das auf eine Art und Weise, die in Beziehungssituationen so genau hinschaut, daß man durch das Buch tiefere Einblicke in Entwicklungen bekommt, die einen sonst oft ratlos hinterlassen. Dabei schaut er auch schonungslos offen auf sich selbst - stellt seine eigenen Ansichten infrage, beschäftigt sich mit seinen eigenen widerstreitenden Gefühlen, und hat so ein sehr ehrliches, schlaues Buch geschrieben, das auf die Frage wie wir mit Anstand leben können, einige sehr schlaue Antworten findet. 

 

Genau hin schauen, nicht verallgemeinern, Beziehungssituationen und Kommunikation bis ins Kleinste verstehen zu wollen - das hat für mich sehr viel mit einem achtsamen Blick zu tun.

 

Wie in seinen anderen Werken schreibt Axel Hacke auch dieses Buch in der ihm eigenen sympathischen aufrichtigen Art und wie immer hat man bei ihm auch bei ernsten Thema etwas zu lachen. 

 

Axel Hacke kommt in seinem Buch auf sehr schöne Schlüsse, die in der Psychologie des Menschen liegen - oft ganz einfache, aber sehr klare Schlüsse. Jeder will gern gesehen werden. Jeder möchte nützlich sein - so wie er ist. Jeder lebt sein Leben gern mit einem Maß von Sicherheit, möchte gern, daß er sich auf Dinge verlassen kann. Wenn diese Grundbedürfnisse in Gefahr sind oder nicht erfüllt -  und Angst ins Spiel kommt, dann wird es mit der zwischenmenschlichen Kommunikation rauer. Darüber darf man sich dann nicht wundern. Und auch daß die Fähigkeit zu ausgewogener höflicher Kommunikation bei denen abnimmt, die nicht gesehen werden, und bei denen es um ihre Existenz geht. Auch da darf man sich nicht wundern. 

 

Eine der vielen Erkenntnisse von Axel Hacke liegt darin, daß er als Journalist immer wieder in Situationen war, in denen er sich viel Zeit genommen hat  - gerade für die Leute, denen niemand zuhören wollte. Diese Leute wollten auch anfangs nie mit ihm reden - haben ihm nur den Rücken gekehrt, als sie hörten, er sei Journalist. Bis sie gemerkt haben, daß er es ernst meint mit ihnen. Daß er nicht von außen auf sie drauf schaut und seine fertige Meinung schon mit gebracht hat. Dann saß er beispielsweise oft stundenlang mit Leuten in der ehemaligen DDR zusammen, und hat gelernt diese Leute zu verstehen. Ganz einfach weil er ehrlich an ihnen interessiert war.

 

Wenn wir uns nur empören über Entwicklungen in unserer Gesellschaft, statt zuzuhören was die Bedürfnisse der Menschen sind, die sich radikaliseren, dann verpassen wir das Wesentliche.

 

Axel Hacke war schon immer ein Vorbild von mir - mit diesem Buch umso mehr - ein Hochamt der Menschlichkeit.

 

 

 

 

 

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