Intelligente Verschwendung - von Michael Braungart und William Mc Donough

12.04.2019

Intelligente Verschwendung ist kein Buch das mit psychologischen Zusammenhängen zu tun hat. Trotzdem möchte ich es gerne auf dieser Homepage mit aufnehmen.

 

Nach Jahren an Katastrophenmitteilungen, Büchern, Artikeln, Dokumentation über zusammenbrechende Ökosysteme und nicht stoppbare Umweltverschmutzung hab ich im Radio ein Interview mit Michael Braungart gehört - einem deutschen Chemiker, der seit Jahrzehnten mit dem amerikanischen Architekten William Mc Donough zusammen arbeitet. 

 

Michael Braungart sagte Sachen wie: "Wir leben im absoluten Überfluss", wir können doppelt so viele Menschen ernähren wie derzeit auf unserem Planeten leben. Industrielle Produktion zu reduzieren ist nicht notwendig - wir müssen auf nichts verzichten."

 

Denn es gibt für alles eine gute Lösung - "wenn" wir unsere ganzen Produktionswege neu erfinden. Wenn wir alle Produkte so herstellen, daß sie keine Giftstoffe enthalten, und wenn wir aus jedem Produkt das wir herstellen am Ende seines Lebens die Rohstoffe wieder rauskriegen, die wir verbaut haben. 

 

Dann entsteht eine Kreislaufwirtschaft, in der die Rohstoffe ewig reichen, Umweltverschmutzung kein Thema mehr ist, und kein Müll anfällt.  Die Idee ist bestechend einfach.

 

Dann hat Herr Braungart darüber geredet, daß er den Begriff Nachhaltigkeit nicht mag. Denn nachhaltig heißt nur, daß es nicht schlimmer wird als es im Moment schon ist. Doch das reicht in seinen Augen nicht. 

 

Jeder Organismus wie beispielsweise ein Baum ist nicht nur nachhaltig, er gibt dem Planeten noch etwas zurück. Nur die Menschen existieren auf diesem Planeten so, daß sie Ökosysteme zerstören.

 

Keine Utopie

 

Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich Herrn Braungart gut folgen, dachte aber, daß es sich nur um eine Utopie handelt die nicht umsetzbar - die nicht lebbar ist. Und dann hat Herr Braungart erzählt, was das Duo in den letzten Jahrzehnten in dem Bereich tatsächlich umgesetzt hat. Über Industrieprodukte, die allen diesen Vorgaben Rechnung tragen - über Häuser, die nicht nur Niedrigenergiehäuser sind, sondern die darüber hinaus dem Planeten noch etwas zurückgeben obwohl sie technologische Produkte sind.

 

Ich hab erfahren, daß es ein eigenes Gütesiegel für solche Produkte gibt (cradle to cradle), und wie viele Projekte Braungart und Mc Donough über die Jahrzehnte erfolgreich abgeschlossen haben. Was ich hier im Radio gehört habe war keine Utopie, es war Realität. 

 

Im Buch "Intelligente Verschwendung" werden neben der Idee von cradle to cradle eine Unzahl realisierter Projekte vorgestellt die Hoffnung darauf machen, daß es in Zukunft eine Industrie geben kann, die den Planeten nicht mehr schädigt. Wie kann das funktionieren?

 

Werte

 

Es muss dafür "nur" unsere ganze Industrieproduktion einmal neu erfunden werden. Daß das möglich ist haben Braungart und Mc Donough unzählige Male bewiesen. Die Beiden arbeiten nicht nur technisch und ethisch perfekt, die Projekte haben auch eine große Kreativität und Menschlichkeit. Denn die Beiden gehen in ihrer Arbeit nicht von technologischen Grundsätzen, sondern von menschlichen Werten aus. Die Produkte basieren auf den Werten Schönheit, Wahrheit und sozialer Gerechtigkeit über Generationen.

 

Mc Donough fragt sich in seinen Designs: "Wie schaut mein Design aus, wenn mein Wert ist, daß wir alle Kinder von allen Spezies auf der Welt für alle Zeit lieben?" Alles wird diesen Werten unterstellt. Erst wenn diese Werte zu hundert Prozent erfüllt sind, ist es ein cradle to cradle Projekt. So dient die Technik dem Leben - etwas, das mir in der Form völlig neu ist.

 

Obwohl Mc Donough und Braungart ein eigenes Institut für ihr Gütesiegel gegründet haben, obwohl so viele Produkte ihr Gütesiegel tragen, obwohl sich Städte wie Peking an die Beiden wenden, um ihre ökologischen Probleme zu lösen, obwohl es an Hochschulen Lehrstühle für Cradle to Cradle gibt, sind Braungart und Mc Dounough in der breiten Öffentlichkeit bis heute genauso unbekannt wie ihr Gütesiegel.

 

Für mich sind die Beiden in jeder Weise auch menschliche Vorbilder, wenn es darum geht mit unserem Planeten, seinen Ressourcen und der Natur achtsam umzugehen. Dieses beeindruckende Buch ist eine Sammlung vieler erfolgreich umgesetzter Projekte, die Hoffnung geben, daß eine ökologische Wirtschaft möglich ist. Es zeigt, daß es einen Weg gibt Konsum und achtsamen Umgang mit der Umwelt zu verbinden. Er muss nur von genug Leuten gegangen werden.

 

 

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