Ein Weg entsteht, indem man ihn geht

19.09.2018

Dieses Sprichwort hat für mich genauso viel mit Achtsamkeit zu tun wie das Sprichwort "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

 

Wenn wir etwas Neues beginnen sind wir oft voller Elan und begeistert im Angesicht des Zieles. "Diesen Berg möchte ich erklimmen!" 

 

Doch schnell zeigt sich, daß wir die Fähigkeiten nicht haben den Berg zu erklimmen. Wenn wir an dem Punkt unsere kaum vorhandenen Fähigkeiten mit dem großen Ziel in Abgleich bringen, werden wir schnell mutlos. Das paßt so weit nicht zusammen, daß wir Dinge gleich gar nicht probieren, oder nach den ersten Hindernissen schnell wieder abbrechen. Wir sind enttäuscht und haben uns enttäuscht.

 

Je öfter wir das machen, desto mehr fehlt uns der Mut etwas wirklich umzusetzen. Wir verlieren das Vertrauen in unsere Fähigkeit ein großes Ziel zu erreichen. Wir verlieren Selbstvertrauen.

 

Beim nächsten großen Ziel trauen wir uns nicht mehr viel zu. Wenn wir auf dem Weg an etwas scheitern, sehen wir es schnell als Beweis, daß wir etwas nicht können, und das führt wiederum dazu, daß wir weniger Mut haben.

 

Doch im Gehen des Weges können wir auch eine Haltung finden, in der wir uns nicht ständig mit denen vergleichen, die viel großartiger und fähiger sind als wir, weil sie den Weg schon gegangen sind. Und eine Haltung, in der wir zustimmen daß es natürlich ist, Dinge am Anfang des Weges nicht zu können und nicht zu wissen. Weil es in der Natur der Sache liegt.

 

Egal wo wir stehen - der nächste Schritt ist oft leichter als wir glauben

 

Ein Weg entsteht, in dem man ihn geht. Schritt für Schritt. Im Vertrauen darauf, daß sich im Gehen der weitere Weg findet. Mit Geduld und in dem Wissen, daß einen jeder Schritt ein bißchen näher zum Ziel bringt.

 

Vertrauen heißt in dem Fall, daß ich mit jedem Schritt Vertrauen in den nächsten Schritt finden kann. Wenn ich genug Schritte gemacht habe, finde ich mich auf einmal deutlich näher zum Gipfel des Berges wieder, und das was ich schon geschafft habe motiviert mich weiter zu machen. 

 

Wenn wir so auf ein großes Ziel zu gehen, ist jeder Schritt sinnvoll - sei er auch noch so klein. Denn er ist ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Es gibt keine große Sache, kein großes Ziel in unserem Leben, das wir anders erreichen. Jeder von uns ist in Bezug auf "das große Ziel" ein Anfänger - sonst wäre es kein großes Ziel. Jeder Meister hat als Anfänger begonnen.So muß jeder von uns immer wieder erst das lernen was dazu gehört, um den nächsten Schritt zu machen - und ultimativ irgendwann das Ziel zu erreichen.  Jeder von uns muß solange Fehler machen, bis er es gelernt hat. 

 

Wer mit Geduld und Vertrauen auf den nächsten Schritt vorangeht, bleibt mit dem Ziel immer verbunden, und es ist sehr wahrscheinlich, daß er es irgendwann erreicht.

 

Stetigkeit, Vertrauen, Geduld, Anfängergeist, und die Erkenntnis, daß Fehler gut sind, weil ich durch sie lerne wie ich den nächsten Schritt besser mache, sind die Haltungen, die es für eine große Aufgabe braucht. 

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

 

Es bringt uns keinen Schritt weiter, wenn wir jahrelang davon träumen Klavier spielen zu können, und uns nie an ein Klavier setzen.

 

Ohne den ersten Schritt wird der Berg nie begangen.

 

Jeder kennt das von sich. "Ich möchte laufen gehen!" Wie schön ist es, sich die motivierenden Artikel darüber durch zu lesen. Bilder von Leuten zu sehen, die einen Körper haben, den man auch gern hätte. Wie schön ist es, sich tolle Sportkleidung zu kaufen in der man schon sportlich aussieht, bevor man einen Meter gelaufen ist.  Doch damit ist man noch keinen Zentimeter des Weges gegangen. 

 

Wenn ich am ersten Tag nur 100 Meter weit laufe, bringt mich das meinem Ziel schon näher als alle Gedanken die ich mir vorher gemacht habe.

 

Welche Rituale haben die Leute, die den Weg schon gegangen sind? Was sind die ersten Schritte, die ich setzen kann? Wie kann der nächste Schritt in Richtung meines Ziels zu einer täglichen Routine werden, mit der ich immer in Verbindung bleibe?

 

Woher kommt die Motivation am Weg?

 

Die Motivation am Weg kommt nur zu einem Teil daraus, daß ich meinem Ziel näher komme. Die Motivation kommt, wenn ich stolz auf das Stück des Weges bin, das ich schon geschafft habe.  Darauf, daß ich die Fehler, die ich am Anfang gemacht habe nicht mehr mache, sondern andere - neue. Die Motivation kommt nicht aus dem Vergleich mit jemandem, der ein Super Läufer ist. Die Motivation kommt aus dem Vergleich mit mir selber bevor ich den ersten Schritt gemacht habe. Und dem was ich seitdem gelernt habe. Wenn ich dort hinschaue kann ich nur gewinnen. 

 

Ich möchte kein Fleisch mehr essen - schaffe es aber nicht. Und weil ich das trotz mehrmaligen Anlaufs nicht geschafft habe, gebe ich es auf. Aber was ist, wenn ich mit mir selber ausmache, daß ich nur einen Tag in der Woche kein Fleisch esse? Als nächsten Schritt drei, dann vier, und so weiter? Muß ich mich dann auf dem Weg moralisch dafür verurteilen, daß ich noch nicht am Ziel bin? 

 

Nein, denn ich bin meinem Ziel näher gekommen. Jeder Schritt in die richtige Richtung bringt mich meinem Ziel näher. 

 

Stetigkeit und Regelmäßigkeit sind wichtig

 

Ich kenne einen jungen Mann, der mit dem Brustton der Überzeugung von sich behauptet, daß er täglich meditiert. Er hat mir erzählt, wie gut ihm das tut. Wow, dachte ich mir - hier ist ein Vorbild. Dann hat er mir gesagt, daß er täglich genau eine Minute meditiert. Erst mußte ich lächeln, doch heute ist er wieder ein Vorbild für mich. Denn er geht jeden Tag stetig einen Stück des Weges. Und das ist ein Garant für Erfolg. Wenn wir täglich mit unserem nächsten Schritt in Verbindung sind, wird das Gehen des Wegs ein Teil unserer Identität. Ein Teil dessen wer wir sind und mit dem wir uns identifizieren. 

 

Es ist besser jeden Tag eine Minute zu meditieren als gar nicht. Wenn ich das schaffe, gibt mir der Erfolg Vertrauen darin, daß ich auch zwei Minuten meditieren kann.

 

Vielleicht gelingt es mir anfangs nur ganz selten achtsam zu sein. Statt sich dafür Vorwürfe zu machen, kann ich aus meiner Sicht  stolz auf die Momente sein, in denen es mir gelungen ist achtsam zu sein. Denn diese Momente hatte ich vorher vielleicht gar nicht. 

 

Jedes große Ziel unterteilt sich in viele kleine Ziele die ich erreichen und gut halten kann. Wenn ich von dort weiter gehe, starte ich schon nicht mehr vom Anfang. Wann immer das Gefühl habe, die Aufgabe wird mir zu groß, mache ich meine Schritte kleiner und gehe den nächsten Schritt.

 

Wenn man stolz auf das Stück des Weges ist, das man schon geschafft hat, macht man gerne in Neugierde den nächsten Schritt. So kann jeder von uns das Unbekannte erschließen und dabei wachsen.

Übung

 

Wo gibt es in deinem Leben ein großes Ziel, das du vor Augen hast? Was ein großes Ziel ist, bestimmst nur du - denn es ist ein großes Ziel für dich.

 

"Als sie ihr Ziel aus den Augen verloren hatten, konnten sie ihre Anstrengungen verdoppeln" ist ein Zitat von Mark Twain.

 

Nur wenn wir unser Ziel genau kennen, und wissen, was es uns bedeutet, gehen wir den Weg in der richtigen Richtung.

 

Warum will ich mein Ziel erreichen?

 

Wenn dir klar ist, warum du den Weg gehst, wirst du auf dem Weg immer wieder den nächsten Schritt finden, der zum Warum paßt. Das Warum ist das, was dein Herz höher schlagen läßt, wenn du an das Erreichen des Ziels denkst. Das Warum ist das, was du menschlich damit verbindest, das Ziel zu erreichen. Wenn dir das Warum klar ist, hast du bei jeder Weggabelung einen Kompaß, in welche Richtung du weiter gehen möchtest.

 

Nimm dir die Zeit, die folgenden Fragen für dich zu beantworten:

 

Was verbindest du mit deinem Ziel?

 

Warum ist es dir wichtig?

 

Welche Werte sind mit dem Ziel für dich verbunden?

 

Womit soll dich das Erreichen des Ziels verbinden?

 

Wer möchtest du sein, wenn du dein Ziel erreicht hast?

 

Der erste Schritt

 

Überlege dir welche konkreten Schritte - welche Handlungen du setzten kannst, um den Weg zu deinem Ziel tatsächlich zu gehen. Was jetzt in deiner Reichweite ist, wo du lernen und wachsen kannst. 

 

Werde dir dann klar, was dein erster Schritt ist. Und wenn es ist, daß du dich nach Jahren des geheimen Wunsches französisch lernen zu wollen in einem Französischkurs anmeldest.

 

Es ist ein erster Schritt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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