Schlechte Nachrichten

11.01.2018

Schlechte Nachrichten als Überschrift läßt einen gleich aufhorchen. Was ist passiert?  Ist jemand gestorben? Betrifft mich das?

 

Ich möchte heute in meinem Beitrag über das schreiben, was wir alle als Nachrichten kennen. Eine Aneinanderreihung von negativen Nachrichten, die uns den Eindruck vermitteln, die Welt stehe sicher nicht mehr lang. Wir erfahren jeden Tag wo es Unfälle gab, wer wen umgebracht hat, wo Kriege, Hungersnöte und Erdbeben sind.

 

Wir fühlen uns ohnmächtig

 

Die Art und Weise, wie wir diese Nachrichten präsentiert bekommen läßt uns ohnmächtig zurück. Erschlagen davon, daß die Welt in der Krise ist - anscheinend überall. Und wie gering unsere Handlungsmöglichkeiten sind.

 

Diese Art der Nachrichten hat sich international durchgesetzt - nicht zuletzt, weil unsere Psyche die Welt nach Gefahren scanned, und wir Gefahren fünfmal so stark wahrnehmen wie positive Dinge. Das führt ganz einfach dazu, daß sich Medien mit schlechten Nachrichten besser verkaufen. Journalismus weltweit hat sich in diese Richtung entwickelt.

 

Doch nicht nur scannen wir die Welt nach Gefahren. Was eine Gefahr darstellt, bleibt auch fünfmal stärker in unserer Psyche hängen als gute Nachrichten. Wenn man das ernst nimmt, wird klar was Nachrichten mit unserem Weltbild machen.

 

Wir haben in Österreich einen Wahlkampf hinter uns, indem das Thema Sicherheit mit wahlentscheidend war. In einer Zeit, die sicherer ist - in Österreich und weltweit, als jede andere Zeit in der Geschichte. Es gab in den letzten Jahrzehnten noch nie so wenige Opfer von Terrorismus weltweit und noch in keinem Jahr sind weniger Leute in Kriegen oder an Hunger gestorben wie 2017.

 

Verzerrte Wirklichkeit

 

Doch unser Gefühl sagt uns genau das Gegenteil. Wir sind in einem konstanten Alarmzustand, einer konstanten Anspannung, weil die Welt - wenn man den Nachrichten glaubt - voller Katastrophen ist. 

 

Die Welt ist voller Katastrophen, aber sie ist auch voll von positiven Entwicklungen. Nur weil Journalismus es sich nicht zur Aufgabe macht, über sie zu berichten, scheinen sie nicht zu existieren. Und damit fehlt der Teil der positiven Nachrichten in unserem Weltbild.

 

Nachrichten berichten von Natur aus über Ereignisse, die selten sind. Sonst wären es per Definition keine Nachrichten. Dadurch entsteht aber der Eindruck, daß das was selten passiert alltäglich ist. Und das vermittelt uns ein falsches Weltbild.

 

Wir erfahren in den Nachrichten nichts darüber, wo gute Lösungen die Menschheit in eine gute Richtung bewegen.

 

Daß in Indien ein Bus über eine Klippe gestürzt ist und 30 Leute dabei gestorben sind, scheint relevanter zu sein.

 

Paul Reiser hat einmal geschrieben, daß er keine Nachrichten mag.  Warum sollte er lesen wollen,  daß gestern ein Bus in Indien abgestürzt ist. Er kann ja nichts mehr tun. Wenn in der Zeitung stünde, daß morgen ein Bus in Indien über eine Klippe stürzt, würde er sofort anrufen und den Leuten sagen, daß sie nicht in den Bus einsteigen sollten. Dann würde er das gerne lesen.

 

Konstruktiver Journalismus

 

Es gibt Hoffnung! Es gibt eine internationale Bewegung für konstruktiven Journalismus. Konstruktiver Journalismus berichtet auch über die Katastrophen, die passieren. Aber konstruktiver Journalismus fokussiert auf eine Berichterstattung, die über gute Lösungen und positive Entwicklungen genauso berichtet. Konstruktiver Journalismus berichtet ausgewogen und zeigt das ganze Bild.

 

Alles was das ganze Bild beinhaltet wirkt konstruktiv, alles was das ganze Bild nicht beinhaltet wirkt destruktiv. Das ist ein Grundprinzip in unserem Universum. Und so ist Journalismus in den letzten Jahren Teil einer destruktiven Spirale geworden, die den Eindruck, daß es mit unserer Welt bergab geht befördert und beschleunigt. 

 

Ich stelle hier drei links zur Verfügung, die mich sehr beeindruckt haben. Sie zeigen, wie sehr unsere Realitätswahrnehmung über Arbeitslosigkeit, den Zustand der Wirtschaft, Verbrechen, Ausländeranteil, usw. mittlerweile davon abweicht, was die tatsächliche Realität ist. In all diesen Bereichen ist die Entwicklung in den letzten Jahren statistisch positiv und gleichzeitig unsere Wahrnehmung von der Situation katastrophal schlecht. Wir leben tatsächlich in einer besseren Welt als jemals zuvor.  Aber wir wissen es nicht mehr, weil Nachrichten unser Weltbild in diesen Fragen mittlerweile mehr prägen als unsere eigene Wahrnehmung.

 

Hier der link zur Homepage von constructive institute.org

Ein Kurzfilm, der sehr beeindruckend auf den Punkt bringt, warum es konstruktiven Journalismus braucht.

Und ein Vortrag, der in der Tiefe über die Entwicklung spricht.

 

Gute Nachrichten

 

Konstruktiver Journalismus heißt nicht "Gute Nachrichten" zu bringen. Das würde die Wirklichkeit auch nicht abbilden und wäre genauso einseitig und unbefriedigend. Denn wir wüßten immer, daß es da noch etwas anderes gibt, das uns nicht erzählt wird. Und das würde das Vertrauen in gute Nachrichten genauso erschüttern, wie unser derzeitiges Vertrauen in Journalisten, die nur negative Nachrichten bringen.

 

Die gute Nachricht ist, daß sich herausstellt daß positiver Journalismus funktioniert. Er wird von den Leuten angenommen. Medien, die in Skandinavien auf konstruktiven Journalismus umgestellt haben, sind mittlerweile die erfolgreichsten und beliebtesten Medien im Land. Das Vertrauen der Konsumenten in diese Art der Nachrichten ist gewachsen. Sie schauen Nachrichten jetzt tatsächlich wieder gerne und empfinden sie als positive Bereicherung ihres Lebens.

 

Und das Vertrauen in den Beruf des Journalisten ist damit wieder gestiegen. Die Journalisten kommen in Kontakt damit, daß sie ja schließlich den Beruf aus idealistischen Gründen gewählt haben - um der Menschheit zu dienen. Und diesen idealistischen Teil können sie jetzt auch leben - ohne dabei das was auf unserem Planeten nicht gut läuft, auszublenden.

 

Die guten Nachrichten sind also: Konstruktiver Journalismus ist erfolgreicher als negativer Journalismus. Wenn sich konstruktiver Journalismus durchsetzt, wird sich unser aller Weltbild ändern, und wir werden als Gesellschaften wieder damit in Kontakt kommen, in welcher Wirklichkeit wir wirklich leben.

Übung

 

Die Achtsamkeitsübung, die sich an diesen Artikel anschließt ist eine ganz Einfache. Es geht darum einen Monat ohne Nachrichten zu leben. Ganz bewußt den Fernseher oder das Internet nicht zu öffnen, um Nachrichten zu schauen. Alle Morde, alle Umweltskandale, alle Korruption, alle Verbrechen einmal für einen Monat existieren zu lassen, ohne daß wir von ihnen erfahren.

 

Was passiert mit unserem Bild von Realität? In welcher Welt leben wir dann? Was passiert mit unserem Gefühl von Ohnmacht? Wie viel Verbrechen, Skandale, Katastrophen, Korruption, Betrug erleben wir, wenn wir nur in unserer eigenen Welt leben? Was passiert, wenn die Wahrnehmung der Welt in der wir leben durch unsere eigene Wahrnehmung bestimmt wird, und nicht durch Medien.

 

Der Unterschied ist signifikant. 

 

Wenn wir danach Nachrichten wieder in dem Bewußtsein nutzen, wie sie unsere Wahrnehmung beeinflussen, werden wir Nachrichten anders nutzen. 

 

Und vielleicht setzen ja auch im deutschsprachigen Raum ein oder zwei Redaktionen auf konstruktiven Journalismus, sodaß wir in Zukunft auch bei uns die Möglichkeit haben Nachrichten zu hören, zu sehen, und zu lesen, die uns ein Bild der Wirklichkeit vermitteln wie sie ist. 

 

 

 

 

 

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