Entscheidungen richtig treffen

31.12.2017

Entscheidungen kosten uns oft viel Energie und meist treffen wir sie in einem Gefühl, indem wir irgendwann zu dem Punkt kommen, an dem wir sagen "Augen zu und durch".

 

Entscheidungen zu treffen bleibt am Ende des Tages ein intuitiver Prozeß, in dem irgendwer oder irgend etwas in uns zu einer Entscheidung findet. Ich möchte hier ein Modell anbieten zu Entscheidungen zu kommen, das auf dem Gleichgewicht zwischen Hirn, Herz und Körper beruht.

 

Wenn man Entscheidungen nach diesem Modell anschaut, weiß man nachher recht bewußt, warum man sich so oder so entschieden hat, und man bekommt noch Hinweise darauf, was es braucht, um eine Entscheidung dann auch gut in der Realität umsetzen zu können.

 

Die Idee ist, die Entscheidung in Herz, Verstand und Körper aufzuteilen, und die drei Aspekte dann zu einem Ganzen zusammen zu führen.

Wir meinen oft, daß unser Verstand uns zu vielen Entscheidungen führt - doch sind ganz andere Prozesse dominant - und sie entscheiden letztendlich auch darüber, ob etwas in uns die Umsetzung boykottiert oder nicht. Denn der Verstand hat für den Erfolg nur eine untergeordnete Rolle. 

 

Herz

 

Die Dinge, Menschen, Aufgaben, Ideen, die uns begeistern -  die Dinge zu denen wir lächeln können, wo wir spüren, daß wir Energie und Freude kriegen, wenn wir dran denken - diese Dinge sind die, zu denen unser Herz ja sagt. 

 

Wenn sich unser Herz zu etwas hingezogen fühlt, erkennt es etwas, zu dem es eine tiefe Beziehung hat. Wir fühlen uns verbunden. Es hat etwas mit uns zu tun. Vor allem, wenn wir eine Entscheidung treffen, die uns längere Zeit begleitet - Berufsausbildung, Partner, ein Umzug, etc. - ist die Herzensebene enorm wichtig. 

 

Denn alle größeren Entscheidungen führen uns auf Wege, die nicht gerade gehen - auf denen wir Umwege gehen müssen, auf denen wir durchhalten müssen, und bei denen wir merken, daß unsere ursprüngliche Vorstellung oder Erwartungshaltung naiv waren. Denn ein Weg entsteht erst, indem man ihn geht. Und erst im Gehen merkt man, welches Leben sich aus der Entscheidung entwickelt, und was wirklich dazu gehört.

 

Wenn wir begeistert sind, wenn unser Herz Ja sagen kann, ist das die größte Garantie dafür, daß wir eine Sache auch dann durchstehen, wenn es schwierig ist. Denn wir können uns auch in schwierigen Zeiten noch mit diesem Gefühl verbinden - auch wenn wir gerade nicht hinkommen.

 

Doch das Herz kann nicht denken, und es weiß nicht so viel über Ängste, die mit einer Sache verbunden sind. Also ist eine Entscheidung, die nur vom Herzen getroffen ist noch keine gute Entscheidung. Wird eine Entscheidung nur mit dem Herzen getroffen, werfen wir uns vielleicht mit großer Begeisterung in eine Sache, um kurz später erfolglos zu stranden - weil der Verstand sich vieles nicht angeschaut und geplant hat.

 

Wenn das so geschieht, geben wir vielleicht auch noch unserem Herzen die Schuld, und beginnen ihm weniger zu vertrauen. Und das wäre schade. Denn unser Herz ist mit unserer Lebensenergie verbunden. Wenn wir unserem Herz folgen können und dabei den Verstand und den Körper mit einbinden können, sind wir lebendig und freuen uns am Leben.

 

Verstand

 

Was wir in einer Entscheidungsfrage "denken", das nimmt unser Bewußtsein oft am deutlichsten wahr. Mit zunehmender Achtsamkeitspraxis nimmt der Anteil des Denkens in unserem Bewußtsein seinen angemessenen Platz ein - als ein Teil neben anderen. Herz und Körper rücken mehr ins Bewußtsein.

 

Der Verstand ist - wie Herz und Körper - ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Entscheidung. Und der Verstand funktioniert dort besonders gut, wo er sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzt, mit Fakten - und nicht mit Spekulationen. Doch genau für Spekulationen setzen wir ihn oft ein.

 

Wir beleuchten eine Entscheidung mit Verstand gern aus der Perspektive der Vergangenheit oder stellen uns mit seiner Hilfe eine Zukunft vor. Wir gehen zurück in unsere Geschichte und schauen, wie es uns in ähnlichen Situationen gegangen ist, oder wir denken sozusagen Jahre voraus, wie unser Leben durch diese Entscheidung aussehen und sich anfühlen wird.

 

Beim Zurückdenken in die Vergangenheit stoßen wir auf Ängste und Muster, und wenn wir uns in Zukunftsvorstellungen verlieren, gehen wir auf eine Fantasiereise. Wenn das passiert, dann passiert das, und wenn das passiert, passiert das. Unsere Vergangenheit ist in Bezug auf jetzige Situationen oft kein guter Ratgeber. Unsere Zukunft können wir nicht vorausdenken. Auf eines können wir uns verlassen - es werden auf unserem Weg andere Dinge passieren, als sich unser Verstand jetzt vorstellen kann. 

 

Wie setze ich meinen Verstand gut ein?

 

Wenn wir unseren Verstand damit beauftragen zu schauen, wo wir stehen, wie weit wir von dem Ziel entfernt sind, das wir mit der Entscheidung verbinden, und was es alles braucht, um dort hinzukommen - welche Ressourcen wir haben, und wie wir die ganze Situation beurteilen können - dann wird unser Verstand großartige Ergebnisse ausspucken. Denn er kann alle diese Verbindungen machen. Wenn sich unser Bewußtsein dann noch damit zurückhält, die Ergebnisse des Verstands zu werten, oder mit Erwartungshaltungen zu verknüpfen, dann ist unser Verstand optimal genützt.

 

Dann wissen wir was es braucht, um ein Haus zu bauen - wie viel wir noch sparen müssen, um einen Kredit zu kriegen, wer uns helfen kann, wann es vernünftig ist anzufangen, wo wir am besten bauen...

 

Der Verstand ist in der inneren Ordnung der Diener des Herzens. Wenn beide vom Bewußtsein mit Achtung angenommen werden, sind sie ein großartiges Tandem. 

 

Das Herz kennt keine Geduld - es lebt im Jetzt und ist wie ein Kind. Wenn es alleine entscheidet, läuft es schon los, und baut, auch wenn gar nichts geklärt ist. Wenn nur der Verstand ein Haus baut, wird es vielleicht schnell fertig, aber wir kommen dann erst drauf, daß wir nicht gern drin leben wollen.

 

Wenn das Bewußtsein Herz und Verstand in gleichem Maß achten und halten kann, kann das Bewußtsein dem Herz auch vermitteln, daß die Schritte, die durch die Gedanken notwendig werden, schon zum Hausbau gehören. Dann ist die Extraarbeit, die man vielleicht annimmt, um den nötigen Kapitalstock zu bekommen für das Herz schon ein Teil des Hausbaus - und so verliert es seine Freude nicht.

 

Körper

 

Unser Körper ist der klarste Informationsträger in Bezug darauf, wie es uns mit Dingen geht. Wenn es uns mit etwas gut geht, entspannt er sich - wenn es uns mit etwas nicht gut geht, spannt er sich an. Feuchte Hände, eine enge Kehle, ein gedrückter Brustraum, weiche Knie, usw. Man kann praktisch durch den ganzen Körper gehen, und wird fast jedem Körperteil eine Reaktion auf die Anspannung zuordnen können.

 

Mit dieser Körperreaktion geht auch ein Gefühl von Freiheit, Flexibilität oder Enge und Starre einher. Je länger wir uns in Achtsamkeit üben, desto mehr wird uns auch unser Körper bewußt - und wir können das Körpergefühl daher auch "bewußt" mit in die Entscheidung einbeziehen.

 

Das Körpergefühl ist ein unmittelbarer und unbestechlicher Indikator dafür, wo in Bezug auf eine Sache Ängste in uns sind, und wo wir uns nicht wohlfühlen. Er hat die Information, mit wie vielen Dingen wir bei einer Entscheidung in Konflikt sein werden. Und das wiederum ist ein Indikator dafür, wie leicht wir eine getroffene Entscheidung umsetzen können.

 

Der Körper ist in gewisser Weise der Antipode zum Herzen. Die Information, die der Körper hat, ist mächtig, und egal wie Herz oder Verstand entscheiden, der Körper entscheidet letztendlich immer über Erfolg und Mißerfolg. Daher ist es so wichtig, den Körper mitzubefragen. 

 

Konflikt und Körper

 

Bei allen Dingen die zur Ausführung einer Entscheidung gehören, die wir angespannt erleben, werden wir ein Stück  von uns selbst abgeschnitten. Von unseren Gefühlen, von der Wirklichkeit wie sie ist, und von unserem Gegenüber. Wir gehen aus dem Kontakt mit der Situation und kommen in Konflikt mit uns selber und mit dem Gegenüber. 

 

Jeder kennt das Gefühl mit Begeisterung in eine Sache rein zu gehen, sich alles gut überlegt zu haben - und dann gibt es etwas in uns, daß die Sache boykottiert. Was wir auch wollen, wie begeistert wir auch sind, und wie gut wir auch denken - es hilft nichts - wir unterliegen dem inneren Boykott.

 

Dieser Prozeß kostet ungeheuer Energie. Wenn er sich öfter wiederholt, führt er zu Frustration, Resignation, und einem Verlust der Lebensfreude. Daher ist es auch so wichtig, den Körper mit einzubeziehen, wenn eine Entscheidung gut umgesetzt werden soll.

 

Die Lösung im Körper

 

Unser Körper ist immer im jetzt. Er ist immer mit dem Augenblick verbunden. Die Reaktion des Körpers als Wirklichkeit zu achten ist ein wichtiger Schritt. Zu erkennen, daß der Körper Information über die Dinge kommuniziert, die uns in der Tiefe bewegen, und die alle unsere Handlungen beeinflussen.

 

Wenn wir das was unser Körper uns mitteilt ernst nehmen, wissen wir wie groß unsere Erfolgschancen in der Umsetzung einer Sache sind. Wenn diese Signale positiv sind - Entspannung - gut.

 

Die Anspannung unseres Körpers hingegen weist auf ein inneres Nein hin. Wenn es auftaucht ist es wichtig sich ihm zu widmen. Noch bevor wir das Haus mit Begeisterung und Verstand bauen. 

 

Die gute Entscheidung

 

Für die Findung der guten Entscheidung ist in diesem Eintrag vordringlich eines wichtig. Wenn wir erkennen wie grundlegend die Körperreaktion für eine gute Umsetzung ist, dann kann unser Bewußtsein diese Reaktion gut in die Gesamtentscheidung mit einfließen lassen. Es hat eine Information darüber, wie Herz, Verstand und Körper zueinander stehen.

 

Wenn alles gut gewichtet ist, kann man auf seine Entscheidung vertrauen, und kann sich gegebenenfalls auf die Reise machen heraus zu finden, wie man große Nein's in sich, die sich ja immer nur auf bestimmte Aspekte einer Entscheidung beziehen, in ein Ja transformiert.

Wenn das gelingt, steht der Umsetzung nichts im Wege.

 

Konflikt gehört immer dazu

 

Zu jeder Entscheidung gehört ein Maß an Anspannung - wir gehen ja auf etwas Unbekanntes zu. Das macht ohnehin schon mal Angst. Wir wissen noch nicht, wie wir uns in den Situationen, die auf uns zukommen bewähren werden. Auch das sorgt für Anspannung. Und natürlich sind wir alle keine Heiligen, die nur entspannt durchs Leben gehen können. Anspannung gehört auch zu aufregenden Situationen dazu - sie ist nicht per se schlecht. Das ist mir wichtig am Ende dieses Eintrags zu schreiben. Wie wir es auch drehen und wenden - jeder Schritt ins Unbekannte wird mit innerem und äußeren Konflikt verbunden sein.

 

Daher ist die Bewertung der Körperreaktion auch in diesem Kontext zu sehen. Der Körper legt nicht einfach einen Schalter um und blockiert uns. Aber wenn wir merken, daß es einzelnen Themen, Menschen, Situationen gibt, die uns immer wieder stark in Anspannung bringen, ist es wichtig dort hinzuschauen.


Dabei ist es gut, in der Situation genau und mit Achtsamkeit hin zu schauen. In vielen schwierigen Situationen verlieren wir die Übersicht und empfinden auf einmal alles als schwer und belastend. 

 

Wenn es uns gelingt, uns zu sammeln, und in Achtsamkeit genau hinzuschauen, dann stellen wir vielleicht fest, daß es uns mit den vielen Aspekten in der Umsetzung sehr gut geht - daß es aber ein oder zwei Dinge gibt, die uns immer wieder zum Stolpern bringen. Ein oder zwei Aspekte, in denen das Nein in uns so groß ist, daß es alles andere gleich mit boykottiert.

 

Wenn wir genau hinschauen und das Bewußtsein Herz, Verstand und Körper in gleicher Weise achtet, haben wir die Chance die Dinge mithilfe unseres Bewußtseins wieder zu ordnen. So bleiben wir immer mit uns verbunden und handlungsfähig.

Übung

 

Der ganze Eintrag ist eine Einladung, sich anzugewöhnen bei wichtigen Entscheidungsprozessen ganz bewußt Herz, Verstand und Körper in den Blick zu bringen. Jeden der drei einzeln zu betrachten. Es ist gleichzeitig eine Einladung das genau und gewissenhaft zu machen.

 

Denn die Zeit, die wir uns für den Prozeß nehmen, läßt uns mit größerem Selbstbewusstsein in die Umsetzung einer Entscheidung gehen. Gleichzeitig bekommen wir eine Orientierung was es braucht, damit wir eine Entscheidung auch erfolgreich umsetzen können.

 

 

 

 

 

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