Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari

21.12.2017

Eine kurze Geschichte der Menschheit ist ein faszinierendes Buch, das die gesamte Geschichte der Menschheit aus einer interessanten Perspektive neu erzählt.

 

Und zwar aus der Perspektive, daß der Mensch sich durch eine einzigartige Fähigkeit  in großen Gruppen organisieren kann - dadurch, daß er eine gemeinsame Geschichte schafft - eine Religion, einen Mythos, eine Ideologie, ein Welterklärungsmodell, das möglichst viele Menschen als gültiges Modell der Welt und des Zusammenlebens akzeptieren.

 

Dabei lösen sich Religionen und Ideologien nicht zufällig ab. Wenn es in der Weise wie wir zusammen leben und unser Leben organisieren große Umbrüche gibt, findet die alte Ideologie oft nicht mehr die richtigen Antworten um das Zusammenleben gut zu organisieren.

 

So sind die monotheistischen Religionen zu einem Zeitpunkt entstanden als durch den Ackerbau und die damit einhergehende Seßhaftigkeit die Organisation vieler Menschen an einem Ort notwendig wurde. 

 

Das Gleichheitsprinzip nomadischer Gesellschaften wurde in ein hierarchisches Prinzip umgewandelt. Ganz einfach, weil dadurch große Gruppen von Menschen organisierbar wurden. Es gab einen Gott - und es gab einen Herrscher, der sich oft als Gott gleich oder als sein Vertreter präsentiert hat. Sein Wort war das Gesetz, dem sich alle anderen unterordnen.  Diese hierarchischen Strukturen bestimmen bis heute unser Zusammenleben. 

 

Die Religionen wurden im Lauf der Geschichte abgelöst durch neue Geschichten - den Glauben an die Naturwissenschaften, an das mechanistische Bild des Universums, an den Humanismus, den Individualismus, den Kommunismus, den Kapitalismus und den heute so weit verbreiteten Konsumismus.

 

Das Buch findet sich auf dieser Homepage, weil es sehr eindrucksvoll zeigt, wie sehr die Ausrichtung unseres Bewußtseins nach Ideologien und Glaubensvorstellungen unsere Sicht der Welt prägt. Und wie sehr sich die Welt verändert, in dem Moment, in dem eine alte Ideologie von einer neuen abgelöst wird. Unser kultureller Glaube wirkt dabei auch wie Scheuklappen, die uns von unserer eigenen Wahrnehmung ein gutes Stück abschneiden. 

 

"Eine kurze Geschichte der Menschheit" hat tatsächlich mein Weltbild verändert, weil es mich damit in Verbindung gebracht hat, wie relativ das ist, was wir für unverbrüchliche Wirklichkeit halten. Nachdem ich das Buch gelesen habe bin ich viel wacher geworden dafür was Ideologie und was wirkliche Menschlichkeit und menschliches Bedürfnis ist.

 

Bert Hellinger hat einmal den Satz gesagt: "Man muß sich immer irgendwann entscheiden zwischen Ideologie und Menschlichkeit."

 

Dieser Satz ist mir immer hängen geblieben. Religionen und Ideologien sind hierarchische Glaubenssysteme, die den Einzelnen letztlich nicht im Blick haben. Sie bieten eine Interpretation der Wirklichkeit, erheben sie zu einer allgemein gültigen Weltanschauung, und haben auch immer ein Machtinteresse.

 

Letztlich ist es auch das was mich an der Achtsamkeit angezogen hat - sie ist unideologisch. Sie bringt uns in Kontakt mit der Wirklichkeit wie sie ist, und in Kontakt mit unserer eigenen Wahrnehmung in Bezug auf unsere ureigensten menschlichen Bedürfnisse. Die Achtsamkeit hat keine Regeln und schließt niemanden aus - sie begegnet der Welt nur in einer Haltung, die dem Leben dient. Dem Leben aller, und nicht nur dem Leben derer, die Achtsamkeit praktizieren.

 

Seine Wurzeln hat Achtsamkeit dabei in der Weltanschauung des Buddhismus, der keine Religion, sondern spirituelle Übungspraxis ist.

 

Auf meiner Zitatseite befindet sich das Zitat "Religion ist der Glaube an die Erfahrung eines anderen, Spiritualität ist selber Erfahrungen zu machen."

 

In diesem Sinne - ein sehr Augen öffnendes Buch und zudem sehr unterhaltsam geschrieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

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