Die Lösung aus der Wut

18.12.2017

Wut entsteht als innere Reaktion auf die eigene Verletztheit.

 

Das Gefühl der Verletztheit löst in uns ein Gefühl der Ohnmacht aus, und wir wollen es daher nicht haben. Wir wollen mit dem Gefühl der Ohnmacht nicht in Kontakt sein. Daher spalten wir uns vom wirklichen Gefühl, dem Schmerz und der Traurigkeit durch die Verletzung ab.

 

Denn unser inneres Bild ist - wenn wir uns damit zeigen, gehen wir unter. So versuchen wir in der Wut eine Grenze zu erzeugen, denn was die Wut auslöst, hat unsere Grenze verletzt.

 

In der Wut verlieren wir Beziehung

 

Es heißt nicht umsonst blinde Wut, denn wir sind in der Wut für unsere tiefer liegenden Gefühle blind. Die Wut vereinnahmt uns als Ganzes.

 

Wir sind außer uns vor Wut und nicht in Kontakt mit unserem eigenen Gefühl der Verletztheit - und dadurch auch nicht in Kontakt mit dem Gegenüber, weil wir uns in unserer Verletztheit nicht zeigen.

 

Stattdessen versuchen wir unsere Grenze zu wahren, indem wir versuchen uns größer zu machen, und dadurch unsere Wunde auch vor dem anderen zu verstecken.

 

Die Abgrenzung erfolgt über Aggression.  Wir fühlen uns als Opfer, das das Recht hat zurückzuschlagen. 

 

Wut erzeugt Wut

 

Wut löst im Gegenüber meist das gleiche Gefühl aus. Das wesentliche - die Verletztheit beider Seiten - ist dann schon nicht mehr im Blick. 

Man kämpft einen Kampf gegen Windmühlen, weil das worum es geht nicht in den Blick kommt. Das kann in Konflikten eine Spirale der Eskalation auslösen - gegenseitige Vorwürfe und Abwertungen.

 

Jeder kämpft blind darum gesehen zu werden, ohne sich aber zeigen zu können. Das macht Konflikte in Wut so energieraubend.  

Statt sich gegenseitig zu sehen, wird die Spirale immer gewalttätiger, der Ton immer lauter, weil die Verletzung des Nicht Gesehen 

werdens immer spürbarer wird. Das eigentliche Gefühl rückt immer weiter in den Hintergrund.

 

Kein Anspruch und kein Vorwurf können je zu einer Lösung führen, denn sie verbinden nicht, sondern trennen. Sie entstehen nur, 

wenn wir in einer Situation von uns selbst getrennt sind.

 

Die einzige Möglichkeit, im Konflikt - in der Wut - wieder zu sich zu finden ist, innezuhalten, sich zu spüren, im Bewußtsein, 

daß es in der Wut keine Lösung gibt. Weder für mich, noch für den anderen. 

 

Der Anspruch an den anderen gesehen zu werden ist nichts anderes als ein Hinweis darauf, daß wir uns in dem Moment selber nicht sehen, und daher nicht zeigen können wie wir sind. Alles was wir spüren ist Scham und das Gefühl nichts wert zu sein. 

 

Täter und Opfer

 

Das Paradoxe in Konflikten, die über Wut ausgetragen werde ist, daß sich beide als Opfer empfinden. Keiner sieht in sich den Täter, der mit seiner Wut den anderen verletzt. Das macht die Wut so gefährlich. 

 

Im Konflikt können wir nicht zu unserem wirklichen Gefühl der Verletztheit finden. Aber  unser Bewusstsein kann in dem Wissen, daß der Prozess destruktiv ist, entscheiden sich zurückzuziehen. In dem Wissen, daß in der Wut die Lösung nicht zu finden ist, und die Verletzung nur größer wird.

 

Im Konflikt und in der Wut zu bleiben, ist mir selbst und dem anderen gegenüber destruktiv. Der Rückzug aus dem Konflikt ist der erste Schritt, in Eigenverantwortung und Selbstmitgefühl zu mir zu stehen.

 

Die Lösung aus der Wut

 

Wenn ich alleine bin kann ich üben Kontakt mit meiner eigenen Verletztheit aufzunehmen.  Denn mit mir alleine bin ich geschützt. Lösen tut sich der Konflikt nicht in der Konfrontation, sondern im Fühlen meiner verletzten Gefühle - von Traurigkeit und Schmerz. Sie liegen unter der Wut. Wo ich diese Gefühle ohne Wertung und Urteil  spüren und zulassen kann, finde ich wieder zu mir zurück. Ich bin nicht mehr außer mir - wie in der Wut.

 

Wie ich dazu komme, meine Gefühle fühlen zu können, dazu gibt es in anderen Einträgen Übungen und Meditationen.

 

Wenn mir diese Lösung gelingt, wird mein Blick auch dafür frei, wo ich in der Wut den anderen verletzt habe, und es tut mir leid.

 

Die Lösung des äußeren Konflikts mit meinem Gegenüber kann dann stattfinden, wenn ich mich in meiner Verletzlichkeit zeige, und im Gespräch anerkenne, daß ich den anderen auch verletzt habe. 

 

So wie Wut Wut erzeugt, erlaubt das Zeigen meiner eigenen Verletzlichkeit dem anderen sich auch zu öffnen. Es ist egal, wer diesen Lösungsprozeß anfängt. Er funktioniert von beiden Seiten. 

 

In der Wut gibt es oft die Henne und Ei Frage - wer hat angefangen? Der muß sich dann beim Anderen entschuldigen. Doch dieser Blick verstellt den Blick auf die Wirklichkeit. Denn es gibt in Beziehungen keinen klaren Anfang von Verletzungen. Sie passieren immer wieder - meist ungewollt. Es ist nur die Frage wie wir mit diesen Verletzungen umgehen, die die Qualität unserer Beziehungen ausmacht.

 

 

 

 

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