Zurück im To Do Modus - der Alltag hat mich im Griff



Der Sommer geht dem Ende zu, der Urlaub ist vorbei. Die Zeit, in der es normal ist, daß auch viele andere nichts oder nur wenig tun und wo es in Ordnung ist, wenn Dinge auch mal warten können, geht zu Ende.


Jedes Jahr im Herbst tauche ich wieder in mein Leben ein und nach ungefähr einer Woche stelle ich mir dir Frage "Das ist meine Leben? So fühlt sich das an?" Denn in der ersten Woche gehe ich in der Regel in einer Flut von tausend Dingen unter, die entweder noch oder schon und vor allem schnell erledigt werden "müssen".


Das entspannte Gefühl des Urlaubs verkommt zu einer blassen Erinnerung. Letzte Woche war ich noch am See - es scheint schon einen Monat her zu sein. Das Diktat der Verpflichtungen und To Do's ist wieder da. Schaue ich dann auf mein Leben, habe ich schnell das Gefühl, es macht keinen Spaß erwachsen zu sein.


Ein Schritt zurück


Ich kenne Zeiten, in denen ich dann bis Weihnachten gelaufen bin, alle Verpflichtungen und Ansprüche erfüllend. Und erst zum Jahreswechsel gab's ein Innehalten und den Vorsatz die Dinge anders anzugehen.


Heute gehe ich den Schritt zurück schneller. In der Regel am ersten Wochenende, nachdem die Arbeit für mich und meine Frau und die Schule für meine Tochter wieder begonnen hat.


Stehen bleiben, mich spüren, wahrnehmen, welche Gefühle da sind und vor allem - ganz wichtig - was meine Bedürfnisse sind.


Die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und sich dann auch noch zuzugestehen, daß sie ein Lebensrecht haben, das ist für mich ein ganz zentraler Punkt in der Achtsamkeit.


Die Bedürfnisse stehen auf keiner To Do Liste


Die Bedürfnisse sind nicht so laut wie die Anforderungen von außen. Ich kann sie nur hören, wenn ich still werde, wenn ich langsam werde, wenn ich ruhig werde. Nur dann höre ich diese vergleichsweise leise Stimme.


In der Regel spricht dann schnell eine andere Stimme, die mir sagt, daß das je stimmt und wichtig ist mit den Bedürfnissen, daß ich das aber alles ja auch verschieben kann, denn da sind ja ganz viele wichtige Dinge, die erledigt werden müssen - und dann...... kann ich es mir ja wieder gut gehen lassen.


Die Sache hat nur einen Haken: Wenn ich diese Dinge alle erledige, bin ich auch erledigt. "Ich funktioniere nur noch", ist dann ein gern gesagter Satz. Dieser Satz fällt, wenn der Alltag mich mit seinen Aufgaben so im Griff hat, dass ich meine Bedürfnisse nicht mehr spüre und nicht mehr lebe. Ich spüre dann nur noch meine Erschöpfung und kaum Lebensfreude und Energie.


Mir selbst ein guter Freund sein


Mir selbst ein guter Freund zu sein heißt, meine Gefühle, meine Bedürfnisse, meinen Körper wahrzunehmen und mich darin wichtig zu nehmen, was ich da spüre. Mir selbst einen Platz zu geben, der GENAUSO VIEL zählt, wie die äußeren Ansprüche. Nicht mehr und nicht weniger.


Ein Gleichgewicht zu finden, bei dem ich bei beiden gerecht werde, ist die Kunst der Achtsamkeit.


Wenn es mir gelingt gut auf mich zu schauen, diene ich interessanterweise den äußeren Aufgaben. Denn wenn ich gut mit mir verbunden bin, bin ich produktiver, kreativer, sehe mehr Lösungswege - ich bin weniger gereizt und erzeuge dadurch für mich und andere weniger Konflikte, die die Stressspirale weiter befeuern.


Gut auf sich zu schauen dient also nicht nur mir. Es dient dem Ganzen.

Übung


Das erste Wochenende nach dem Arbeitseinstieg bewusst dafür zu nutzen abzubremsen, innezuhalten und sich ein bißchen Luft zu verschaffen, tief durchzuatmen und in Ruhe darauf zu hören wie ich mich fühle und was meine Bedürfnisse sind - das ist die Übung zum heutigen Beitrag.


Auch die engen Bezugspersonen mit einzubeziehen und darüber zu reden, wie man gut auf sich schauen und auf einander schauen kann, ist sehr hilfreich. Denn wenn man sich im Tun verliert, merkt man es oft nicht bewusst. Jemand, der außen steht, hat da oft einen viel klareren Blick.


So kann man sich gegenseitig unterstützen, gut bei sich und seinen Bedürfnissen zu bleiben.

Und vielleicht wird es ein kleines Ritual am Wochenende drauf zu schauen, ob man sich gut treu bleiben konnte.