Wie wir uns wieder konzentrieren können
- 1. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Das heutige Video ist eine wunderbare Zusammenfassung darüber, wie unser Gehirn und damit unser Verdauungsapparat für Informationen und Erlebnisse funktionieren.
Einfach gesagt - wenn ich in ein Gefäß mehr einfülle, als es aufnehmen kann, läuft es über. Mit unserem Gehirn ist es nicht anders. Es kann eine begrenzte Anzahl von emotionalen Reizen aufnehmen. Dann muss es sie verarbeiten. Steht zum Verarbeiten zu wenig Zeit zur Verfügung, kann es alles, was ab da dazu kommt, nicht mehr aufnehmen.
Wie schützt sich das Gehirn? Indem es die Außenwelt ausblendet. Man kann auch sagen, indem es Präsenz reduziert, weil es mit inneren Vorgängen beschäftigt ist. Dieses Ausschalten passiert nicht willentlich. Es ist ein Mechanismus.
Wie viel Input möchte ich mir zumuten?
Wir leben in einer Welt des ständigen Inputs von allen Seiten. Es gibt kaum noch Bereiche, in denen man einfach so für sich ist - ohne Werbung, ohne Entertainment, ohne Information, ohne Produkte, die man kaufen könnte. Was diese konstanten emotionalen Reize mit uns machen, ist ganz einfach. Sie beschäftigen unser Gehirn mit Dingen, die oft nichts mit Produktivität, Bedeutung gebender Beschäftigung und Fokus auf etwas Wichtiges zu tun haben.
Für diese Tätigkeiten, für die wir Fokus und Präsenz brauchen, ist, wenn wir mal überfüllt sind, einfach nicht mehr genug Energie da. Da lässt sich dann auch mit dem Willen gar nichts mehr steuern. So kommt es zu zwei Phänomenen, die es vor 20 Jahren noch nicht gab. FoMo - die "fear of missing out" ist das eine. Vor lauter Überangebot auf allen Ebenen lebt man ständig im Gefühl etwas zu verpassen. Man ist unzufrieden und überfressen zugleich. Und es gibt eine neue Phobie namens "Nomophobie". Nomophobie ist die Angst, keinen Zugang zu seinem Telefon zu haben. Wir sind gleichzeitig überdigitalisiert und menschlich unterernährt.
Ich habe mir in letzter Zeit angewöhnt, kein Telefon mehr mit zu nehmen, wenn ich mit meiner Frau gemeinsam etwas in der Freizeit mache. Ich habe ein kleines Notizbuch und einen Kugelschreiber dabei. Fertig. Es ist durchaus erstaunlich, wie sehr dann spürbar wird, wo sich das Telefon überall hineindrängt und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das merkt man erst, wenn man es mal nicht dabei hat. Hier eine Empfehlung meinerseits, das mal für sich auszuprobieren.
Was kann ich tun, um wieder präsent zu sein?
Wieder präsent sein heißt für mich da zu sein, im Augenblick, aufnahmefähig, und den eigenen Fokus lenken zu können, statt ihn von außen lenken zu lassen. Aktives Leben zu gestalten, statt sich passiv durch starke emotionale Reize leiten zu lassen.
In einer lauten und reizstarken Umgebung, an die man sich gewöhnt, geht leider auch Empfindsamkeit verloren. Man spürt nichts mehr, wenn etwas nicht laut und extrem ist. Und so führt die Reizüberflutung ganz einfach zu deregulierten Nervensystemen, auch bekannt als Stress, Angst, Sucht und Depression.
Im kleinen Vortrag von Richard Cytowic finden sich nicht nur einfache und klare Erklärungen, wie unser Gehirn und unsere Psyche funktionieren. Es finden sich auch viele ganz praktische Tipps wieder, wie ich meinen Tagesablauf gestalten und worauf ich achten kann, um gut bei mir zu sein und in meinem eigenen Leben wieder am Steuer zu sitzen.
Viel davon hat damit zu tun, Bildschirme im eigenen Leben zu reduzieren und reale Begegnungen mit sich selbst und anderen zu suchen.

















