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Wie viel ist genug?

"Wie viel ist genug?", diese Frage stellen wir uns oft gar nicht mehr und gehen im zu viel unter.


Letzte Woche habe ich einen interessanten Artikel über den Untergang von Hochkulturen gelesen. Der Grund ist immer derselbe. Hochkulturen schaffen viel Neues. Alles was erschaffen wird, macht neue Probleme, die wieder neue Lösungen brauchen. Und irgendwann wird es so komplex, dass das System sich nicht mehr erhalten kann. Dann bricht es zusammen.


So fühlt es sich an, das allgemeine Leben in den letzten Jahren. Unsere Zivilisation scheitert an der Komplexität, die die selbst erschaffen hat.


Wie viel ist genug? I Achtsamkeit Blog

Anspannung durch zu viel


Ich habe oft das Gefühl, dass nicht nur unsere Gesellschaft mit ihrer Komplexität und Vielfalt am Limit ist, sondern auch jeder einzelne, der versucht, das Viele in seinem eigenen Leben aufrechtzuerhalten.


Wenn ich in das Gefühl komme, das Viele ständig bedienen zu müssen, verliere ich mich. Ich fühle mich dann getrieben und angespannt. Das Viele macht Stress. Ich finde nicht mehr in eine tiefer gehende Entspannung. In ein Gefühl von - „so wie es ist, ist es gut“. Das Gefühl, die nächste Woche oder den nächsten Monat so zu leben, dass nichts auf einen wartet, dass nichts unerledigt ist, wird zur Sehnsucht. In der alltäglichen Realität kommt es nicht mehr vor. So entsteht ein alltäglicher Alarmismus - nur nicht ruhen, sonst bricht etwas zusammen und ich kann die Komplexität, die ich aufgebaut habe, nicht mehr halten.


Es ist erstaunlich, wie schnell es immer wieder geht, dass mir Dinge zu viel werden und ich in ein Lebensgefühl komme, indem ich keine Ruhe mehr finde - einfach, weil ich das Gefühl habe, einfach nicht nachzukommen. Im letzten Monat ist es mir wieder so gegangen.

Dabei habe ich mir mein Leben mittlerweile gut eingerichtet, arbeite nur 4 Tage in der Woche und fühle mich von der Seite fast nie überfordert. Aber dann gibt es darüber hinaus dieses ständig verfügbare Überangebot an allem. Das würde ich gern lesen und das, und schon warten ungefähr 50 Bücher auf mich und ich weiß nicht, wo ich die Zeit finden soll, sie zu lesen. Ganz viele tolle Filme und Dokumentationen buhlen ebenfalls um meine Aufmerksamkeit. Genauso wie Freunde, die ich länger nicht mehr gesehen habe und natürlich - was nie fehlen darf, die To Do’s des Alltags, die sich ebenfalls immer wieder exponentiell zu vermehren scheinen.


Dazu Familie, kochen, Yoga, meditieren, Sport, .... - doch der Tag hat nur 24 Stunden.


Der Preis des Vielen

3 Stunden etwas machen und 3 Stunden etwas anderes sind in Wirklichkeit oft 8 oder 9 Stunden. Wir berechnen den Weg nicht mit, das Organisieren und Ausmachen von etwas, das Einordnen und Verarbeiten des Erlebten. Wir unterschätzen gern, wie viel Nebenarbeit jede Beschäftigung, jeder Besitz beinhaltet. Und auch die Regel, dass jedes größere Projekt ungefähr zehnmal mehr Zeit kostet, als man glaubt, finde ich in meinem Leben immer wieder bestätigt.


Wie viel ist genug?


Diese Frage taucht in letzter Zeit immer öfter auf in meinem Leben.


Ich denke auch ab und zu an die Erzählungen meiner Eltern, wie sie als junge Menschen gelebt haben. Mein Vater ist jeden Tag mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren. Die Telefonzelle war das einzig verfügbare Telefon. Eine Flasche Cognac stand im Schrank, falls mal Besuch kommt. Urlaub im Ausland war unbekannt. Eine Familie hat auf der Hälfte des Wohnraums existiert, den Familien heute habe, und vieles mehr in dieser Richtung. Die gefühlte Einfachheit dieses Lebens, das nicht viele Ressourcen braucht, wirkt auf mich beruhigend.


Auch wenn mir bewusst ist, dass der Blick in die Vergangenheit oft romantisierend ist, die Frage, „wie viel ist eigentlich genug?“, beschäftigt mich in letzter Zeit mehr und mehr.


Was kann ich reduzieren, um wieder gut bei mir zu sein? Wie kann ich mein Leben organisieren, dass ich mich gar nicht so anzuspannen und verspannen muss? Dann muss ich mich davon nämlich auch nicht so erholen.

Bei allem, was so Teil meines Lebens ist und was ich so plane, frage ich mich in letzter Zeit, wie viel Energie ich aufwenden muss, um etwas zu machen und ob das dafür steht.


Und in Sachen Überfluss frage ich mich - wenn ich schon 50 Bücher habe, die ich lesen möchte, ob es dann wirklich so sinnvoll ist, noch 50 dazu zu kaufen. Und wenn ich von zehn Pullovern im Schrank nur vier trage, sind dann nicht vier genug.....


Weniger ist mehr


Weniger ist mehr, ist ja ein geflügeltes Wort. Weniger ist für mich "mehr" Präsenz, mehr Entspannung und Ruhe. Mehr bei mir sein, mehr Lebensqualität, mehr Erleben und Lebendigkeit. Das ist für mich der größte Wert.


Ich merke immer wieder, wie schnell es geht, sich an das „zu viel“ zu gewöhnen. Es als natürlichen Lebensstandard zu sehen. Es gar nicht mehr infrage zu stellen und sich dann als Opfer des "zu viel" zu fühlen.


„Besitz besitzt mich.“ Diesen Satz habe ich vor Kurzem mal gehört. Je mehr Besitz ich habe, umso größer muss meine Wohnung sein. Je mehr Dinge ich dort habe, umso mehr Dinge gehen auch kaputt und müssen repariert oder ersetzt werden. Und so hält mich das Viele ständig in einem Hamsterrad, in dem ich mich verliere.

 

Übung:


Mir immer wieder bewusst zu werden, welchen Preis die Dinge haben, die ich in mein Leben lasse, ist für mich eine Übung, die ich in Zyklen immer ganz bewusst wiederhole. Denn alles, wofür ich mich entscheide, hat einen Preis, den ich oft nicht mit bedenke.


So taucht die Frage, „wie viel ist genug?“, immer mal wieder auf. Diese Woche lade ich im Blog dazu ein, dieser Frage auch in deinem Leben ein bisschen Raum zu geben und für dich zu schauen, welchen Preis du dafür zahlst.


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