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Was stresst mich eigentlich so?

Manchmal mache ich in meinem Leben unglaublich mutige Schritte und denk mir gar nichts dabei.


Dann wieder gibt es Zeiten, da bin ich ängstlich und die kleinsten Entscheidungen überfordern mich und machen mir Angst. Ich stelle dann alles infrage - mich selbst natürlich gleich mit. Ich habe mich dann verloren und weiß in der Regel nicht wo.

Was stresst mich eigentlich so? I Achtsamkeit Blog

Bin ich mal in der Krise, dann ist mein ganzes Lebensgefühl anders. In "Yesterday" von den Beatles gibt es zwei Textzeilen, die das für mich gut beschreiben: "Yesterday, all my troubles seemed so far away. Suddenly I'm not half the man I used to be."


Zu merken, dass auf einmal nichts mehr passt, sich alles eckig anfühlt und ich nicht zu meinem Lebensgefühl davor zurück finde ist zum aus der Haut fahren.


Es hilft mir dann auch der Gedanke nichts, dass jede Krise endet und ich mich bald wieder ganz anders fühlen werde.


Durch die Achtsamkeit habe ich einen Weg gefunden, mich in solchen Situationen wieder gut in mir orientieren zu können. Diesen Weg möchte ich heute teilen.


Die Quelle der Krise suchen


Aus der Sicht der Achtsamkeit steht der Körper für das Angstsystem in uns. Dieses Angstsystem ist einfach zu lesen, wenn es einem bewusst ist. Wann immer mir etwas Angst macht, spanne ich mich unwillkürlich an und Konfliktgefühle werden in mir aktiviert. Wann immer ich angstfrei in Beziehung bin, entspanne ich mich.


Bildet man das Angstsystem als Skala ab, dann schaut das so aus:

Zwischen Null (völlig entspannt) und vier (leichte Anspannung) ist die Angst mein Freund. In diesem Bereich ist der sogenannte positive Stress angesiedelt. In diesem grünen Bereich bin ich gut mit mir in Beziehung und kann daher auch mit anderen gut in Beziehung sein.


Im roten Bereich ist meine Grenze verletzt. Ich bin nicht mehr wirklich bei mir, tendiere zum Angriff oder dazu mich zu verstecken. Ich kann nicht mehr mitfühlend mit mir selbst und anderen sein. Je höher ich in die rote Zone komme, desto reaktiver werde ich, desto enger wird mein emotionales Erleben und desto weniger Optionen finde ich in mir, mit einer Situation gut umzugehen.


Je höher ich in der roten Skala bin, desto überforderter bin ich mit der Situation.


Wie gehe ich mit diesem Wissen konkret um?


In der Überforderung bin ich sehr getrieben und versuche allen Ansprüchen irgendwie gerecht zu werden. Dabei verliere ich mich selbst. Die Überforderung zeigt sich dann in mir als allumfassendes Gefühl und alles Mögliche, das mich sonst nicht groß stört, wird auf einmal anstrengend und belastend. In so einer Situation ist es schwer, sich zu orientieren, wo die Belastung eigentlich herkommt.


Mit der Skala kann ich meine Themen sehr gut auffächern. Einen Bereich, wie etwa die Arbeit, kann ich dann in Unterthemen aufteilen, die dazu gehören. Wie geht es mir mit meinen Kollegen, mit dem Ort, an dem ich arbeite, mit meinen Aufgabenbereichen? Mit welchen Aufgabenbereichen geht es mir gut? Bei welchen ist viel Anspannung da? Wie geht es mir mit meinem Vorgesetzten, mit der Hierarchie in der Firma, mit meinem Gehalt, mit den Arbeitszeiten,....


Auf diese Weise kann ich jedes Thema in meinem Leben in Bestandteile auffächern. Jedes Unterthema bekommt eine eigene Skala. So entdecke ich vielleicht, dass ich meine Arbeit super gerne mache und ganz entspannt bin, aber ich habe Stress wegen eines Kollegen, der Druck macht oder zu viel Zeitdruck oder ich verdiene einfach nicht genug.


Entdecke ich so die Quelle der Krise, wird die Situation viel übersichtlicher. Denn in der Regel habe ich dann einen konkreten Punkt, an dem ich ansetzen und etwas verändern kann. Ich kann in Bezug auf das Thema, das mir Stress macht, auch gut in die Tiefe gehen, kann auch dieses Thema noch mal in sich auffächern und so zu mehr Selbsterkenntnis kommen.


Selbsterkenntnis über diese Zusammenhänge führt oft ganz von allein in Selbstwirksamkeit. Wenn sich die nicht einstellt, kann ich mich mit meinem Partner, mit Freunden oder in Beratung austauschen und so schauen, wo ich eine Perspektive finde, die mir eine positive Veränderung erlaubt.


Komfortzone


Jedem ist bewusst, dass Wachstumsprozesse damit zu tun haben, dass ich meine Komfortzone erweitere. In Bezug auf die Skala bedeutet das, dass ich mich in Aufgaben hinein wage, bei denen ich in der Angstskala auf 5 oder 6 komme. Da habe ich zwar schon Stress, aber ich bin auch noch ganz gut bei mir. Die Dinge, die mir Angst machen, sind dort noch nicht so überwältigend, dass ich die Übersicht verliere. Ich kann sie Stück für Stück kennenlernen. So weite ich meine Komfortzone aus. Habe ich mich mit den Dingen, die mir ein wenig mehr Angst gemacht haben angefreundet oder da etwas gelernt, machen sie mir keine Angst mehr.


Bin ich in Bezug auf ein Thema bei zwei oder drei und nur ein Unterthema macht mir total Angst - so 8 oder 9, dann kann ich ganz konkret schauen, wie ich für den Aspekt Hilfe bekomme, jemanden, der mir das abnimmt oder dass ich in Bezug auf dieses Thema etwas lerne.

 

Übung:


Du kannst mithilfe der Skala alle möglichen Themen in deinem Leben anschauen. Du kannst grob anfangen und dein Leben zum Beispiel unterteilen in privat, beruflich, finanziell, Zeiteinteilung. Jedem der Themen wird Anspannungswert zugeordnet und dann hast du gleich mal eine Verortung, in welchem Lebensbereich der meiste Stress ist.


Ab da kann es in die Tiefe gehen und rein in die Selbsterkenntnis.


Noch gut zu wissen:


Wo immer ich einen Anspannungswert von über 7 habe, ist es ganz wichtig, etwas zu ändern. Denn sonst lebe ich ständig in Konflikt und das kostet sehr viel Energie. Die Angst wird ab ca. 5 mehr und mehr zum Boykottsystem. Sie verhindert dann, dass ich mit etwas in Beziehung gehe. Ich schiebe dann Dinge auf, werde krank, habe keine Energie mehr und wann immer ich mich doch zwinge, komme ich unweigerlich in die Überforderung. Ich bin also ständig in Konflikt mit mir und kann das dann auch vor anderen nicht mehr verbergen.


So ist der gute Umgang mit sich selbst der, in der ich in meiner ganz persönlichen Komfortzone bleibe und sie immer wieder ein Stück erweitere und wachse.





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