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Was ist eigentlich Resilienz?

Resilienz ist ein Begriff, der in den letzten Jahren populär geworden ist. Es kommt sozusagen aus dem gleichen Stall wie das Wort Stress. Beide haben eine schöne Bedeutung in der Physik, durch die man ganz schnell sieht, worum es bei den beiden Begriffen geht.


Was ist eigentlich Resilienz? I Achtsamkeit Blog

Stress


Stress ist in der Physik die Einheit, wie sehr man etwas belasten kann, bis es kaputt geht. Wenn man sich das Ganze mit einem Muskel vorstellt, dann wird einem schnell klar, wie viel Belastung ein Muskel aushält und ab wann er zusammenbricht, weil die Last einfach zu groß wird. Je größer die Last, umso weniger lang hält er durch.


Da der Körper und die Psyche eins sind und alle Gefühle verkörpert werden, ergibt sich eine ganz einfach Analogie: Je mehr Dinge wir in unserem Leben haben, die uns belasten, umso emotional erschöpfter werden wir und umso schneller kommt es zu einem Zusammenbruch.


Diese Analogie ergibt sich daraus, dass alle Dinge, die uns Angst machen, die uns belasten, von denen wir überfordert sind, die uns zu viel sind, ebenfalls eine Anspannung im Körper machen, die wir permanent halten und nicht mehr loswerden.


Je angespannter unser Körper durch emotionale Belastungen ist, umso mehr verlieren wir uns und sind mit uns selbst und anderen in Konflikt. Unsere Persönlichkeit verändert sich. Wir sind nicht mehr wir selbst. Alle Leichtigkeit weicht der Schwere.


Stress und vor allem die Dauer von Stress ist simpler weise das Maß, das unsere Resilienzfähigkeit ausmacht.


Resilienz


Resilienz hat wiederum in der Physik die Bedeutung - "wie lange kann ich etwas verformen, bis es wieder in seine Form zurückgeht?" Und genau da treffen sich Stress und Resilienz aus einem ganz einfachen Zusammenhang.


Es macht überhaupt nichts, wenn man über seine Grenzen geht und mal wirklich zu viel Belastung hat. Kurz später kann man wieder entspannen und regenerieren. Der ganze Organismus holt sich dann genau die Ruhe und Pause, die er braucht, um sich wieder in seinen Originalzustand zu verwandeln.


Man kann also sagen, der Stress - die Belastung - hat den Körper durch die zugehörige Anspannung verformt. In der Pause und Regeneration formt er sich wieder zurück.


Doch genau diese Fähigkeit geht verloren, wenn der Stress dauerhaft wird und schlimmstenfalls auch dauerhaft hoch bleibt.


Denn die Muskeln sind biologisch Fasern, die ineinander gleiten, wenn sie sich anspannen und wieder auseinander gleiten, wenn die Anspannung nachlässt. Und es ist genau diese Fähigkeit, die der Körper verliert, wenn der Muskel keine Zeit mehr bekommt, in denen er loslassen kann, weil ich wirklich in mir zur Ruhe komme.


So zeichnet sich ein resilienter Mensch dadurch aus, dass er immer wieder in der Tiefe entspannt und daher wenig ängstlich ist. Er ist dann mit sich und anderen ein Einklang und fühlt sich nicht bedroht. Dadurch, dass er in einem entspannten Körper weniger Konflikte erlebt, bleibt er bei gleicher Belastung und gleichen Sozialkontakten auch nachhaltig entspannter, flexibler und offener gegenüber Neuem.


Hat der Körper durch zu lange hohe Anspannung, die Fähigkeit verloren, sich zu entspannen, kann ich mich gerne entspannen wollen. Aber es geht nicht mehr. Der Körper verliert dann die Fähigkeit dazu. Die Muskeln brauchen dann Hilfe, um die Fähigkeit, sich zu entspannen, wieder zu lernen. Und solange sie das nicht können, kann ich aus dem Gefühl von Belastung und Bedrohung nicht raus. Die Haltung, in die mein Körper gekommen ist, wird zu meiner permanenten emotionalen Haltung. So prägt Stress Persönlichkeit.


Ein wichtiger Punkt ist, dass ich mich aus so einem Körper weder raus denken, noch raus fühlen kann. Es braucht dann wirklich emotionale Selbstregulation über den Körper. Und es braucht Hilfe, um wieder in einen entspannten Körper zurückzufinden.


Wie komme ich wieder zu einem resilienten Körper?


Es gibt viele Wege, wieder in einen entspannten Körper zu kommen. Die Achtsamkeit hat mit der Kombination aus achtsamem Yoga, bewusstem Atmen, Meditation und einer Haltung, die inneren Konflikt und daher Anspannung vermeidet, gleich mehrere Werkzeuge, die Stück für Stück in eine körperliche und emotionale Entspannung führen.


Das Gute bei der Achtsamkeit ist, dass nicht nur der Körper in Entspannung findet, sondern durch die Haltung der Achtsamkeit auch die Ursachen für die Anspannungen mit betreut werden. So kann ich Stück für Stück wieder in einen resilienten Körper finden, der seine ursprüngliche Haltung und Form wieder findet.


Massagen sind beliebt, um dem Körper zu helfen, wieder entspannt zu sein. Doch Massagen wirken leider nicht auf die Ursachen von Anspannung und so geht es mir 2 Tage später oft genauso wie zuvor. Ich persönlich schätze eine Körperarbeit namens Grinberg, in der Anspannungsmuster im Körper emotionalen Themen zugeordnet werden. Beim Lösen dieser Körpermuster lösen sich auch emotionale Muster und daher arbeitet die Methode in der Tiefe und berührt auch die Ursachen. Das heißt, ich erzeuge dann weniger Anspannungen, die zu Verspannungen führen.


Zudem halte ich es oft für sinnvoll in Beratung oder Therapie zu gehen, wenn ich aus meiner Persönlichkeit heraus, zu oft und zu lang über meine eigenen Grenzen hinweg gehe und das Gefühl habe, dass es mir nicht anders möglich ist.


Denn nachhaltig komme ich aus meinem verspannten Körper und meinem subjektiven Bedrohungsgefühl und meinen Ängsten nur raus, wenn ich die Dinge, die mir Angst machen, in meinem Leben reduziere.


Manchmal kann ich das gut alleine sehen und etwas bewusst ändern. Dann kann ich meine Bedürfnisse mal vor die Bedürfnisse anderer stellen. Manchmal merke ich aber auch, dass es Persönlichkeitsanteile in mir gibt, die immer wieder Ja sagen, obwohl es innerlich ein großes Nein gibt. Oder Persönlichkeitsanteile, in denen ich niemanden enttäuschen möchte, andere retten möchte, niemanden hängen lassen möchte. Oder welche, die sich vor Urteil und Wertung fürchten.

Alle diese Persönlichkeitsanteile haben eines gemein. Sie führen dazu, dass ich oft über Jahre konstant über meine Grenzen gehe. Dann ist es wichtig, einen ehrlichen Blick auf sich selbst zu bekommen und herauszufinden, was kann ich tun, um das Maß an Anspannung in meinem Leben zu reduzieren, damit ich wieder in einen resilienten Körper komme. Gut geht es mir, wenn ich so auch wieder in ein emotional resilientes Leben finde, das von Freude, Lebendigkeit, Energie und gelingenden Beziehungen zu mir selbst und anderen bestimmt ist.


 

Übung:


Für diese Woche, schau aufmerksam, wie hoch der Grad an Anspannung ist. Wie angespannt du von deinem gesamten Lebensgefühl her bist. Ein schönes Maß ist dafür einfach eine Skala zwischen Entspannung und Anspannung zwischen 0 und 10. Null ist komplett entspannt, 10 ist das Maximum an Angst und Anspannung. Die Linie, die am Ende nach oben geht, zeigt, ab wann die Angst und der Stress wirklich abheben. Zwischen 7 und 8 bin ich an der Grenze dessen, was ich noch selbst regulieren kann.



Wenn du merkst, dass du permanent in einem Bereich von 7 bis 10 bist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du sehr verspannt bist, reizbar, wenig Energie hast, dich kaum noch spürst, oft das Gefühl hast, nur noch zu funktionieren, viel mit dir und anderen in Konflikt bist, und so weiter.


Frage dich, welche äußeren Umstände oder inneren Anteile halten mich so lange in diesem Bereich, in dem sich das Leben nicht lebenswert anfühlt, in dem meine Lebendigkeit verschwindet.


Wenn du diese Bereiche gefunden hast, gebe ihnen auf der Skala ebenfalls jeweils eine Nummer. Die mit den höchsten Nummern Stück für Stück zu reduzieren ist ein guter Weg, um dich Stück für Stück wieder in die Richtung eines resilienten Körpers und eines resilienten Lebensgefühls zu entwickeln.


Aus meiner Sicht gibt es immer einen Weg, Belastungen zu reduzieren. Im Außen und im Innen. Dort, wo sich dieses Unterfangen aussichtslos anfühlt und du dich ohnmächtig fühlst, suche dir die Hilfe und Unterstützung. Jeder von uns braucht immer wieder Hilfe und Orientierung von außen, von Freunden, Büchern, Mentoren, Eltern, Beratern, ..... um gut zu sich zu kommen, wenn man sich verloren hat und der Körper ein Stück weit ein Gefängnis macht, aus dem er mich nicht mehr raus läßt.











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