Wachstum und Veränderung - Teil 3 - "Schritt für Schritt"



In Teil 1 und 2 dieser kleinen Serie habe ich über zwei Grundbedingungen geschrieben, die es braucht um guten Mutes in Veränderungsprozesse zu gehen. Angst als Freund zu sehen und Fehler gut zu finden. Mit dieser Haltung kann ich mich neugierig auf eine Veränderung und neue Lernerfahrung einlassen und erste Schritte gehen.


Der erste Schritt


In Teil 1 dieser Serie wird klar, daß die Angst schnell überhand gewinnt, wenn ich mir zu große Ziele setze. Dann möchte ich zwar unbedingt losgehen, aber Selbstzweifel, Energielosigkeit, Aufschieben und das Gefühl, daß das ja sowieso nichts werden kann, halten mich zurück.


Aber wohin dann mit meiner Sehnsucht dieses Neue Etwas zu meistern und diese neue Welt kennenzulernen?


Soll ich dann das große Ziel verwerfen und mich wieder mit dem bescheiden, was ich ohnehin immer mache? Oder das große Ziel als Traum in meinem Leben halten, der sich sowieso nie erfüllt?


Aus meiner Sicht kann ich mir jedes Ziel setzen, das ich möchte und es auch erreichen, solange ich die Schrittlänge anpasse. Warum möchte ich auf etwas zugehen?


Weil mich irgendetwas dorrt hin zeiht. Weil ich eine starke Beziehung spüre. Auch wenn ich das, von dem ich angezogen bin, vielleicht noch nie selbst gemacht habe und deswegen unsicher bin, ob ich da einen Weg finde.


Diese Neugier und die Begeisterung für etwas bahnen den Weg, der den Schritt in die "gute" Angst (Siehe Teil 1 dieser Serie) erlaubt. Wenn ich den Schritt so groß mache, daß sich meine Begeisterung und meine Angst die Waage halten, mache ich eine aufregende Lernerfahrung, in der ich mich nicht überfordere.


Der zweite Schritt


Nach dieser ersten Lernerfahrung habe ich das neue Feld ein bißchen kennengelernt. Aufbauend darauf, traue ich mir das nächste Mal mehr zu. Wenn ich die Schrittlänge weiterhin so wähle, daß ich mich nicht überfordere, geht die gute Lernerfahrung immer weiter.


Wenn ich Französisch lernen möchte, fahre ich nicht gleich nach Paris und versuche auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Das wäre eine völlige Überforderung.


Also werde ich versuchen, mit der Sprache erste Schritte zu machen. Für mich zu Hause oder in einem Kurs, in dem ich auch übe mit anderen zu sprechen. Vielleicht habe ich dann in meiner Bekanntschaft jemanden, der gut Französisch spricht und ich kann mit diesem Menschen ein bißchen üben und Sicherheit bekommen. Dann kann ich französische Bücher lesen - erst mal Kinderbücher in einfacher Sprache und dann mehr. Und so weiter.


Ein Jahr später kann ich dann nach Paris reisen und bin gut orientiert, was ich mir zutrauen kann. Dann kann ich vielleicht Filme auf Französisch anschauen und Gelegenheiten suchen, ins Gespräch zu kommen und kann schauen, wie gut mein Fundament mich trägt.


In der Weise kann ich Schritt für Schritt raus aus meiner Komfortzone machen, ohne mich bei jedem dieser Schritte selbst zu überfordern.


Der Weg ist das Ziel


Spaß machen Wachstum und Veränderung, wenn ich dabei spielerisch bleiben kann. Die Idee dabei ist, daß ich mir auf dem Weg zu meinem Ziel die Lust auf neue Erfahrungen bewahre, auch wenn ich dabei Fehler mache. Denn die Fehler sind, wie in Teil zwei der Serie beschrieben, nur ein gutes Zeichen dafür, daß ich wachse.


So wird der Weg zum Ziel. Der Weg, auf dem ich immer den jetzigen und nächsten Schritt im Auge habe. Irgendwann kommt der Gipfel des Berges näher, den ich erklimmen möchte. Wenn ich dann weiterhin auf meine nächsten Schritte schaue, wird mich der Anblick des Gipfels nicht entmutigen. Irgendwann tragen mich meine Schritte wie von allein dorthin.


Jeder hat sein eigenes Tempo


Jeder von uns geht seinen eigenen Weg und hat deswegen auch sein eigenes Tempo. Wo der eine langsam Schritt für Schritt sicheren Halt suchen muss, geht der andere vielleicht ohne Anstrengung vorbei.


Das heißt aber nur, daß dieser Mensch die Lernerfahrung, die ich gerade mache, schon hinter sich hat. Nicht mehr und nicht weniger.


Jedes französische Schulkind kann Französisch, wenn es in die Schule kommt. Da hat also jeder Sechsjährige einen Vorsprung vor mir, der ich das erst lernen möchte.


Dafür kann ich andere Dinge.


Mich nicht mit anderen vergleichen


Mich nicht mit anderen zu vergleichen, die Dinge vielleicht schon besser können als ich, das ist ein ganz wichtiger Punkt bei jeder Lernerfahrung.


Ich kann stattdessen lernen, mich mit mir selbst zu vergleichen. Wenn ich bei Schritt fünf bin, kann ich zurückschauen und stolz auf mich sein, was ich seit Schritt eins gelernt habe. Mit diesem Blick ist jeder getane Schritt in der Vergangenheit Motivation für den nächsten Schritt.


Worauf habe ich Lust?


Worauf habe ich Lust, ist mit die entscheidende Frage, wenn es um Veränderungs- und Wachstumsprozesse geht. Wenn mir die Vorstellung etwas Bestimmtes zu können, ein Lächeln auf meinen Lippen erzeugt, dann ist der Weg frei, meine Schritte zu setzen.

Denn genau diese Freude ermöglicht, daß ich immer wieder gerne auf Lernerfahrungen zugehe und mich von Rückschritten nicht demotivieren lasse.


Gehe ich auf etwas zu, was ich in der Tiefe gar nicht möchte, sondern nur aus einem äußeren Grund, werde ich irgendwann am Weg abbrechen und umdrehen.


Übung:


Was ist die Veränderung, die Wachstums- oder Lernerfahrung, die ich gerne machen möchte?


Worauf habe ich Lust?


Welche "ersten" Schritte kann ich setzen, um meinem vielleicht großen Ziel näher zu kommen. Schritte, auf die ich mich freue, die mir Spaß machen?


Mehr als diese ersten Schritte muss ich im Moment nicht kennen.


Ich kann diese ersten Schritte gehen und dabei mein Ziel im Auge behalten. Gehe ich Schritt für Schritt, und erlebe den Weg als etwas, was mich meinem Ziel immer näher bringt, kommt die Befriedigung nicht erst, wenn ich am Gipfel bin.


Schritt für Schritt kann ich so meine Grenzen erweitern.